Paul McCartney wird 84: Als der Kopf der Beatles aus Rührei einen Welthit machte

Wer sich genauer mit der Geschichte der Beatles befasst, der weiß, dass Rührei-Songs noch nicht mal das ungewöhnlichste an ihnen sind.

Paul Mc Cartney 01 Wikipedia
Ob mit den Beatles oder alleine, prägte McCartney die Musikwelt wie kaum ein anderer. | © Wikipedia

Paul McCartney feiert heute, am 18. Juni 2026, seinen 84. Geburtstag – und kaum ein Musiker hat die Popgeschichte so tief geprägt wie er. Als Bassist, Sänger und Songwriter der Beatles wurde er zur Stimme einer ganzen Generation. Als Solokünstler, Bandgründer, Produzent, Aktivist und unermüdlicher Live-Musiker bewies er danach, dass sein kreatives Leben nicht mit dem Ende der berühmtesten Band der Welt abgeschlossen war.

James Paul McCartney wurde am 18. Juni 1942 in Liverpool geboren. Seine Kindheit war geprägt von Musik, Familie und dem Nachkriegsengland, aus dem wenige Jahre später eine kulturelle Revolution entstehen sollte.

Als Teenager lernte er John Lennon kennen, stieg bei dessen Band The Quarrymen ein und wurde gemeinsam mit Lennon, George Harrison und später Ringo Starr Teil der Beatles. Aus einer lokalen Liverpooler Band wurde innerhalb weniger Jahre ein globales Phänomen.

Der Songwriter hinter einigen der größten Popmomente aller Zeiten

McCartney war nie nur der charmante Beatle mit dem melodischen Bassspiel. Er war einer der zentralen Architekten des Beatles-Sounds. Gemeinsam mit John Lennon schrieb er Songs, die Popmusik neu definierten: eingängig und experimentell, romantisch und ironisch, schlicht und zugleich erstaunlich komplex. Von Hey Jude über Let It Be bis Eleanor Rigby zeigen seine bekanntesten Kompositionen, wie mühelos er große Melodien mit emotionaler Direktheit verbinden konnte.

Auch als Bassist veränderte McCartney die Rolle seines Instruments. Sein Spiel war nicht bloß Begleitung, sondern oft eine zweite Melodie im Song. Gerade auf Alben wie Revolver, Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band und Abbey Road wurde deutlich, wie sehr sein musikalisches Denken über einfache Popformeln hinausging.

Als Yesterday noch Scrambled Eggs hieß

Eine der schönsten Anekdoten aus McCartneys Karriere gehört zu Yesterday. Die Melodie soll ihm im Schlaf eingefallen sein. Weil er zunächst keine fertigen Worte dafür hatte, sang er als Platzhalter nicht etwa den später weltberühmten Text, sondern eine absurde Frühstücksversion: Scrambled Eggs – also "Rührei". Der Unsinnstitel half ihm, die Melodie festzuhalten, bis aus der Idee einer der meistgespielten und meistgecoverten Songs der Musikgeschichte wurde.

Gerade diese Geschichte macht McCartneys Genie so greifbar. Einer der melancholischsten Popsongs des 20. Jahrhunderts begann nicht mit großer Tragik, sondern mit Rührei. Aus einer fast albernen Arbeitsnotiz wurde ein Lied, das bis heute Menschen auf der ganzen Welt berührt. Es zeigt, wie nah bei McCartney Leichtigkeit und Perfektion oft beieinanderliegen.

Nach den Beatles: Wings, Soloalben und ein zweites Leben als Weltstar

Nach der Trennung der Beatles hätte McCartney sich bequem auf seinem Mythos ausruhen können. Stattdessen begann er noch einmal neu. Mit Linda McCartney gründete er Wings und feierte in den 1970er-Jahren große Erfolge. Songs wie Band on the Run, Live and Let Die und Silly Love Songs zeigten, dass McCartney auch ohne die Beatles ganze Stadien und Charts füllen konnte.

Auch seine Solokarriere blieb über Jahrzehnte erstaunlich produktiv. McCartney veröffentlichte Pop- und Rockalben, experimentierte mit klassischer Musik und elektronischen Projekten und arbeitete mit immer neuen Generationen von Künstlern zusammen. Er wurde nicht einfach zum Denkmal seiner eigenen Vergangenheit, sondern blieb ein Musiker, der weiter schreibt, weiter aufnimmt und weiter auftritt.

Der Rekord vor fast 184.000 zahlenden Fans

Seine Live-Karriere ist dabei ein eigenes Kapitel. Am 21. April 1990 spielte McCartney im Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro vor mehr als 184.000 Menschen. Das Konzert brachte ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für das größte zahlende Publikum bei einem Solokonzert ein.

Diese Zahl wirkt bis heute fast unreal. Fast 184.000 Menschen kamen, um einen einzelnen Künstler zu sehen – keinen Festival-Slot, keine Bandparade, sondern Paul McCartney. Der Rekord erzählt viel über seine Ausnahmestellung: McCartney war nicht nur Teil der Beatles. Er selbst wurde zu einer eigenen globalen Institution.

Politisches und soziales Engagement

McCartney nutzt seine Bekanntheit seit Jahrzehnten auch für politische und soziale Anliegen. Besonders eng verbunden ist er mit Tier- und Umweltschutz. Gemeinsam mit seinen Töchtern Mary und Stella McCartney startete er 2009 die Kampagne Meat Free Monday, die Menschen dazu ermutigt, mindestens einen pflanzlichen Tag pro Woche einzulegen, um Klima, Ressourcen und Gesundheit zu schonen.

Auch mit PETA arbeitet McCartney seit vielen Jahren zusammen. Er setzte sich gegen Massentierhaltung und Tierversuche ein, unterstützte Kampagnen für pflanzliche Ernährung und lieh dem Video Glass Walls seine Stimme, das auf Missstände in der Fleisch- und Milchindustrie aufmerksam macht.

Daneben engagierte er sich auch humanitär. McCartney trat mehrfach bei Benefizveranstaltungen für Adopt-A-Minefield auf, einer Kampagne gegen Landminen und für die Unterstützung von Opfern. Seine offizielle Website führt mehrere dieser Benefizgalas auf, bei denen er gemeinsam mit anderen Musikgrößen Spenden und Aufmerksamkeit für das Thema sammelte.

Ein Musiker, der größer wurde als sein eigener Mythos

Heute, an seinem 84. Geburtstag, ist Paul McCartney längst mehr als ein ehemaliger Beatle. Er ist einer der erfolgreichsten Songwriter der Moderne, ein Live-Phänomen, ein Poparchitekt, ein Aktivist und ein Künstler, dessen Werk mehrere Generationen gleichzeitig erreicht.

Großeltern verbinden ihn mit Beatlemania, Eltern mit Wings und seinen Solojahren, jüngere Fans entdecken ihn über Dokus, Streaming, Kollaborationen oder die ungebrochene Macht seiner Songs.

Vielleicht ist genau das sein größtes Kunststück: Paul McCartney wirkt trotz all seiner Rekorde nie nur wie Geschichte. Seine Lieder sind Teil des kulturellen Gedächtnisses, aber sie fühlen sich nicht abgeschlossen an.

Sie werden weiter gesungen, weiter gecovert, weiter neu entdeckt. Und irgendwo zwischen Yesterday, Hey Jude, Let It Be und einem alten Platzhalter namens Scrambled Eggs liegt das Geheimnis eines Musikers, der aus kleinen Ideen Weltgeschichte machen konnte.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....