XXXTentacion war ein Zeichen seiner Zeit, Symbol seiner Generation und ein problematisches Vorbild.
Am 18. Juni 2026 jährt sich der Tod von XXXTentacion zum achten Mal. Sein Name steht bis heute für eine der widersprüchlichsten Figuren der jüngeren Musikgeschichte: ein Künstler, der mit verletzlichen, rohen Songs Millionen junger Menschen erreichte – und zugleich eine Person, deren Leben von Gewaltvorwürfen, Gerichtsverfahren und schweren Kontroversen geprägt war.
XXXTentacion, bürgerlich Jahseh Dwayne Ricardo Onfroy, wurde am 23. Januar 1998 in Plantation, Florida, geboren.
Er wuchs in schwierigen Verhältnissen auf, kam früh mit Konflikten, Gewalt und Instabilität in Berührung und fand in der Musik eine Form, Wut, Einsamkeit und Schmerz ungefiltert auszudrücken. Gerade diese Direktheit machte ihn für viele Fans so wichtig: Seine Songs klangen nicht glatt produziert oder distanziert, sondern wie ein offenes Tagebuch aus Depression, Aggression, Sehnsucht und Selbstzerstörung.
Ein Sound zwischen Rap, Emo und Kontrollverlust
XXXTentacion wurde zunächst über SoundCloud bekannt. Mit Look at Me! gelang ihm der virale Durchbruch: ein verzerrter, aggressiver Track, der sich rau, chaotisch und gefährlich anfühlte. Er passte perfekt in eine Internet-Generation, die Musik nicht mehr sauber nach Genres sortierte. Rap, Punk, Metal, Emo, Lo-Fi und traurige Gitarrenmelodien konnten bei ihm direkt nebeneinander existieren.
Sein Debütalbum 17 erschien 2017 und zeigte eine andere Seite von ihm. Statt nur auf Wut und Provokation zu setzen, rückte er Depressionen, emotionale Leere und innere Krisen in den Mittelpunkt. Songs wie Jocelyn Flores oder Everybody Dies in Their Nightmares wurden für viele junge Hörer zu Soundtracks eigener dunkler Phasen. 2018 folgte ?, das mit SAD! seinen größten Hit enthielt und Platz eins der US-Albumcharts erreichte.
Gerade diese Mischung machte Onfroy so einflussreich. Er war nicht der technisch sauberste Rapper seiner Generation, aber einer der emotional unmittelbarsten. Seine Musik war oft widersprüchlich, sprunghaft und unfertig – aber genau dadurch wirkte sie für viele Fans echter als polierte Pop-Perfektion.
Die Kontroversen, die man nicht ausblenden kann
Jede Auseinandersetzung mit XXXTentacion muss auch die schweren Vorwürfe gegen ihn benennen. Bereits zu Lebzeiten war er mit massiven Anschuldigungen konfrontiert, darunter Vorwürfe häuslicher Gewalt gegen seine damalige Partnerin. 2016 wurde er unter anderem wegen schwerer Körperverletzung einer schwangeren Frau, häuslicher Gewalt durch Strangulation, Freiheitsberaubung und Zeugenbeeinflussung angeklagt.
Nach seinem Tod veröffentlichte Pitchfork eine heimlich aufgenommene Audiodatei, auf der XXXTentacion über Gewalt gegen eine Ex-Partnerin und weitere Gewalttaten sprach. Diese Veröffentlichung verstärkte die Debatte um sein Vermächtnis noch einmal deutlich: Wie geht man mit Kunst um, die für viele Menschen lebensrettend wirkte, wenn der Künstler selbst anderen Menschen schweren Schaden zugefügt haben soll?
Genau diese Spannung lässt sich nicht einfach auflösen. Für manche Fans bleibt XXXTentacion vor allem der Künstler, der offen über Depressionen sprach, als sie sich selbst allein fühlten. Für andere ist er ein Beispiel dafür, wie schnell Gewalt gegen Frauen relativiert wird, sobald ein Künstler talentiert, jung oder tragisch verstorben ist. Beide Ebenen gehören zu seiner Geschichte – und keine sollte die andere auslöschen.
Der Tod am 18. Juni 2018
Am 18. Juni 2018 wurde XXXTentacion vor einem Motorradgeschäft in Deerfield Beach, Florida, erschossen. Er war gerade einmal 20 Jahre alt. Die Tat ereignete sich im Zusammenhang mit einem Raubüberfall; mehrere Männer wurden später angeklagt. Drei der Täter wurden 2023 zu lebenslanger Haft verurteilt, ein weiterer hatte zuvor einen Deal mit der Staatsanwaltschaft geschlossen und gegen die anderen ausgesagt.
Die Nachricht von seinem Tod verbreitete sich rasend schnell. Fans versammelten sich an Tatort und Gedenkorten, teilten Musik, Bilder, Videos und persönliche Geschichten. Viele beschrieben, dass seine Songs ihnen durch Depressionen, Einsamkeit oder Selbsthass geholfen hätten. Andere erinnerten gleichzeitig daran, dass Trauer nicht bedeuten dürfe, seine mutmaßlichen Opfer aus dem Blick zu verlieren.
Ein posthumes Vermächtnis voller Widersprüche
Nach seinem Tod wurde XXXTentacions Musik noch größer. SAD! schoss erneut nach oben, sein Werk wurde millionenfach gestreamt, und es erschienen posthume Projekte wie Skins und Bad Vibes Forever. Besonders Skins erreichte in den USA Platz eins der Albumcharts, während Bad Vibes Forever später mit gemischten Reaktionen aufgenommen wurde.
Doch diese Veröffentlichungen warfen auch Fragen auf. Wie viel eines posthumen Albums ist noch künstlerische Vision, wie viel Nachlassverwaltung? Wann wird Erinnerung zur Auswertung? Und wie verändert sich ein Werk, wenn der Künstler selbst nicht mehr entscheiden kann, was fertig ist und was nicht?
Auch familiär wirkte sein Tod nach. Sein Sohn Gekyume Onfroy wurde im Januar 2019 geboren, mehrere Monate nach XXXTentacions Tod. Für viele Fans wurde Gekyume zu einem emotionalen Symbol dafür, dass von Jahseh Onfroy etwas weiterlebt – auch wenn diese Form der öffentlichen Projektion auf ein Kind natürlich ebenfalls problematisch sein kann.
Warum XXXTentacion bis heute polarisiert
Acht Jahre nach seinem Tod bleibt XXXTentacion eine Figur, über die kaum neutral gesprochen wird. Seine Fans sehen in ihm einen Künstler, der seelischen Schmerz ausgesprochen hat, bevor viele andere Rapstars diese Verletzlichkeit in den Mainstream brachten. Seine Kritiker sehen in ihm ein Beispiel dafür, wie Popkultur gewalttätige Männer nach ihrem Tod romantisiert und ihre Opfer an den Rand drängt.
Musikalisch ist sein Einfluss kaum zu bestreiten. Die Verbindung aus Emo-Rap, rohem SoundCloud-Rap, Gitarrenmelancholie und psychischer Offenlegung prägte eine ganze Welle junger Künstler. Onfroy zeigte, dass Rap nicht nur Status, Härte und Erfolg erzählen musste, sondern auch Panikattacken, Selbsthass, Trauer und innere Leere.
Gleichzeitig bleibt sein Fall ein Warnzeichen dafür, wie gefährlich es ist, Schmerz automatisch mit Unschuld zu verwechseln. Dass ein Mensch leidet, bedeutet nicht, dass er anderen nicht ebenfalls Leid zufügen kann. Gerade bei XXXTentacion liegt die schwierige Wahrheit darin, dass beides gleichzeitig existiert: eine Musik, die vielen Menschen geholfen hat, und ein Leben, das von schweren Vorwürfen und realem Schaden überschattet wurde.
Ein Todestag ohne einfache Antwort
Am 18. Juni 2026 ist XXXTentacion seit acht Jahren tot. Seine Musik lebt weiter, seine Fans halten seine Erinnerung wach, seine posthumen Veröffentlichungen und die XXXTentacion Foundation versuchen, sein Bild mit wohltätigen Initiativen zu verbinden. Die Stiftung beschreibt ihr Ziel als Unterstützung gemeinnütziger Projekte, Bildungsförderung, Katastrophenhilfe und Hilfe für benachteiligte Communities.
Doch sein Vermächtnis bleibt kompliziert. XXXTentacion war weder nur Monster noch nur missverstandenes Genie. Er war ein junger, extrem talentierter, emotional offener und zugleich zutiefst problematischer Künstler, dessen Leben und Tod bis heute Debatten auslösen.
Vielleicht ist genau das die ehrlichste Art, über ihn zu schreiben: nicht als Heiligen, nicht als reine Skandalfigur, sondern als jemanden, dessen Musik viele berührte – und dessen Geschichte trotzdem nie ohne die Menschen erzählt werden sollte, die unter ihm gelitten haben.
