Plattform bezahlt Creator dafür, Autos anzuzünden und sich die Stirn tätowieren zu lassen

Von Schock-Stunts bis hin zu Gesichtstattoos: Pump.fun macht Krypto-Spekulation zu menschlicher Ausbeutung.

Avari Forehead Tattoo Cropped
Arivu und sein lebensveränderndes Tattoo | © @Param_eth via X

Die Macher des auf Solana basierenden Memecoin-Generators Pump.fun haben die Krypto-Spekulation in ein ausbeuterisches Spektakel verwandelt, indem sie eine neue Plattform namens Pump.fun GO ins Leben gerufen haben: ein Marktplatz, auf dem Nutzer Krypto-Beträge hinterlegen, um andere für die Erfüllung bestimmter Aufgaben in der realen Welt zu bezahlen. Werbeanzeigen deuten darauf hin, dass Menschen fast alles tun werden, um ihre „Bounties“ einzufordern, was Debatten über Ausbeutung entfacht hat.

Der ultimative Teufelskreis

Es versteht sich von selbst, dass das Bounty-System von Pump.fun GO sowohl Menschen anzieht, die gezielt nach „Lolcows“ suchen, als auch Menschen, die sich in finanziellen Notlagen befinden. Dies schafft ein erhebliches Machtgefälle, das sie dazu anreizt, immer erniedrigendere, rechtswidrigere oder körperlich gefährlichere Stunts vorzuführen. Als ob dies nicht schon besorgniserregend genug wäre, nutzen Trickbetrüger Bots und mit KI gefälschte Beweise, um das Geld abzugreifen. Indem sie die lockeren Verifizierungssysteme der Plattform aktiv ausnutzen und Gelder von legitimen Teilnehmern abziehen, stehen viele Menschen am Ende mit weniger da, als sie zu Beginn hatten.

Ein Stirntattoo geht schief

Stell dir vor, du lässt dir den Ticker eines Memecoins auf die Stirn tätowieren, nur um am Ende die Belohnung zu verpassen, weil jemand sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, ihn richtig zu schreiben. Genau das ist einem Nutzer namens Arivu passiert, einem Mann mittleren Alters aus Tamil Nadu im Süden Indiens. Ein Creator namens Ayush hatte auf der neu gestarteten GO-Plattform eine Aufgabe erstellt: 40 SOL (zu dem Zeitpunkt rund 2.600 Dollar wert) für jeden, der sich den Memecoin-Ticker $boutywork auf die Stirn tätowiert. Arivu zog die Herausforderung durch und kehrte aus dem Tattoo-Studio zurück - nur damit ihm die Auszahlung verweigert wurde. Das Problem war ziemlich banal: Der Schriftzug sollte eigentlich $bountywork lauten; Ayush hatte einen Tippfehler gemacht, der sein Opfer teuer zu stehen kam.

Sobald der Krypto-Kanal auf Twitter (X) Wind von der Sache bekam, gab er der Geschichte eine neue Wendung: Entwickler brachten einen brandneuen Spin-off-Memecoin namens $BOUTYWORK auf den Markt, mit Arivus blutigem Tattoo-Selfie als offiziellem Maskottchen des Projekts. Dekadente Trader überschwemmten den Coin mit Investitionen und trieben seine Marktkapitalisierung innerhalb weniger Stunden auf über 373.000 Dollar. Da die Community des Spin-off-Tokens einen Teil der Handelsgebühren an den Geschädigten weiterleitete, verdiente er Berichten zufolge am Ende zwischen 15.000 und 30.000 Dollar durch Creator-Belohnungen. Währenddessen verdiente der Entwickler, der den ursprünglichen Tippfehler gepostet hatte, über 160.000 Dollar an Umsatzprovisionen - allein dadurch, dass er einen massiven Besucheransturm auf die Plattform lenkte.

Diese Geschichte kann als klassischer Fall moderner Aufmerksamkeitsökonomie gesehen werden: Menschen bezahlen dafür, genau die Inhalte zu bekommen, die sie wollen - ohne jede Rücksicht auf die Menschenwürde. Obwohl Arivus Geschichte ein positives Ende nimmt, bleibt es zutiefst besorgniserregend, dass eine Plattform wie GO überhaupt existiert.

Was denkt ihr: Können Bounty-Plattformen wie diese für echten gemeinnützigen Dienst genutzt werden - oder werden sie immer ein Werkzeug für rücksichtslose Internet-Stunts bleiben? Lasst es uns unten in den Kommentaren wissen!

Henry Henzler

Nach seinem Anglistikstudium in Stuttgart startete Henry 2026 bei EarlyGame. Leidenschaftlich bei Gaming, Sport und Musik, liebt er immersive Story-Games....