Pokopia ist pro Trump? - Nintendo distanziert sich vom Meme des Weißen Hauses

Das Weiße Haus nutzt Pokopia-Meme, um seine Agenda zu verbreiten. Nintendo möchte jedoch nicht mit der politischen Botschaft in Verbindung gebracht werden.

Pokopia und Trump
Das Weiße Haus scheint Memes zu mögen | © Nintendo, Creatures, Game Freak / Wikipedia

Pokopia wurde am 5. März veröffentlicht. Es ist ein cozy Game, in dem man als Ditto eine Welt erschafft, in der viele Pokémon glücklich zusammenleben können. Allerdings sorgt dieses niedliche Spiel aufgrund eines Memes derzeit für heftige Kontroversen.

Das Meme, das das Fass zum Überlaufen brachte

Pokopia ist ein gemütliches, niedliches Pokémon-Spin-off, das sehr gut bei Fans und Kritikern ankam. Dementsprechend verbreitete sich das Spiel schnell in den sozialen Medien - und wo etwas viral geht, sind Memes nicht weit. So gab auch Pokopia Anlass für viele Memes. Eines davon fand besonders schnell Anklang: Der Pokopia-Titelbildschirm mit verschiedenen Texten, die im typischen Schriftstil und Layout über das offizielle Key-Art-Bild gelegt wurden.

Leider blieb es nicht bei harmlosen Witzen über das Spiel. Der offizielle Account des Weißen Hauses auf X nutzte die Vorlage, um seine politische Botschaft zu verbreiten: „Make America Great again.“


Eine schnelle Reaktion

Die Menschen waren empört über die politische Instrumentalisierung des harmlosen Memes, insbesondere unter dem Deckmantel des offiziellen Nintendo-Artworks. Die Antworten unter dem Post sind voller Memes ähnlichen Stils mit Anti-Trump-Slogans und Regierungskritik.

Die Antwort von Nintendo ließ nicht lange auf sich warten. Die Pokémon Company ließ durch ihre Unternehmenssprecherin Sravanthi Dev bekannt geben, dass keine Zustimmung zur Verwendung des Markenmaterials erteilt worden sei.

Wir sind uns der jüngsten sozialen Inhalte bewusst, die Bilder im Zusammenhang mit unserer Marke enthalten. Wir waren weder an deren Erstellung noch an deren Verbreitung beteiligt, und es wurde keine Genehmigung für die Nutzung unseres geistigen Eigentums erteilt. Unsere Mission ist es, die Welt zusammenzubringen, und diese Mission steht in keinem Zusammenhang mit politischen Standpunkten oder Agenden.

Das Unternehmen lehnt jede politische Verbindung ab.

Nicht das erste Mal

Die Pokémon Company musste sich schon einmal gegen die Beiträge der amerikanischen Regierung aussprechen. Im vergangenen September veröffentlichte der offizielle Account des Heimatschutzministeriums (Homeland Security) ein Video auf X, das Szenen aus dem Pokémon-Anime zusammen mit Aufnahmen von Operationen des Heimatschutzministeriums und ICE zeigte, unterlegt mit dem beliebten Pokémon-Titelsong Gotta catch´em all.

Die Pokémon Company distanzierte sich von diesem Filmmaterial und seiner politischen Botschaft.

Die Social-Media-Strategie des Weißen Hauses

Die Trump-Regierung hat sich (bislang) nicht zu ihrer Verwendung des Pokopia-Memes geäußert. In einer früheren Erklärung zur Social-Media-Strategie der Trump-Regierung erklärte Sprecherin Abigail Jackson:

Durch ansprechende Beiträge und coole Memes kommunizieren wir erfolgreich die äußerst beliebte Agenda des Präsidenten.

Memes scheinen also eine offizielle Marketingstrategie der Trump-Regierung zu sein. Sie veröffentlichen kontinuierlich Memes, die geistiges Eigentum aus Videospielen wie Halo, Minecraft, Stardew Valley und Call of Duty verwenden, in der Regel ohne die offizielle Beteiligung der Rechteinhaber, trotz Beschwerden aus der Gaming-Industrie und Gegenreaktionen von Fans.

Obwohl Memes eine großartige Strategie für Werbung und Marketing sein können, ist die Verwendung von geistigem Eigentum ohne Zustimmung, insbesondere durch offizielle Regierungskonten, die eine politische Agenda verbreiten, ein No-Go. Darüber hinaus passt die Ernsthaftigkeit der Politik, speziell der amerikanischen Politik in Zeiten wie diesen, nicht zum Unernst und Humor von Memes - sie stellt vielmehr deren Integrität in Frage. Außerdem sind ihre Memes nicht einmal lustig.

Nora Weirich

Schon als Kind hat Noras Vater ihre Begeisterung für Videospiele und alles was damit zu tun hat geweckt. Dazu kommt eine viel zu hohe Bildschirmzeit, weshalb sie so gut wie alles mitbekommt, was online so passiert und eine Vorliebe für das Schreiben, die sie durch ihr Philosophiestudium entdeckt hat. So kann sie all ihre Leidenschaften bei Earlygame verwirklichen....