Dieser YouTuber ha sein eigenes und das Leben eines ganzen indigenen Stammes riskiert und muss nun mit einer Gefängnisstrafe rechnen.
Influencer suchen ständig nach der nächsten ausgefallenen Videoidee, die mehr Klicks generiert als alle anderen. Doch eine der isoliertesten Bevölkerungsgruppen der Welt für den eigenen Erfolg in den sozialen Medien zu belästigen, ist eine ganz neue Dimension. Immerhin droht diesem YouTuber dafür nun eine Gefängnisstrafe.
Die Mission
Mykhailo Viktorovych Polyakov ist ein amerikanischer YouTuber, der dafür bekannt ist, in Hochrisikogebiete wie das von den Taliban kontrollierte Afghanistan zu reisen, wie man auf seinem Kanal Neo-Orientalist sehen kann.
Im Jahr 2025 beschloss er, Kontakt zu einem der isoliertesten indigenen Stämme der Welt aufzunehmen und begab sich auf eine Reise zur North Sentinel Island. Der dort lebende Stamm der Sentinelesen lebt seit Jahrtausenden in Isolation und ist Besuchern gegenüber definitiv nicht aufgeschlossen.
Polyakov hatte mehrere Monate lang versucht, nach North Sentinel Island zu gelangen. Im April 2025 schaffte er es schließlich, die Insel nach neunstündigem Treiben auf dem Wasser zu erreichen. Er blies in seine Trillerpfeife, um die Aufmerksamkeit des Stammes zu erregen, watete dann zum Strand, um eine Dose Cola Light und eine Kokosnuss zu hinterlassen, nahm eine Sandprobe und drehte ein kurzes Video. Anschließend kehrte er zu seinem Boot zurück und fuhr davon. Glücklicherweise begegnete er keinem Sentinelesen.
Er wird festgenommen - aus gutem Grund
Tja, wie sich herausstellt, ist jeglicher Kontakt zum Stamm der Sentinelesen strengstens verboten. Zwei Tage nach seinem Abenteuer wurde der YouTuber von der indischen Polizei festgenommen.
Die Sentinelesen sind für ihre Feindseligkeit gegenüber Fremden bekannt, die versuchen, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Sie besitzen Speere, Pfeil und Bogen zur Jagd, die sie ohne Zögern auch gegen Besucher einsetzen. In den 1970er und 1980er Jahren führten Kontaktversuche zu tödlichen Konflikten, weshalb die indische Regierung die Kontaktaufnahme mit ihnen unter Strafe stellte. Trotz dieser Regelung wurde 2018 ein 27-jähriger amerikanischer Missionar von dem indigenen Stamm getötet, weil er Fuß auf die Insel setzte.
Ein weiterer Grund für das Kontaktverbot sind die potenziellen Risiken, die Fremde auf die Insel bringen. Sie könnten Krankheiten einschleppen, gegen die die Sentinelesen weder Impfstoffe noch eine Immunität besitzen, und dadurch das Leben der Stammesmitglieder gefährden.
Die Sentinelesen wurden in Ruhe gelassen, um ihre Lebensweise zu bewahren. Die Insel hat sogar einen Wachposten der indischen Regierung. Sie steht außerdem unter dem Schutz der Organisation Survival International.
Diese Organisation kommentierte Polyakovs Aktion und bezeichnete sie als „rücksichtslos und idiotisch“. Die Direktorin der Gruppe sagte, der Influencer habe „nicht nur sein eigenes Leben gefährdet, sondern auch das Leben des gesamten Stammes der Sentinelesen aufs Spiel gesetzt“.
Also wird ihm vorgeworfen, ein gesperrtes Stammesreservat betreten und gegen indische Gesetze verstoßen zu haben, die den Kontakt zwischen Außenstehenden und den Inselbewohnern untersagen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Er muss am 29. April erneut vor Gericht erscheinen.
Was soll man dazu noch sagen? Wer dumme Spiele spielt, gewinnt dumme Preise. Nicht nur das eigene Leben, sondern auch das Leben anderer (geschweige denn das eines ganzen Stammes) für ein YouTube-Video zu riskieren, ist ein ganz anderes Kaliber von Dummheit und Anspruchsdenken. Wenigstens muss er jetzt (hoffentlich) die Konsequenzen seines Handelns tragen.