Von der Hollywoodgröße zum Kämpfer für Unterdrückte.
Richard Gere war der Escort aus Ein Mann für gewisse Stunden, der Marine-Rekrut aus Ein Offizier und Gentleman und natürlich der Millionär Edward Lewis, der sich in Pretty Woman in Julia Roberts verliebt. Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre gehörte Gere zu den größten männlichen Filmstars der Welt.
Doch seine Geschichte besteht aus wesentlich mehr als romantischen Hollywood-Filmen. Gere kam über ein Gymnastikstipendium an die Universität, spielte Danny Zuko im Musical Grease, legte sich bereits zu Beginn seiner Karriere mit Sylvester Stallone an, improvisierte eine der berühmtesten Szenen aus Pretty Woman selbst und nutzte ausgerechnet die Oscar-Bühne für eine politische Botschaft, die dazu führte, dass er fast 20 Jahre lang nicht mehr als Präsentator eingeladen wurde.
Und dann gibt es noch eines der absurdesten Gerüchte der Hollywood-Geschichte. Jahrzehntelang wurde behauptet, Gere habe sich bei einer sexuellen Praktik eine Wüstenrennmaus in den Enddarm eingeführt und anschließend im Krankenhaus entfernen lassen müssen. Für die Geschichte existieren keinerlei belastbare Belege. Trotzdem wurde sie derart aggressiv verbreitet, dass sie noch heute mit seinem Namen verbunden ist. Selbst Sylvester Stallone geriet irgendwann unter Verdacht, sie aus Rache in Umlauf gebracht zu haben. Beweisen lässt sich das allerdings ebenfalls nicht.
Am heutigen 31. August 2026 feiert Richard Gere seinen 77. Geburtstag – und steht auch nach mehr als fünf Jahrzehnten Karriere weiterhin vor der Kamera.
Bevor Richard Gere Schauspieler wurde, bekam er ein Stipendium als Turner
Richard Tiffany Gere wurde am 31. August 1949 in Philadelphia geboren und wuchs größtenteils im US-Bundesstaat New York auf. Sein Vater Homer arbeitete in der Versicherungsbranche, seine Mutter Doris war Hausfrau.
Schon als Jugendlicher interessierte Gere sich nicht nur für Schauspielerei. Er spielte Trompete und war ein so guter Turner, dass er nach seinem Schulabschluss ein Gymnastikstipendium für die University of Massachusetts Amherst erhielt. Dort begann er ein Philosophiestudium.
Den Abschluss machte er allerdings nie. Nach zwei Jahren verließ Gere die Universität und entschied sich für das Theater. Eine Entscheidung, die im Nachhinein relativ gut funktioniert hat.
Er war Danny Zuko, bevor John Travolta es im Kino wurde
Gere arbeitete zunächst an verschiedenen Theaterproduktionen und stand Anfang der 1970er-Jahre auch am Broadway auf der Bühne.
1973 bekam er eine Rolle, die heute erstaunlich wirkt: In der ursprünglichen Londoner Bühnenproduktion von Grease spielte Richard Gere Danny Zuko. Rund fünf Jahre später sollte John Travolta dieselbe Figur in der berühmten Kinoverfilmung übernehmen.
Gere war also schon lange vor seinem Hollywood-Durchbruch ein Schauspieler mit musikalischer Erfahrung. Das sollte Jahrzehnte später bei Chicago noch einmal ziemlich wichtig werden.
Eine damals riskante Rolle als Anfang
1979 spielte Gere am Broadway in Martin Shermans Stück Bent. Darin geht es um die Verfolgung homosexueller Männer durch die Nationalsozialisten.
Gere verkörperte einen schwulen Mann, der in ein Konzentrationslager deportiert wird. Für einen jungen Schauspieler, der gerade versuchte, sich als männlicher Hollywood-Hauptdarsteller zu etablieren, war eine solche Rolle Ende der 1970er-Jahre alles andere als selbstverständlich.
Für seine Arbeit erhielt Gere einen Theatre World Award. Ironischerweise sollte ausgerechnet diese Rolle später möglicherweise dabei helfen, eines der hartnäckigsten Gerüchte seiner Karriere zu befeuern.
Ein Mann für gewisse Stunden machte ihn zum Sexsymbol
Seinen eigentlichen Durchbruch im Kino erlebte Gere Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre. Nach Filmen wie Auf der Suche nach Mr. Goodbar und Terrence Malicks In der Glut des Südens übernahm er 1980 die Hauptrolle in Ein Mann für gewisse Stunden.
Als Julian Kaye spielte Gere einen männlichen Escort, der für wohlhabende Frauen arbeitet und plötzlich in einen Mordfall gerät. Der Film machte aus ihm nicht nur einen Star, sondern eines der großen männlichen Sexsymbole seiner Generation.
Zwei Jahre später folgte Ein Offizier und Gentleman. Gere spielte darin den Marine-Offiziersanwärter Zack Mayo. Der Film wurde zu einem weiteren großen Erfolg und festigte seinen Status als Hauptdarsteller.
Spätestens jetzt war Richard Gere endgültig in Hollywood angekommen.
Dann entstand eines der absurdesten Gerüchte der Popkultur
Irgendwann in den 1980er-Jahren begann sich eine Geschichte über Richard Gere zu verbreiten, die praktisch perfekt zeigt, wie Prominentengerüchte lange vor Social Media viral gehen konnten.
Behauptet wurde, Gere habe sich bei einer sexuellen Praktik eine Wüstenrennmaus beziehungsweise einen Gerbil in den Enddarm eingeführt. Das Tier sei dort stecken geblieben und Gere habe deshalb in einem Krankenhaus behandelt werden müssen.
Die entscheidende Information dazu ist ziemlich einfach: Es gibt keinerlei belastbare Belege dafür, dass Richard Gere so etwas jemals getan hat.
Snopes führt die Behauptung ausdrücklich als falsch beziehungsweise als klassische Urban Legend. Selbst Gossip-Journalisten, die versuchten, die angebliche Krankenhausgeschichte nachzuweisen, fanden dafür keine belastbaren Belege.
Das macht die Sache noch absurder.
Nach der Forschung des Folkloristen Jan Harold Brunvand lässt sich eine frühe Version der sogenannten Gerbilling-Legende auf etwa 1984 zurückführen. Damals ging es noch gar nicht um Richard Gere.
Die Geschichte handelte ursprünglich von einem nicht näher benannten homosexuellen Mann und einer Maus. Im Laufe der Weitererzählung veränderten sich die Details. Die Maus wurde zur Wüstenrennmaus – und aus dem anonymen Mann wurde irgendwann Richard Gere.
Genau so funktionieren viele Urban Legends: Eine angeblich wahre Geschichte wird immer konkreter, obwohl niemand eine überprüfbare Quelle nennen kann. Bei Gere blieb sie allerdings außergewöhnlich hartnäckig hängen.
Gerücht geht per Fax durch Hollywood
Besonders perfide wurde die Geschichte, als sie nicht mehr nur mündlich weitererzählt wurde.
Nach dem riesigen Erfolg von Pretty Woman soll Anfang der 1990er-Jahre ein anonymer Absender eine gefälschte Beschwerde im Namen der amerikanischen Tierschutzorganisation ASPCA erstellt haben. Darin wurde Gere wegen der angeblichen Misshandlung einer Wüstenrennmaus angegriffen.
Diese angebliche Pressemitteilung wurde anschließend per Fax in Hollywood verbreitet. Ob genau dieses Fax der Ursprung des Gerüchts war, ist nicht nachweisbar – die Legende kursierte offenbar schon vorher. Es dürfte aber dazu beigetragen haben, sie weiter zu verbreiten.
Das Ganze war damit im Prinzip eine analoge Version dessen, was heute über Social Media passieren würde: eine erfundene Geschichte, ein scheinbar offizielles Dokument und anschließend möglichst viele Menschen, die es weiterleiten.
Gere wollte Pretty Woman ursprünglich gar nicht drehen
Dass Gere überhaupt zum Mann aus Pretty Woman wurde, war keineswegs selbstverständlich.
Als ihm die Rolle des Edward Lewis angeboten wurde, war er zunächst wenig begeistert. Die Figur erschien ihm zu dünn geschrieben und Gere hatte nicht unbedingt das Gefühl, den Film machen zu müssen. Dann traf er Julia Roberts.
Regisseur Garry Marshall brachte die beiden zusammen, um herauszufinden, ob sie miteinander funktionieren würden. Gere erzählte später, Roberts habe während des Treffens einen Zettel beziehungsweise Post-it geschrieben und ihm zugeschoben.
Darauf stand sinngemäß die Bitte, er solle zusagen. Gere sagte zu. Pretty Woman spielte anschließend weltweit mehr als 460 Millionen US-Dollar ein und wurde zu einem der bekanntesten romantischen Filme seiner Generation.
Die berühmte Klavierszene war eigentlich Richard Geres Idee
Eine der sinnlichsten Szenen des Films entstand außerdem nur deshalb, weil Gere tatsächlich Klavier spielen kann. Regisseur Garry Marshall fragte ihn während der Produktion, was Gere nachts in Hotels mache, wenn er wegen Jetlag nicht schlafen könne. Gere antwortete, dass er nach einem Klavier suche und spiele. Also baute Marshall genau das in den Film ein.
In der berühmten Szene sitzt Edward Lewis nachts allein am Flügel, bevor Vivian zu ihm kommt. Die melancholische Musik, die Gere dort spielt, wurde nicht einfach nur für ihn geschrieben: Er improvisierte das Stück selbst und spielte es für die Szene.
Jahrzehnte später scherzte Gere bei den Filmfestspielen von Venedig angesichts der anschließenden Szene mit Julia Roberts darüber, dass zwischen beiden natürlich überhaupt keine Chemie zu erkennen gewesen sei.
1999 wurde er offiziell zum Sexiest Man Alive
Nach Pretty Woman folgten Filme wie Sommersby, Der 1. Ritter, Zwielicht und schließlich 1999 erneut eine Zusammenarbeit mit Julia Roberts in Die Braut, die sich nicht traut. Im selben Jahr kürte das US-Magazin People Gere zum Sexiest Man Alive.
Der frühere Philosophiestudent mit Gymnastikstipendium war damit endgültig zu einem der bekanntesten Hollywood-Leading-Men seiner Zeit geworden.
Doch parallel zu seiner Filmkarriere beschäftigte ihn längst ein Thema, das ihm teilweise sogar berufliche Probleme bringen sollte.
Tibet wird zentraler Teil seines Lebens
Gere begann sich bereits als junger Mann intensiv mit Buddhismus auseinanderzusetzen. Zunächst beschäftigte er sich mehrere Jahre mit Zen-Buddhismus. 1978 reiste er nach Nepal und kam dort stärker mit tibetisch-buddhistischen Lehrern in Kontakt. Später lernte er den Dalai Lama kennen und wurde zu einem seiner bekanntesten westlichen Unterstützer.
Seit den frühen 1980er-Jahren setzt Gere sich öffentlich für Menschenrechte in Tibet und den Erhalt der tibetischen Kultur ein. 1987 gehörte er zu den Mitbegründern von Tibet House US. 1992 trat er dem Vorstand der International Campaign for Tibet bei und ist seit 1995 deren Vorsitzender.
Dieses Engagement blieb nicht bei Charity-Galas. 1993 nutzte Gere dafür die wahrscheinlich sichtbarste Bühne Hollywoods.
Bei der Oscarverleihung 1993 sollte Richard Gere eigentlich die Nominierten für das beste Szenenbild vorstellen und anschließend den Gewinner verkünden. Dann wich er vom vorbereiteten Text ab. Vor einem weltweiten Millionenpublikum sprach Gere über die Menschenrechtslage in China und Tibet. Er richtete seine Worte sogar direkt an den damaligen chinesischen Staatschef Deng Xiaoping und forderte dazu auf, den Tibetern Freiheit zu ermöglichen.
Der Produzent der Oscar-Show, Gil Cates, war davon überhaupt nicht begeistert.
Cates kritisierte Gere anschließend öffentlich dafür, die ihm zur Verfügung gestellte Zeit für eine persönliche politische Botschaft genutzt zu haben, und erklärte, er werde ihn nicht erneut als Präsentator einladen.
Kostete sein Engagement ihn die Karriere?
Geres politische Haltung hatte vermutlich auch außerhalb der Oscarverleihung Konsequenzen.
Er darf nicht nach China einreisen. Gere erklärte außerdem selbst, dass sein offenes Engagement für Tibet aus seiner Sicht dazu beigetragen habe, dass große Hollywoodstudios irgendwann vorsichtiger wurden, ihn in Blockbustern zu besetzen.
Der Hintergrund ist wirtschaftlich: Mit der zunehmenden Bedeutung des chinesischen Kinomarktes wollen große Studios Produktionen häufig auch dort veröffentlichen. Ein Film mit einem der international bekanntesten Tibet-Aktivisten im Cast kann dabei zum Problem werden.
Gere erzählte deshalb später, dass ihm durchaus Projekte entgangen seien beziehungsweise Finanzierungen schwieriger geworden seien.
Seine politische Haltung änderte er deswegen nicht.
2019 fuhr er sogar auf ein Flüchtlingsrettungsschiff im Mittelmeer
Geres gesellschaftliches Engagement beschränkt sich nicht auf Tibet.
Im August 2019 befand sich das Rettungsschiff Open Arms mit mehr als 100 aus Libyen geretteten Menschen im Mittelmeer. Die italienische Regierung unter Innenminister Matteo Salvini verweigerte dem Schiff damals die Einfahrt in einen italienischen Hafen.
Gere reiste in die Region und fuhr selbst auf die Open Arms. Er brachte Wasser und andere Hilfsgüter mit und sprach mit Menschen an Bord über ihre Flucht. Anschließend forderte er öffentlich, die Geretteten an Land gehen zu lassen, und kritisierte die politische Dämonisierung von Migranten.
Salvini reagierte wenig begeistert und schlug unter anderem vor, Gere könne die Menschen ja mit seinem Privatjet nach Hollywood bringen. Jahre später wurde Gere sogar als möglicher Zeuge in einem Gerichtsverfahren rund um Salvinis damalige Blockade des Schiffes zugelassen.
Salvini wurde in dem Verfahren Ende 2024 freigesprochen.
Mit 77 Jahren ist seine Karriere noch längst nicht beendet
Wer bei Richard Gere inzwischen mit Ruhestand gerechnet hatte, dürfte 2026 ziemlich enttäuscht werden. In der Spionageserie The Agency spielt er neben Michael Fassbender und Jeffrey Wright den CIA-Stationschef Bosko. Im Juni 2026 erschien die zweite Staffel der Serie bei Paramount+.
Und bereits das nächste Filmprojekt ist in Arbeit.
Für Asymmetry steht Gere 2026 gemeinsam mit Diana Silvers vor der Kamera. Die Verfilmung von Lisa Hallidays Roman wird von Edward Zwick inszeniert. Gere spielt darin den 70-jährigen weltberühmten Schriftsteller Ezra, der eine Beziehung mit der deutlich jüngeren Verlagsmitarbeiterin Alice beginnt.
Die Dreharbeiten starteten im Sommer 2026 in New York. Ein Kinostart wurde bislang noch nicht bekannt gegeben.
Auch sein politisches Engagement hat sich mit zunehmendem Alter nicht abgeschwächt.
Im Sommer 2025 reiste Gere nach Dharamshala zu den Feierlichkeiten rund um den 90. Geburtstag des Dalai Lama. Dort erklärte er, dass sein Einsatz für Tibet keine kurzfristige Angelegenheit sei, sondern etwas, dem er sich für sein gesamtes Leben verpflichtet fühle.
Auch 2026 ist Gere weiterhin Vorsitzender der International Campaign for Tibet und tritt öffentlich für Religionsfreiheit, den Erhalt der tibetischen Kultur und die Rechte der tibetischen Bevölkerung ein.
Damit verfolgt er dieses Thema mittlerweile länger, als viele seiner größten Filme alt sind.
