Vom Clown zum Komiker der vom FBI überwacht wird: Sacha Baron Cohen wird 55

Borat, Ali G und all die anderen Figuren des Briten müssen sich eine FBI-Akte teilen.

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Ein Brite und die Konsequenzen seiner Guerilla-Comedy. | © Amazon / Paramount

Sacha Baron Cohen feiert heute, am 13. Oktober 2026, seinen 55. Geburtstag. Als Ali G, Borat und Brüno brachte er Menschen dazu, vor laufender Kamera Dinge zu sagen, die sie später lieber zurückgenommen hätten. Hinter den absurden Figuren steckt ein studierter Historiker mit einer Ausbildung beim Clown-Lehrer Philippe Gaulier. Seine Auftritte sorgten nicht nur für Kinolacher und Kontroversen: Nach eigener Aussage beschäftigten sie sogar das FBI.

Ein Londoner Junge mit einem Faible für Satire

Geboren wurde Sacha Noam Baron Cohen am 13. Oktober 1971 im Londoner Stadtteil Hammersmith. Er wuchs in einer jüdischen Familie auf und begeisterte sich früh für Komiker wie Peter Sellers und die Gruppe Monty Python. Besonders Das Leben des Brian habe ihn auf die Idee gebracht, selbst Komiker zu werden, erzählte er später.

Bevor er mit erfundenen Identitäten berühmt wurde, studierte Baron Cohen Geschichte am Christ’s College der Universität Cambridge. Seine Abschlussarbeit beschäftigte sich mit der Zusammenarbeit schwarzer und jüdischer Aktivisten in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Gleichzeitig stand er im studentischen Theater auf der Bühne. Politik, gesellschaftliche Konflikte und Schauspiel begleiteten ihn damit schon lange vor seinem Durchbruch.

Die Kunst, die Mächtigen lächerlich zu machen

Ein entscheidender Teil seiner Ausbildung fand beim französischen Clown- und Theaterlehrer Philippe Gaulier statt. Baron Cohen lernte dort in seinen frühen Zwanzigern eine besondere Form satirischen Theaters kennen: den Bouffon. Dabei treten groteske Außenseiter auf, die gesellschaftliche Regeln und Autoritäten verspotten.

Diese Ausbildung erklärt viel von seinem späteren Humor. Seine Figuren wirken zunächst ahnungslos oder völlig unangemessen. Gerade dadurch bringen sie andere dazu, sich überlegen zu fühlen, weniger vorsichtig zu antworten und gelegentlich ihre eigenen Vorurteile offenzulegen. Der vermeintliche Idiot übernimmt die Kontrolle über das Gespräch.

Baron Cohens Clown-Anfänge lagen also in einer Theatertradition, die mit Überzeichnung, körperlichem Spiel und Provokation arbeitet. Gaulier bezeichnete ihn selbst als Bouffon. Baron Cohen erzählte später, dass ihn das zunächst überrascht habe – doch die Idee, sich nicht um die Zustimmung von Menschen zu bemühen, die er nicht respektiert, passte zu seinem Ansatz.

Da Ali G Show wird der Durchbruch

1998 wurde Baron Cohen durch seine Auftritte als Ali G in The 11 O’Clock Show einem größeren Publikum bekannt. Die Figur aus dem britischen Vorort Staines hielt sich für einen besonders lässigen Vertreter der Hip-Hop-Kultur und stellte Politikern oder Fachleuten Fragen, bei denen Unwissen und Selbstbewusstsein aufeinanderprallten.

Mit Da Ali G Show bekam er 2000 eine eigene Sendung. Dort entwickelte er auch Borat, den fiktiven Reporter aus Kasachstan, und Brüno, einen österreichischen Modejournalisten. Die Figuren unterschieden sich in Auftreten und Sprache, teilten aber ein Prinzip: Sie begegneten echten Menschen, die häufig nicht wussten, dass sie Teil einer satirischen Inszenierung waren.

Als kasachischer Journalist wird er weltberühmt

2006 kam Borat – Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen ins Kino. Der Film verband eine erfundene Reisegeschichte mit Begegnungen, bei denen die Beteiligten häufig nichts von der satirischen Inszenierung wussten. Borat präsentierte sich als sexistischer und antisemitischer Besucher, dessen angebliche Unkenntnis gesellschaftlicher Regeln immer neue Grenzüberschreitungen rechtfertigte.

Der Witz lag häufig in den Reaktionen seiner Gesprächspartner. Manche widersprachen, andere ließen sich auf seine Aussagen ein. Baron Cohen wollte mit dieser Methode Vorurteile sichtbar machen. Zugleich blieb sie umstritten: Wer Menschen unter einem Vorwand filmt, entscheidet anschließend auch, welche Ausschnitte das Publikum zu sehen bekommt.

Für seine Darstellung gewann er 2007 einen Golden Globe. 2009 folgte Brüno, 2012 die stärker konventionell inszenierte Komödie Der Diktator. Mit Borat: Anschluss-Moviefilm kehrte er 2020 zu seinem bekanntesten Reporter zurück und erhielt 2021 erneut den Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einer Komödie oder einem Musical

Der Komiker mit der FBI-Akte

Bei den Dreharbeiten zum ersten Borat-Film war Baron Cohen mit seinem Team unter anderem in einem Eiswagen durch die USA unterwegs. Nach seiner eigenen Darstellung gingen dabei so viele Meldungen über einen angeblich verdächtigen Mann ein, dass das FBI auf die Produktion aufmerksam wurde. In einem Interview mit NPR erzählte er 2012, die Behörde habe das Team zeitweise verfolgt.

2016 berichtete er im Podcast WTF with Marc Maron außerdem, das FBI habe eine kleine Akte über sie angelegt und schließlich sogar ihr Hotel aufgesucht. Auch wenn er sich per se nichts zu Schulden kommen lassen hatte, wollte der Komiker sich mit der Behörde lieber nicht anlegen und sein Team verließ zügig das Hotel, als sie davon erfuhren, dass sich in der Lobby Beamte aufhielten.

Mehr als Borat: Seine ernsthafte Seite als Schauspieler

Baron Cohen trat auch in Filmen wie Hugo Cabret und Les Misérables auf. Besonders deutlich wurde seine dramatische Bandbreite 2019 in The Spy. In der Serie spielte er den israelischen Spion Eli Cohen, der unter falscher Identität in Syrien lebte. Das Verwandlungsspiel blieb, doch die Komik wich einer Geschichte über Täuschung, Angst und persönliche Opfer.

In The Trial of the Chicago 7 verkörperte er 2020 den amerikanischen Aktivisten Abbie Hoffman. Für die Rolle wurde er 2021 als bester Nebendarsteller für einen Oscar nominiert. Im selben Jahr erhielt er eine weitere Nominierung als Mitautor des adaptierten Drehbuchs von Borat: Anschluss-Moviefilm.

Politisches Engagement ohne falschen Schnurrbart

Außerhalb seiner Rollen spricht Baron Cohen offen über Antisemitismus, Rassismus und Desinformation. Bei einer Rede vor der Anti-Defamation League 2019 kritisierte er große Social-Media-Unternehmen dafür, die Verbreitung von Hass und Verschwörungserzählungen zu ermöglichen. Er forderte mehr Verantwortung der Plattformen für die Inhalte, die sie verbreiten.

Auch humanitäre Hilfe gehört zu seinem Engagement. 2015 spendete er gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Isla Fisher eine Million US-Dollar für Menschen, die vom Krieg in Syrien betroffen waren. Das Geld ging an Save the Children und das International Rescue Committee. 2024 kündigte er weitere 500.000 US-Dollar für die Arbeit der beiden Organisationen im Sudan an.

Mit 55 bleibt Sacha Baron Cohen ein Künstler, dessen Humor bewusst unbequem ist. Seine Figuren können albern, peinlich und schwer erträglich sein. Dahinter steckt ein präzise arbeitender Schauspieler, der bei einem Clown-Lehrer lernte, Autoritäten herauszufordern – und dessen erfundener Reporter nach eigener Aussage sogar in einer FBI-Akte landete.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....