Weltruhm erreichte er als Bucky Barnes aus dem MCU, dabei war seine Karriere davor und auch danach so viel mehr.
Sebastian Stan feiert heute, am 13. August 2026, seinen 44. Geburtstag. Millionen kennen ihn als Bucky Barnes und Winter Soldier aus dem Marvel Cinematic Universe. Doch seine eigene Geschichte führt über deutlich mehr Stationen als die eines typischen Hollywoodstars: Stan wurde im kommunistischen Rumänien geboren, zog als Kind nach Österreich, musste eine neue Sprache lernen und landete schließlich in den USA. Heute ist er Golden-Globe-Gewinner, Oscar-nominiert und Teil eines Films, der 2026 die Goldene Palme in Cannes gewann. Und irgendwo in seinem Besitz befindet sich ein ungewöhnliches Stück Hollywoodgeschichte: ein Kerzenhalter, der einst James Dean gehört haben soll.
Über viele Jahre war Sebastian Stan vor allem "der Mann mit dem Metallarm".
Als Bucky Barnes entwickelte er sich vom besten Freund Captain Americas zu einem der beliebtesten Charaktere des Marvel Cinematic Universe. Doch während andere Schauspieler nach einem großen Franchise-Erfolg möglichst ähnliche Rollen suchten, machte Stan zunehmend das Gegenteil.
Er spielte einen gewalttätigen Ex-Ehemann, Rockstar Tommy Lee, einen Mann mit Gesichtsentstellung und schließlich einen jungen Donald Trump.
Die vergangenen Jahre haben aus dem Marvel-Star einen der vielseitigsten Charakterdarsteller seiner Generation gemacht.
Geboren im kommunistischen Rumänien
Sebastian Stan wurde am 13. August 1982 in Constanța am Schwarzen Meer geboren. Rumänien befand sich damals unter der kommunistischen Diktatur von Nicolae Ceaușescu.
Seine Eltern trennten sich, als Stan noch sehr jung war. Seine Mutter Georgeta Orlovschi, eine Pianistin, zog ihn anschließend über weite Strecken allein groß.
Jahrzehnte später sprach Stan ungewöhnlich offen darüber, wie politisch die Geschichte seiner Familie tatsächlich war. Seine Eltern hätten zu einer jungen Generation gehört, die sich gegen den Kommunismus stellte. Besonders sein Vater Constantin geriet dabei ins Visier des Staates.
Stan erzählte 2025, sein Vater habe als Arbeiter auf Frachtschiffen Menschen dabei geholfen, Rumänien illegal zu verlassen. Irgendwann sei er selbst zu einem gesuchten Mann geworden und habe das Land verlassen müssen. Der Kontakt zwischen Vater und Sohn blieb anschließend lange sporadisch.
Für den jungen Sebastian bedeutete die Kindheit damit früh, dass Menschen aus seinem Leben verschwinden konnten.
Mit acht Jahren beginnt sein Leben außerhalb Rumäniens
Als Stan etwa acht Jahre alt war, verließ auch seine Mutter Rumänien.
Zunächst ging sie nach Wien, wo sie als Pianistin und später als Klavierlehrerin arbeitete. Stan blieb zeitweise zurück, bevor er ihr folgte.
Damit begann eine Kindheit, in der er innerhalb weniger Jahre zwischen mehreren Ländern, Sprachen und Kulturen wechseln musste.
In Wien besuchte Stan zunächst eine deutschsprachige öffentliche Schule. Später wechselte er an die American International School Vienna. Seine Mutter unterrichtete dort Klavier und lernte Anthony Fruhauf kennen, der damals die Schule leitete.
Für Stan bedeutete das erneut eine neue Sprache. Zu seinem Rumänisch kam zunächst Deutsch, später wurde Englisch immer wichtiger. Als seine Mutter Anthony heiratete, folgte der nächste Umzug.
Von Wien nach New York – und wieder ein Neuanfang
Mit etwa zwölf Jahren zog Stan mit seiner Mutter in die USA. Die Familie ließ sich in Rockland County im Bundesstaat New York nieder.
Für Stan begann damit zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre ein nahezu komplett neues Leben.
Er musste sich an die amerikanische Kultur gewöhnen und sein Englisch verbessern. Sein Stiefvater spielte dabei eine wichtige Rolle. Stan erklärte später, dass die täglichen Gespräche mit ihm vermutlich entscheidend dafür waren, dass sein ursprünglicher Akzent mit der Zeit verschwand.
Die Erfahrung, sich ständig anpassen zu müssen, hatte allerdings noch einen anderen Effekt.
Stan entdeckte das Schauspiel.
Auf einer Bühne musste er nicht der rumänische Junge sein, der herausfinden musste, wie er in ein neues Land passte. Er konnte jemand völlig anderes werden.
In der Schule wirkte er unter anderem bei Produktionen von Der kleine Horrorladen, West Side Story und Cyrano de Bergerac mit. Später besuchte er das renommierte Theater-Sommercamp Stagedoor Manor, zu dessen ehemaligen Teilnehmern auch Natalie Portman und Robert Downey Jr. gehören.
Seine Schauspielausbildung führte ihn sogar zurück nach Europa
Stan entschied schließlich, aus dem Interesse einen Beruf zu machen.
Er wurde an der Mason Gross School of the Arts der Rutgers University aufgenommen und studierte dort Schauspiel. Einen Teil seiner Ausbildung verbrachte er wiederum in Europa: Über das Rutgers-Programm studierte er am Shakespeare’s Globe in London.
2005 schloss er sein Studium mit einem Bachelor of Fine Arts ab.
Seine Biografie war damit schon vor seinem eigentlichen Hollywooddurchbruch ungewöhnlich international. Rumänien. Österreich. USA. Großbritannien. Später sollte genau diese Fähigkeit, sich zwischen unterschiedlichen Identitäten zu bewegen, zu einem seiner größten Vorteile als Schauspieler werden.
Ein Kerzenhalter von James Dean
Eine der ungewöhnlichsten Geschichten aus Stans frühen Karrierejahren verbindet ihn mit einem der berühmtesten Schauspieler der Filmgeschichte.
2006 spielte Stan in The Architect an der Seite von Anthony LaPaglia und Isabella Rossellini.
Während der Produktion soll ein Bekannter eines Produzenten seine Arbeit gesehen und sich dabei an James Dean erinnert gefühlt haben.
Das führte zu einem außergewöhnlichen Geschenk.
Stan erzählte später, der Mann habe intensiv über James Dean recherchiert und während dieser Arbeit sogar bei dessen Familie gelebt. Als Dank für seine Beschäftigung mit Dean habe die Familie ihm einen kunstvoll gestalteten Kerzenhalter geschenkt, der zuvor dem Schauspieler gehört haben soll.
Jahre später gab er diesen Kerzenhalter an Stan weiter. Stan bezeichnete den Gegenstand später als einen seiner wertvollsten Besitztümer.
Die Verbindung passt erstaunlich gut zu seinem eigenen Interesse an alten Hollywoodstars und der amerikanischen Kultur der 1940er- und 1950er-Jahre.
Aus dem Jungen, der als Teenager versuchte, überhaupt erst in Amerika anzukommen, wurde damit plötzlich der Besitzer eines persönlichen Gegenstands von James Dean.
Der Durchbruch kommt mit Gossip Girl
Die ersten Jahre seiner professionellen Karriere bestanden aus kleineren Film-, Fernseh- und Theaterrollen.
2007 gab Stan sein Broadway-Debüt in Talk Radio. Gleichzeitig begann er, regelmäßig im Fernsehen aufzutauchen.
Einem größeren Publikum wurde er schließlich als Carter Baizen in Gossip Girl bekannt. Zwischen 2007 und 2010 tauchte er immer wieder als charmanter, aber unzuverlässiger Gegenspieler im Leben von Serena van der Woodsen und den anderen Figuren der Serie auf.
Es folgten Rollen in Black Swan, Hot Tub – Der Whirlpool … ist ’ne verdammte Zeitmaschine! und der Serie Once Upon a Time – Es war einmal ….
Doch die Rolle, die sein Leben verändern sollte, war zunächst erstaunlich unspektakulär.
Bucky Barnes macht Sebastian Stan weltberühmt
2011 spielte Stan in Captain America: The First Avenger erstmals James Buchanan Bucky Barnes, den besten Freund von Steve Rogers.
Zu diesem Zeitpunkt war Bucky vor allem eine Nebenfigur.
Drei Jahre später änderte sich alles.
In Captain America: The Return of the First Avenger kehrte Barnes als Winter Soldier zurück: ein von Hydra kontrollierter Supersoldat mit Metallarm, dessen Erinnerungen manipuliert worden waren.
Die Figur entwickelte sich schnell zu einem Fanliebling.
Stan spielte Bucky anschließend unter anderem in The First Avenger: Civil War, Avengers: Infinity War, Avengers: Endgame und gemeinsam mit Anthony Mackie in der Serie The Falcon and the Winter Soldier.
2025 kehrte er in Thunderbolts* erneut als Bucky zurück und gehört damit inzwischen seit rund 15 Jahren zum Marvel Cinematic Universe. Marvel machte die Figur im Film schließlich zum Mitglied einer neuen Gruppe von Avengers.
Für Pam & Tommy verwandelt er sich in Tommy Lee
In der Miniserie Pam & Tommy spielte Stan den Mötley-Crüe-Schlagzeuger Tommy Lee. Lily James übernahm die Rolle von Pamela Anderson.
Für Stan bedeutete die Serie eine massive körperliche Transformation. Tattoos, Perücke, Make-up und Prothesen sollten ihn möglichst weit von seinem bekannten Marvel-Aussehen entfernen.
Die Rolle brachte ihm unter anderem Emmy- und Golden-Globe-Nominierungen ein.
Vor allem aber wurde immer deutlicher, dass Stan seine größte Stärke in Rollen gefunden hatte, bei denen das Publikum ihn zunächst kaum wiedererkannte.
A Different Man verändert die Wahrnehmung seiner Karriere
2024 erreichte diese Entwicklung einen neuen Höhepunkt.
In Aaron Schimbergs A Different Man spielte Stan Edward, einen Schauspieler mit Neurofibromatose, der sich einer medizinischen Behandlung unterzieht und dadurch sein Aussehen drastisch verändert.
Für die Rolle arbeitete Stan mit aufwendigen Gesichtsprothesen.
Bei der Berlinale 2024 gewann er für seine Performance den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle.
Im Januar 2025 folgte der nächste große Erfolg: Stan gewann für A Different Man seinen ersten Golden Globe.
In seiner Dankesrede nutzte er die Aufmerksamkeit gleichzeitig, um über Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen und sichtbaren körperlichen Veränderungen zu sprechen.
Doch im selben Jahr wurde noch eine zweite Performance von ihm diskutiert.
Als Donald Trump erreicht er die Oscars
In The Apprentice – The Trump Story übernahm Stan die Rolle eines jungen Donald Trump.
Der Film von Ali Abbasi konzentriert sich auf Trumps Aufstieg im New York der 1970er- und 1980er-Jahre und insbesondere auf seine Beziehung zum Anwalt Roy Cohn, gespielt von Jeremy Strong.
Für Stan war die Rolle auch wegen seiner eigenen Biografie interessant.
Er kam selbst als Einwanderer in die USA und hatte nach eigenen Aussagen bereits als Kind immer wieder vom amerikanischen Traum gehört. Für die Rolle beschäftigte er sich daher nicht nur mit Trumps Stimme, Körpersprache und äußerlicher Veränderung, sondern auch mit der Frage, was dieser amerikanische Traum eigentlich bedeutet.
Die Performance brachte ihm 2025 schließlich seine erste Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller ein. Gewonnen hat den Preis Adrien Brody für Der Brutalist.
Innerhalb weniger Monate hatte Stan damit zwei vollkommen unterschiedliche Männer gespielt und für beide internationale Auszeichnungen erhalten.
Kurz vor seinem 44. Geburtstag wird Sebastian Stan Vater
Auch privat beginnt für Sebastian Stan 2026 ein neuer Lebensabschnitt.
Stan und seine Partnerin Annabelle Wallis sind erstmals Eltern geworden. Die Geburt ihres Kindes wurde Anfang August öffentlich bekannt, nur wenige Tage vor seinem 44. Geburtstag. Weitere Details über das Baby halten beide bislang weitgehend privat.
Für Stan dürfte dieser Moment auch wegen seiner eigenen Familiengeschichte besondere Bedeutung besitzen.
Er hat wiederholt darüber gesprochen, wie stark ihn seine Mutter und sein inzwischen verstorbener Stiefvater geprägt haben. Als er 2025 seinen Golden Globe entgegennahm, widmete er die Auszeichnung unter anderem seiner Mutter, die Rumänien verlassen hatte, um ein besseres Leben aufzubauen, und seinem Stiefvater, der eine alleinerziehende Mutter und ihren Sohn in sein Leben aufgenommen hatte.
Ein turbulentes Leben, das vor allem von Wandlung geprägt war und beweist, dass Transformation immer auch Weiterentwicklung bedeutet.
