Kinderhandel auf Vinted? Seltsame Angebote auf der Webseite häufen sich

Auf der Plattform Vinted lassen sich einige dubiose Angebote finden, die als Hinweise für Kinderhandel interpretiert werden – was steckt dahinter?

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Auf der Plattform Vinted sind seltsame Posts aufgetaucht – könnte dahinter eine Straftat stecken? | © Vinted

Dass man auf Secondhand-Plattformen wie Vinted, Kleiderkreisel oder E-Bay Kleinanzeigen, auch oft auf zwielichtige Gestalten trifft, ist nichts Neues. Dass dort aber eventuell auch Kinderhandel stattfindet, war vielen nicht bewusst. Anfang der Woche veröffentlichte die TikTokerin “Ccourvey” ein Video, in dem sie über seltsame Angebote auf der Plattform Vinted hinwies und löste dadurch eine Debatte über die Sicherheit der App und die fragwürdigen Inhalte aus.

“9 Jahre alt, guter Zustand, weiblich, weiß und Jungfrau”

Vinted ist eine der bequemsten Möglichkeiten alte Dinge, die man nicht mehr braucht, loszuwerden und dadurch auch noch Geld zu verdienen. Die Plattform zählt mit ihren 65 Millionen Mitgliedern zu den beliebtesten Secondhand-Marktplätzen Europas. Nun stößt sie aber auf heftige Kritik und ernstzunehmende Vorwürfe.

Durch die Veröffentlichung von CCourveys Video wurden Vinted Nutzer*innen auf die zahlreichen dubiosen Anzeigen in der App aufmerksam. Es werden Spielzeuge oder Kleiderartikel für Kinder online gestellt, die für ihren eigentlichen Wert einen viel zu hohen Preis haben. Oft sind die Angebote auch mit auffälligen Beschreibungen versehen, was die Wahrscheinlichkeit, dass etwas damit nicht stimmt, noch höher macht.

@ccourvey

#vinted#kinder

Originalton - ccourvey

In der App werden die Größen für Kinder in Kategorien wie “1-3 Monate / 56” oder “13 Jahre” eingeteilt. Dass bei manchen Anzeigen also ein Alter angegeben ist, ist erst einmal noch nichts ungewöhnliches. Auch die Artikel an sich – ein Plüschtier oder eine Actionfigur – sind eher unauffällig.

Betrachtet man manche Anzeigen aber genauer, fällt es schwer, die Auffälligkeiten zu ignorieren. Ein Beispiel aus einem Video der Streamerin und YouTuberin "Nessadhs" zeigt ein besonders besorgniserregendes Angebot. Ein Plüschtier wird für 30.000 verkauft. An sich könnte sich der Verkäufer auch beim Eingeben des Preises verschrieben haben. Die Beschreibung jedoch zeichnet ein anderes Bild:

9 Jahre alt, guter Zustand
Weiblich
Weiß
Jungfrau

9 Jahre alt, guter Zustand könnte man dadurch erklären, dass es sich einfach um einen neun Jahre alten Artikel handelt, der dafür aber noch in guter Verfassung ist. Doch was soll Weiblich, Weiß, Jungfrau bedeuten, zumal der Artikel geschlechtsneutral, nicht einmal weiß ist und auch nichts mit einem vermeintlichen Sternzeichen zu tun hat?

Vinted 02 Tik Tok
Die Anzeige wirkt sehr seltsam | © TikTok (Originalquelle: Vinted)

Online Secondhand-Marktplätze - Ein Ort für Kinderhandel?

Das Gerücht, dass auf Vinted Kinderhandel stattfindet, kam erstmals 2023 auf. Beweise dafür konnten aber damals nicht gefunden werden, auch wenn Ermittlungen durch offizielle Behörden durchgeführt wurden. Auch die Plattform selbst wies die Anschuldigungen zurück.

Einen ähnlichen Vorfall gab es auch auf der Website “Etsy”, auf der Nutzer*innen hauptsächlich selbstgemachte Gegenstände verkaufen. Überteuerte Bilder von Pizza wurden als Tarnung von kinderpornografischem Material interpretiert, wofür jedoch keine Beweise gefunden werden konnten.

Die Vorwürfe gehen bis auf den “Wayfair”-Mythos aus dem Jahr 2020 zurück. “Wayfair” ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das hauptsächlich Möbel und Haushaltswaren anbietet. Damals wurden sehr teure Möbelstücke mit weiblichen Vornamen für potenziellen Kinderhandel gehalten. Auch dies konnte jedoch niemals belegt werden.

Was ist zu tun?

Selbstverständlich gibt es noch keine Beweise dafür, dass hinter den Angeboten tatsächlich Kinderhandel steckt. Darauf weist auch der “Mimikama”, ein Verein für Faktenchecks und digitale Medienkompetenz, hin.

Dennoch wurde die Polizei bereits alarmiert. Der offizielle Instagram-Account der Frankfurter Polizei gibt an, dass Hinweise geprüft werden, “um jegliche Gefahr oder Straftat auszuschließen.” Es wird jedoch darum gebeten ungeprüfte Verkaufsanzeigen nicht in den sozialen Medien weiterzuleiten. Verdächtige Angebote sollen über die Plattform selbst gemeldet werden. Konkrete Hinweise auf eine Straftat sollten der Polizei gemeldet werden.



Nach der Veröffentlichung der Epstein-Files halten viele potenzielle pädokriminelle Aktivitäten nicht mehr für allzu abwegig. Selbst wenn die meisten Angebote vermutlich harmlos sind, besteht dennoch die Möglichkeit, dass hinter manchen doch ein Straftatbestand steckt. Dessen sollte man sich bewusst sein und derartige Beiträge sofort melden – sicher ist sicher.
Sophie Prößl
Sophie Prößl