Seth MacFarlane wird 53: Wie der Vater von Family Guy fast im Terror-Flugzeug des 11. Septembers saß

Mit Family Guy schuf McFarlane eine der bekanntesten Cartoonfiguren des letzten Jahrzehnts.

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Mit Family Guy schuf McFarlane eine der bekanntesten Cartoonfiguren des letzten Jahrzehnts. | © Reddit / Wikipedia

Seth MacFarlane feiert heute, am 26. Oktober 2026, seinen 53. Geburtstag. Als Schöpfer von Family Guy machte er respektlosen Humor zu einem internationalen Fernsehgeschäft. Seine Begeisterung für gezeichnete Figuren begann bereits mit zwei Jahren. Später gab er mehreren seiner bekanntesten Charaktere selbst eine Stimme. Zu seiner Lebensgeschichte gehört aber auch ein erschütternder Zufall: Am 11. September 2001 verpasste er den Flug, der anschließend in den Nordturm des World Trade Centers gesteuert wurde.

Mit zwei Jahren begann er, Cartoonfiguren zu zeichnen

Seth Woodbury MacFarlane wurde am 26. Oktober 1973 in Kent im US-Bundesstaat Connecticut geboren. Biografischen Berichten zufolge zeichnete er bereits mit zwei Jahren Figuren wie Fred Feuerstein und Woody Woodpecker. Dabei handelte es sich um frühe Zeichnungen bekannter Cartoonfiguren; die Behauptung, er habe damals schon ausgearbeitete Comics geschaffen, wäre zu weitgehend.

Aus dem frühen Interesse wurde eine berufliche Richtung. MacFarlane studierte Animation an der Rhode Island School of Design. Sein Abschlussfilm The Life of Larry enthielt bereits Ansätze dessen, was später zu Family Guy werden sollte. Anschließend arbeitete er bei Hanna-Barbera unter anderem an Serien wie Johnny Bravo.

Die Geschichte vom zeichnenden Kleinkind passt gut zum späteren Erfolg. Sie sollte aber nicht den Eindruck erwecken, seine Karriere sei damit bereits vorbestimmt gewesen. Zwischen den ersten Zeichnungen und einer eigenen Fernsehserie lagen Ausbildung, praktische Arbeit und die Unterstützung anderer Menschen.

Bei Family Guy spricht er gleich mehrere zentrale Figuren

1999 startete Family Guy. Die Serie machte aus dem Alltag der Familie Griffin eine Mischung aus Familienkomödie, Popkulturparodie und bewusst geschmacklosen Überraschungen. MacFarlane entwickelte nicht nur die Serie, sondern übernahm im englischen Original auch die Stimmen von Peter Griffin, Stewie Griffin, Brian Griffin und Glenn Quagmire.

Damit spricht er einen erheblichen Teil der zentralen Figuren – aber nicht fast alle. Lois wird von Alex Borstein gesprochen, Chris von Seth Green und Meg seit der zweiten Staffel von Mila Kunis. Auch weitere wichtige Rollen sind mit anderen Darstellern besetzt. In der deutschen Synchronfassung hört man wiederum deutsche Sprecher.

Wenn Peter mit Brian streitet oder Brian mit Stewie diskutiert, steht im Original also häufig derselbe Mann hinter beiden Seiten des Gesprächs. Dass die Figuren trotzdem unterscheidbar bleiben, zeigt MacFarlanes stimmliche Kontrolle. Peters polternde Unsicherheit, Stewies übertriebene Kultiviertheit und Brians vergleichsweise nüchterner Ton erzeugen unterschiedliche Persönlichkeiten.

Provokation ist noch keine gute Pointe

Die Stärke von Family Guy liegt oft in unerwarteten Verbindungen. Ein gewöhnliches Gespräch springt plötzlich in eine völlig andere Situation, eine bekannte Filmszene wird umgedeutet, oder eine vermeintlich harmlose Bemerkung bekommt eine absurde Konsequenz. Die Serie verlangt dabei keine durchgehend sympathischen Figuren.

Dieses Prinzip hat allerdings Grenzen. Ein Witz wird nicht automatisch gelungen, weil er ein Tabu berührt. Bei Pointen über sexualisierte Gewalt, Behinderung oder Minderheiten bleibt die Frage, was genau komisch sein soll: die Absurdität eines Vorurteils oder die betroffene Person selbst?

Eine Serie darf unangenehm sein. Sie muss sich trotzdem an der Qualität ihrer Pointen messen lassen. Die Behauptung, alle würden gleichermaßen verspottet, beantwortet noch nicht, ob ein einzelner Witz funktioniert. Gerade der dauernde Anspruch, Grenzen zu überschreiten, kann zur vorhersehbaren Routine werden.

Am 11. September verpasste er den später entführten Flug

Am 11. September 2001 sollte MacFarlane mit American-Airlines-Flug 11 von Boston nach Los Angeles reisen. Er kam jedoch zu spät zum Boarding. Die Maschine wurde anschließend von Terroristen entführt und in den Nordturm des World Trade Centers gesteuert.

Nach seiner eigenen Schilderung hatten eine falsche Zeitangabe in seinen Reiseunterlagen und Alkohol am Vorabend zu seiner Verspätung beigetragen. Als er eintraf, war das Gate bereits geschlossen. Während er auf einen späteren Flug wartete, erfuhr er von den Anschlägen und erkannte, dass er für eine der betroffenen Maschinen gebucht gewesen war.

MacFarlane deutete sein Überleben später nicht als Schicksalsbeweis. In einem Interview betonte er, dass Menschen ständig durch zufällige Zeitverschiebungen Gefahren entgehen, ohne davon zu erfahren. In seinem Fall wurde sichtbar, welche Folgen wenige Minuten haben konnten.

Vom sprechenden Hund zum sprechenden Teddybären

Mit Ted brachte MacFarlane 2012 seinen Humor ins Kino. Er führte Regie und sprach den lebendig gewordenen Teddybären, dessen Verhalten wenig mit einem harmlosen Kuscheltier zu tun hat. Das Grundprinzip war wirkungsvoll: Eine niedliche Erscheinung traf auf das Benehmen eines verantwortungslosen Erwachsenen.

Später folgten weitere Film- und Fernsehprojekte, darunter die Science-Fiction-Serie The Orville, die er entwickelte und in der er selbst die Hauptrolle übernahm. Dort stehen neben komischen Momenten auch gesellschaftliche Konflikte und moralische Entscheidungen im Mittelpunkt.

Diese Arbeiten zeigen, dass sein Interesse über die einzelne Provokation hinausgeht. MacFarlane kann Geschichten erzählen, die ihren Figuren mehr Zeit geben und eine Frage über längere Strecken verfolgen. Trotzdem trägt nicht jedes Projekt allein durch seine erkennbare Handschrift. Wiederholung bleibt auch für einen vielseitigen Unterhaltungsmacher ein Risiko.

Seine Musik klingt anders als seine Comedy

Wer MacFarlane nur über Peter Griffin kennt, könnte von seiner musikalischen Arbeit überrascht sein. Als Sänger orientiert er sich an klassischem amerikanischem Pop, Jazz und großen Orchesterarrangements. Sein 2011 veröffentlichtes Album Music Is Better Than Words erhielt Grammy-Nominierungen. 2025 folgte unter anderem Lush Life: The Lost Sinatra Arrangements.

Seine Vorliebe für diese Tradition erklärt auch, warum Musik in seinen Fernsehprojekten eine so große Rolle spielt. Die aufwendigen Nummern funktionieren häufig gerade deshalb, weil hinter der Parodie eine ernsthafte Beschäftigung mit dem musikalischen Vorbild steht.

Millionenhilfe für Beschäftigte der Unterhaltungsbranche

Während der Hollywood-Streiks 2023 unterstützte MacFarlane den Entertainment Community Fund zunächst mit einer Million US-Dollar. Im September kündigte die Organisation eine weitere Spende von fünf Millionen Dollar an. Die Hilfe richtete sich an Beschäftigte der Unterhaltungsbranche, die finanzielle Unterstützung benötigten.

Zu den unterstützten Berufsgruppen gehörten auch Produktionsassistenten, Beleuchter, Kostümmitarbeiter und andere Menschen hinter den Kulissen. Das Geld half unter anderem bei grundlegenden Ausgaben wie Miete, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung.

Dieses Engagement verdient Anerkennung, weil es die Aufmerksamkeit auf diejenigen richtet, deren Namen selten mit dem Erfolg einer Serie verbunden werden. Auch Family Guy ist trotz MacFarlanes prägender Rolle die Arbeit eines großen Teams. Die Geschichte vom vielseitigen Einzelkünstler sollte diesen gemeinsamen Anteil nicht verdecken.

Vielseitigkeit schützt nicht vor Kritik

An seinem 53. Geburtstag lässt sich Seth MacFarlane als außergewöhnlich vielseitiger Unterhaltungsmacher würdigen. Er zeichnet, schreibt, produziert, spielt und singt. In Family Guy hat er mehreren zentralen Figuren unterschiedliche Stimmen gegeben und damit einen großen Teil der Serie hörbar geprägt.

Seine frühen Zeichnungen sind ein ungewöhnlicher Anfang dieser Geschichte. Der verpasste Flug am 11. September erinnert daran, wie zufällig ihr weiterer Verlauf hätte enden können. Für die Bewertung seiner Arbeit bleibt jedoch entscheidend, was er aus seinen Fähigkeiten macht: Seine besten Projekte verbinden handwerkliches Können mit präziser Beobachtung. Seine schwächeren Momente verlassen sich darauf, dass eine Grenzüberschreitung bereits die Pointe ersetzt.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....