So schillernd seine Auftritte und Kostüme waren – so dunkel waren die Hintergründe seiner Karriere teilweise.
Am 11. August 2026 wäre Hulk Hogan 73 Jahre alt geworden. Es ist sein erster Geburtstag seit seinem Tod im vergangenen Jahr – und damit ein Anlass, auf eine Karriere zurückzublicken, die das Wrestling weit über die Grenzen der Branche hinaus verändert hat.
Hulk Hogan war jahrzehntelang eines der bekanntesten Gesichter des professionellen Wrestlings. Der blonde Schnurrbart, das Bandana, die rot-gelben Outfits und seine übertriebene Bühnenpersönlichkeit machten ihn selbst für Menschen erkennbar, die nie regelmäßig Wrestling verfolgten.
Doch hinter der Kunstfigur stand Terry Bollea, dessen Geschichte deutlich widersprüchlicher ausfiel. Auf die Hulkamania folgten politische Auftritte, Prozesse, rassistische Aussagen, übertriebene Geschichten über die eigene Vergangenheit und eine späte Annäherung an Donald Trump. Gleichzeitig engagierte Hogan sich auch wohltätig und prägte eine gesamte Generation von Wrestlern und Zuschauern.
Zu seinem posthumen 73. Geburtstag bleibt deshalb nicht nur die Frage, wie groß Hulk Hogan tatsächlich war, sondern auch, wie man das Vermächtnis eines Mannes bewertet, bei dem Realität und Selbstinszenierung oft kaum voneinander zu trennen waren.
Bevor es Hulkamania gab, spielte Terry Bollea Bass
Geboren wurde Hulk Hogan am 11. August 1953 als Terry Gene Bollea in Augusta im US-Bundesstaat Georgia. Einen großen Teil seiner Jugend verbrachte er jedoch in Tampa, Florida.
Sein ursprünglicher Traum hatte wenig mit Wrestling zu tun. Bollea interessierte sich für Musik, spielte zunächst Gitarre und später Bass und war Teil verschiedener Rockbands in Florida. Mit der Band Ruckus trat er unter anderem in Clubs der Region Tampa Bay auf.
Dort fiel der groß gewachsene Musiker auch Wrestlern auf. Ende der 1970er-Jahre begann Bollea schließlich selbst mit dem Training. Sein offizielles Debüt folgte 1977.
Bevor Hulk Hogan entstand, probierte er unterschiedliche Ringnamen und Figuren aus. Einer davon war Sterling Golden. Mit der Zeit entwickelte sich daraus jedoch jene Persona, die ihn später weltberühmt machen sollte.
Schon die Optik war praktisch dafür gebaut, im Gedächtnis zu bleiben: blond gefärbte Haare, Schnurrbart, gebräunte Haut, Bandanas und zerrissene Muskelshirts. Aus Terry Bollea wurde zunehmend eine überlebensgroße Comicfigur.
Wie Hulk Hogan zum Gesicht des Wrestling-Booms wurde
In den 1980er-Jahren wollte WWE-Chef Vince McMahon aus dem bis dahin stark regional geprägten Wrestlinggeschäft ein nationales Unterhaltungsprodukt machen. Hulk Hogan wurde zum zentralen Gesicht dieses Plans.
Wrestling sollte nicht mehr nur Wrestlingfans erreichen. Prominente, Musikfernsehen, Merchandise und große Arenashows wurden miteinander verbunden.
Bei der ersten WrestleMania 1985 stand Hogan gemeinsam mit Mr. T im Hauptkampf gegen Roddy Piper und Paul Orndorff. Das Event wurde zu einem wichtigen Meilenstein für die Expansion der WWE.
Der wohl bekannteste einzelne Moment seiner Karriere folgte bei WrestleMania III im Jahr 1987.
Im Pontiac Silverdome hob Hogan André the Giant hoch und schleuderte den wesentlich schwereren Wrestler mit einem Bodyslam auf die Matte. Die Szene wurde anschließend unzählige Male wiederholt und entwickelte sich zu einem der ikonischsten Bilder der Wrestlinggeschichte.
Hogan gewann während seiner Karriere sechs Weltmeistertitel in der WWE und weitere sechs bei WCW.
Entscheidend war jedoch nicht nur, was im Ring passierte. Actionfiguren, Videospiele, Kleidung, Lebensmittelprodukte und Fernsehauftritte machten Hulk Hogan zu einer kommerziellen Marke.
Damit zeigte seine Karriere früh, wie groß ein Wrestler außerhalb des Rings werden konnte.
Als aus dem Superhelden plötzlich Hollywood Hogan wurde
Das Problem einer jahrzehntelang erfolgreichen Figur ist allerdings, dass sich das Publikum irgendwann an ihr sattsehen kann.
Anfang der 1990er-Jahre funktionierte Hogans klassischer rot-gelber Superheld zunehmend schlechter. 1994 verließ er die WWE und wechselte zur Konkurrenz World Championship Wrestling.
Zunächst änderte sich wenig an seiner Figur.
Dann kam 1996.
Hogan verbündete sich mit Scott Hall und Kevin Nash und wurde Teil der New World Order, kurz nWo. Aus Hulk Hogan wurde Hollywood Hogan.
Die Farben wechselten von Rot und Gelb zu Schwarz und Weiß. Der patriotische Held wurde zum arroganten Bösewicht, der sich selbst für größer hielt als die gesamte Liga.
Für viele langjährige Fans war der Wechsel ein Schock. Gleichzeitig gab er Hogans Karriere neues Leben.
Die nWo entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Gruppierungen der Wrestlinggeschichte. Gleichzeitig wurde sie zu einem entscheidenden Bestandteil des damaligen Konkurrenzkampfes zwischen WCW und WWE. Zeitweise konnte WCW die WWE bei den Fernsehzuschauern sogar überholen.
Hogan hatte damit innerhalb seiner Karriere gleich zwei völlig unterschiedliche Versionen derselben Kunstfigur zu Popkultur-Phänomenen gemacht.
Die unglaublichen Geschichten des Hulk Hogan
Zum Mythos Hulk Hogan gehörte allerdings noch etwas anderes: Hogan erzählte gerne Geschichten über sein eigenes Leben. Und einige davon wurden mit den Jahren immer größer.
Eine der bekanntesten betrifft Metallica.
Hogan behauptete mehrfach, dass er beinahe Bassist der Metal-Band geworden wäre. Das Problem: Seine Version der Geschichte veränderte sich.
Einmal erzählte er, er sei mit Schlagzeuger Lars Ulrich befreundet gewesen und bereits in der frühen Phase der Band gefragt worden, ob er Bass spielen wolle.
Eine andere Version spielte viele Jahre später. Nach Jason Newsteds Ausstieg habe Hogan von der freien Position gehört, Demoaufnahmen geschickt und Metallica mehrfach kontaktiert. Eine Antwort habe er allerdings nie bekommen.
Dass Hogan Bass spielen konnte, steht außer Frage. Seine Zeit als Musiker vor der Wrestlingkarriere ist dokumentiert.
Für ein tatsächliches Angebot von Metallica gibt es dagegen keine überzeugenden Belege. Lars Ulrich erklärte sogar, er könne sich nicht daran erinnern, Hogan überhaupt getroffen zu haben. Auch James Hetfield zeigte sich von der Geschichte überrascht.
Metallica war dabei nicht die einzige große Band, mit der Hogan sich selbst in Verbindung brachte. Er erzählte ebenfalls, dass er versucht habe, Bassist der Rolling Stones zu werden.
Auch andere Geschichten sorgten immer wieder für Zweifel. Hogan behauptete unter anderem, Elvis Presley sei ein großer Fan von ihm gewesen.
Besonders bekannt wurde außerdem seine Aussage, er habe die Hauptrolle in The Wrestler abgelehnt. Regisseur Darren Aronofsky widersprach dieser Darstellung und erklärte, die Rolle sei für Mickey Rourke entwickelt worden.
Und dann war da noch Hogans legendäre Rechnung, nach der er aufgrund der Zeitverschiebung zwischen Japan und den USA innerhalb eines Jahres angeblich an 400 Tagen gewrestelt habe.
Die Geschichten waren teilweise so übertrieben, dass sie selbst innerhalb einer Branche auffielen, in der die Grenze zwischen Realität und Fiktion traditionell ziemlich flexibel ist.
Der Real American wurde politisch
Politik steckte bereits lange vor Donald Trump in der Figur Hulk Hogan.
Hogan wurde über Jahre als amerikanischer Superheld präsentiert. US-Flaggen, patriotische Reden und sein Einzugssong Real American gehörten untrennbar zur Hulkamania.
Auch seine Gegner wurden teilweise entsprechend inszeniert: Der amerikanische Held trat gegen Figuren an, die als ausländische oder antiamerikanische Bedrohung dargestellt wurden.
Die politische Position des Privatmenschen Terry Bollea war zunächst weniger eindeutig. Zeitweise äußerte er sich beispielsweise positiv über Barack Obama.
Später rückte Hogan allerdings immer stärker in das Umfeld Donald Trumps.
Die Verbindung zwischen beiden reichte Jahrzehnte zurück. Trump und Hogan kannten sich aus der Wrestlingwelt der 1980er-Jahre, als WrestleMania-Veranstaltungen im Umfeld des Trump Plaza in Atlantic City stattfanden.
Seinen größten politischen Auftritt hatte Hogan schließlich am 18. Juli 2024 beim Parteitag der Republikaner in Milwaukee.
Die Inszenierung erinnerte stark an einen Wrestlingauftritt. Hogan sprach über Trump als Helden und Gladiator, riss sein schwarzes Oberteil auseinander und präsentierte darunter ein rotes Trump-Vance-Shirt.
Aus Hulkamania wurde für einige Minuten Trumpamania.
Hogan erklärte, er habe sich als Entertainer lange nicht politisch äußern wollen. Nach dem Attentatsversuch auf Trump wenige Tage zuvor habe er jedoch nicht mehr schweigen können.
Spätestens mit diesem Auftritt wurde Hogan zu einem der prominentesten Unterstützer Trumps aus der Unterhaltungsbranche.
Doch die Reaktion zeigte auch, wie stark sich sein öffentliches Bild verändert hatte.
Bei einem großen WWE-Auftritt im Januar 2025 wurde Hogan von Teilen des Publikums deutlich ausgebuht. Der frühere Held der Hulkamania konnte längst nicht mehr davon ausgehen, überall automatisch gefeiert zu werden.
Der Skandal, der Hogans Image dauerhaft veränderte
Den größten Einschnitt in seine öffentliche Wahrnehmung verursachte allerdings kein politischer Auftritt.
2012 veröffentlichte die Medienseite Gawker Ausschnitte aus einem Sexvideo, das ohne Hogans Zustimmung aufgenommen worden war.
Hogan verklagte das Unternehmen wegen Verletzung seiner Privatsphäre. Vor Gericht trat dabei nicht die Kunstfigur Hulk Hogan auf, sondern Terry Bollea.
2016 sprach ihm eine Jury insgesamt 140 Millionen US-Dollar Schadensersatz zu. Später kam es zu einer Einigung über 31 Millionen US-Dollar.
Der Fall entwickelte sich weit über Hogan hinaus zu einer Debatte über Pressefreiheit, Privatsphäre und die Grenzen der Berichterstattung über Prominente. Bekannt wurde außerdem, dass Unternehmer Peter Thiel Hogans Klage finanziell unterstützt hatte.
Für Hogan hatte die Geschichte allerdings noch eine zweite Seite.
Im Zusammenhang mit den Aufnahmen wurde ein Gespräch öffentlich, in dem er mehrfach rassistische Beleidigungen verwendete. Zudem äußerte er sich abfällig über die Vorstellung, dass seine Tochter eine Beziehung mit einem schwarzen Mann führen könnte.
Die WWE distanzierte sich 2015 von Hogan. Sein Profil wurde entfernt und auch aus der Hall of Fame verschwand er zunächst.
Hogan entschuldigte sich später und bezeichnete seine Aussagen als inakzeptabel. 2018 nahm ihn die WWE wieder in ihre Hall of Fame auf.
Damit war der Skandal jedoch nicht beendet.
Teile der Wrestling-Community kritisierten auch die Art seiner Entschuldigung. Bei einem Treffen mit Wrestlern soll Hogan unter anderem davor gewarnt haben, dass Menschen jederzeit heimlich aufgenommen werden könnten. Kritiker sahen darin eine Verschiebung des Fokus weg von den rassistischen Aussagen selbst.
Bis zu seinem Tod blieb dieser Teil seiner Vergangenheit fest mit seinem Namen verbunden.
Der Tod von Terry Bollea im Sommer 2025
Am 24. Juli 2025 endete Hogans Leben überraschend.
Rettungskräfte wurden am Morgen wegen eines Herzstillstands zu seinem Haus in Clearwater, Florida, gerufen. Hogan wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht, konnte jedoch nicht mehr wiederbelebt werden.
Er starb im Alter von 71 Jahren.
Als Todesursache wurde ein akuter Herzinfarkt festgestellt. Bekannt wurde außerdem, dass Hogan unter Vorhofflimmern litt und an chronischer lymphatischer Leukämie erkrankt war.
Eine polizeiliche Untersuchung seines Todes wurde im Juni 2026 abgeschlossen. Die Behörden kamen zu dem Ergebnis, dass Hogan eines natürlichen Todes gestorben war. Hinweise auf Fremdverschulden wurden nicht gefunden.
Seit April 2026 beschäftigt sich außerdem die vierteilige Netflix-Dokumentation Hulk Hogan: Real American ausführlich mit seinem Leben.
Zu sehen ist darin auch Hogans letztes längeres Interview. Ein zentrales Thema ist die Frage, wo Terry Bollea endete und Hulk Hogan begann.
Diese Unterscheidung hatte Hogan selbst immer wieder betont.
Sogar während des Gawker-Prozesses argumentierte er, dass Aussagen der übertriebenen Wrestlingfigur Hulk Hogan nicht automatisch mit Aussagen des Privatmenschen Terry Bollea gleichgesetzt werden könnten.
Je länger seine Karriere dauerte, desto schwieriger wurde diese Trennung allerdings.
Wie viel Terry Bollea steckte noch in Hulk Hogan?
Hulk Hogan war keine Figur, die Terry Bollea nach einem Wrestlingmatch einfach ablegte.
Die Persona begleitete ihn über Jahrzehnte durch Talkshows, Filme, Reality-TV, Werbekampagnen, politische Veranstaltungen und sein Privatleben.
Auch viele seiner Geschichten erzählte Bollea aus der Perspektive einer Figur, bei der grundsätzlich alles noch ein wenig größer, spektakulärer und unglaublicher sein musste.
Dadurch entstand ein ungewöhnliches Verhältnis zwischen Mensch und Kunstfigur.
Terry Bollea hatte Hulk Hogan geschaffen, doch irgendwann bestimmte Hulk Hogan maßgeblich, wie Terry Bollea von der Öffentlichkeit gesehen wurde – und möglicherweise auch, wie er selbst seine eigene Vergangenheit erzählte.
Was von Hulk Hogan geblieben ist
Am 11. August 2026 wäre Hulk Hogan 73 Jahre alt geworden.
Sein erster posthumer Geburtstag zeigt noch einmal, wie kompliziert eine Bewertung seines Vermächtnisses ausfällt.
Sein Einfluss auf Wrestling lässt sich kaum bestreiten. Hogan erfand die Branche nicht und auch der große Boom der 1980er-Jahre war das Ergebnis vieler Beteiligter. Trotzdem war er das Gesicht, mit dem Wrestling in dieser Zeit zu einem internationalen Unterhaltungsprodukt wurde.
Spätere Superstars wie The Rock, John Cena oder Roman Reigns arbeiteten in einer Branche, deren globale Vermarktungsstrukturen während der Ära der Hulkamania entscheidend gewachsen waren.
Hogan zeigte, dass ein Wrestler weit mehr sein konnte als ein Darsteller im Ring. Er konnte gleichzeitig Sportler, Schauspieler, Werbefigur, Unternehmer und internationale Marke sein.
Eine Würdigung seines Einflusses kann allerdings nicht bedeuten, die problematischen Teile seiner Geschichte auszublenden.
Dazu gehören seine rassistischen Aussagen ebenso wie der Steroidkonsum, Konflikte um seinen Einfluss hinter den Kulissen, politische Polarisierung und zahlreiche Geschichten, deren Wahrheitsgehalt bis heute angezweifelt wird.
Hulk Hogan war deshalb nie nur der strahlende Held, der André the Giant durch den Ring schleuderte. Und Terry Bollea war nie vollständig von der Figur zu trennen, mit der er weltberühmt wurde.
An seinem ersten Geburtstag nach seinem Tod bleibt eine Wrestlinglegende zurück, deren Bedeutung ebenso außergewöhnlich ist wie ihre Widersprüche.
Vielleicht liegt darin auch der treffendste Blick auf sein Vermächtnis: Terry Bollea erschuf Hulk Hogan als überlebensgroße Figur. Am Ende wurde diese Figur so groß, dass sie den Menschen dahinter fast vollständig überragte.
