Sweet Anita äußert sich zum Tourette-Vorfall bei den BAFTA Awards

Ein einziges Wort kann ausreichen, um eine massive Kontroverse auszulösen.

Sweet Anita on Bafta controversy
Sweet Anita hat ihre Plattform darauf aufgebaut, über Tourette aufzuklären und mit gängigen Missverständnissen über die Erkrankung aufzuräumen. | © Sweet_Anita

Ein Tourette-Ausbruch überschattete die diesjährigen BAFTA Awards. Während sich zahlreiche Prominente zu der Kontroverse äußerten, teilte auch die Twitch-Streamerin Sweet Anita, die selbst mit Tourette lebt, ihre Gedanken zu der Situation.

BAFTA-Abend sorgt nach Zwischenruf eines Tourette-Aktivisten für Kontroversen

Wie jedes Jahr zeichnen die BAFTA Awards die besten britischen Filme und Serien aus. Ein Film dominierte dabei die diesjährige Verleihung besonders deutlich. I Swear zählte zu den großen Gewinnern des Abends. Der Film war in sechs Kategorien nominiert und konnte drei Preise gewinnen. Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes in Schottland, der mit Tourette lebt. Er basiert auf dem Leben des Aktivisten John Davidson, der sich für mehr Aufklärung und ein stärkeres Bewusstsein für die Erkrankung einsetzt. Davidson war dementsprechend auch bei der Zeremonie anwesend.

Als Michael B. Jordan und Delroy Lindo jedoch die Bühne betraten, rief Davidson das N-Wort. Moderator Alan Cumming bat das Publikum später um Verständnis und erklärte, dass es sich dabei um unwillkürliche Tics handle.

Obwohl Davidsons Tourette- und Coprolalie-Diagnose öffentlich bekannt ist, löste der Vorfall massive Kritik aus, zu der sich auch mehrere Prominente äußerten. Jamie Foxx kommentierte auf Instagram mit „Inakzeptabel“ und fügte hinzu:

Nee, das hat er schon so gemeint.

Auch die Journalistin Jemele Hill äußerte sich in einem Beitrag auf X zu der Kontroverse:

Von Schwarzen Menschen wird offenbar erwartet, dass sie es einfach hinnehmen, respektlos behandelt und entmenschlicht zu werden, nur damit sich andere nicht schlecht fühlen.

Inmitten der Debatte äußerte sich auch die Twitch-Streamerin Sweet Anita zu der Situation, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sie selbst mit Tourette lebt.

Sweet Anita reagiert auf Kritik

In einem kürzlichen Stream ging sie auf die Kontroverse ein und betonte, dass die Tics von Menschen mit Tourette und Coprolalie unwillkürlich sind. Als Reaktion auf Kritiker, die infrage stellten, warum genau dieses rassistische Schimpfwort gefallen sei und darin eine rassistische Absicht vermuteten, sagte sie:

Es ist einfach ein verbaler Krampf. Viele Leute fragen sich: ‚Warum genau dieses rassistische Schimpfwort in diesem Moment?‘ […] Jeder weiß, was das N-Wort ist. Jeder kennt dieses Wort. Es ist Teil des allgemeinen Sprachwissens. Ob rassistisch oder nicht, man kennt dieses Wort.

Auch in mehreren Beiträgen auf X teilte sie ihre Gedanken zu der Situation und schrieb:

Ich war da, wo John jetzt ist, und jahrelang wurde darüber diskutiert, ob ich das Recht verdiene, zu livestreamen, weil ich TS habe. Es ist traurig, dass so etwas immer noch passiert, obwohl Google kostenlos ist.

In einem weiteren Beitrag unterstrich sie ihre Haltung noch einmal deutlich:

Stell dir vor, du machst einen Film über dein Leben mit Tourette, um zu verhindern, dass Menschen deine Tics missverstehen … nur damit er einen BAFTA gewinnt und die Leute deine Tics trotzdem weiterhin missverstehen.

Damit ist ihre Position klar. Für viele Beobachter liegt der eigentliche Skandal jedoch nicht in Davidsons Tics, sondern in der Art und Weise, wie die BBC mit der Situation umgegangen ist.

BBC wegen Umgang mit BAFTA-Übertragung in der Kritik

Die Zeremonie wurde mit einer zweistündigen Verzögerung ausgestrahlt, was bedeutete, dass die BBC die volle redaktionelle Kontrolle darüber hatte, was gesendet wurde. Dennoch wurden die „Free Palestine“-Äußerungen des preisgekrönten Akinola Davies Jr. herausgeschnitten, während das rassistische Schimpfwort in der Übertragung verblieb. Die Sendung war sogar auf dem BBC iPlayer verfügbar, bevor sie am Montag wieder entfernt wurde. Laut einem Bericht des Guardian saß das Schnittteam in einem Übertragungswagen und habe das Wort zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht gehört.

Der Unterschied wirft Fragen zur redaktionellen Konsistenz auf. Während politische Äußerungen entfernt wurden, blieb der beleidigende Ausruf in der Übertragung bestehen. Für viele Zuschauer wurde genau diese Diskrepanz zum eigentlichen Kern der Kontroverse. Am Ende war der Vorfall für alle Beteiligten unangenehm, und ein großer Teil der Folgen hätte womöglich vermieden werden können, wenn das Schnittteam bessere Kopfhörer bekommen hätte.

Luis Scharringhausen

Videospiele sind meine Leidenschaft, besonders Elden Ring. Nebenbei studiere ich Journalismus und schaue gerne Serien....