Taraji P. Henson wird 56: Hollywoodstar, Aktivistin und Kämpferin für Gleichberechtigung

Ihr Karriereweg war alles andere als einfach – darum kämpft sie dafür, das die, die ihr nachfolgen, es leichter haben.

Taraji P Henson 01 Screen Gems
Ihre starken, feministischen Rollen spiegeln Hensons eigene Haltung perfekt wieder. | © Screen Gems

Taraji P. Henson gehört seit Jahrzehnten zu den markantesten Schauspielerinnen Hollywoods. Mit Rollen in Empire, Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen und Die Farbe Lila wurde sie weltweit bekannt. Doch die US-Amerikanerin nutzt ihre Stimme längst auch abseits der Kamera: für psychische Gesundheit, gerechte Bezahlung und bessere Chancen für Schwarze Menschen. Am heutigen 11. September 2026 feiert sie ihren 56. Geburtstag.

Von Washington nach Hollywood

Taraji Penda Henson wurde am 11. September 1970 in Washington, D.C. geboren. Ihre Vornamen stammen aus dem Swahili: Taraji bedeutet Hoffnung, Penda Liebe. Aufgewachsen ist sie in einer Arbeiterfamilie. Ihre Mutter Bernice arbeitete als Managerin, ihr Vater Boris Lawrence Henson als Hausmeister und Metallarbeiter. Besonders ihre Großmutter Patsy Ballard wurde für sie zu einer wichtigen Bezugsperson.

Zunächst schlug Henson einen ganz anderen Weg ein. An der North Carolina Agricultural and Technical State University begann sie ein Studium der Elektrotechnik. Nach einem nicht bestandenen Mathematikkurs wechselte sie an die Howard University in Washington und studierte dort Schauspiel. Um Studium und Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitete sie morgens als Sekretärin im Pentagon und abends als singende und tanzende Kellnerin auf einem Ausflugsschiff. 1995 schloss sie ihr Studium an der traditionsreichen, historisch Schwarzen Universität ab.

Schon während dieser Zeit war Henson Mutter. Ihr Sohn Marcell wurde 1994 geboren. Dessen Vater William LaMarr Johnson, Hensons Jugendliebe, wurde 2003 getötet. Über persönliche Verluste, Ängste und depressive Phasen sprach die Schauspielerin später bewusst offen. Diese Erfahrungen prägen bis heute auch ihr gesellschaftliches Engagement.

Der lange Weg zum Durchbruch

Hensons Karriere begann mit kleineren Fernsehauftritten. Größere Aufmerksamkeit erhielt sie 2001 als Yvette im Drama Baby Boy. Vier Jahre später spielte sie an der Seite von Terrence Howard in Hustle & Flow. Als Shug überzeugte sie nicht nur schauspielerisch, sondern war auch auf dem später mit einem Oscar ausgezeichneten Song It’s Hard out Here for a Pimp zu hören.

Der entscheidende internationale Karriereschub folgte 2008 mit David Finchers Der seltsame Fall des Benjamin Button. Henson verkörperte Queenie, die warmherzige Pflegemutter der von Brad Pitt gespielten Titelfigur. Für ihre Leistung erhielt sie eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin. Spätestens damit hatte sie sich in Hollywood etabliert – auch wenn sie später immer wieder offenlegte, dass Anerkennung und angemessene Bezahlung für eine Schwarze Schauspielerin keineswegs automatisch miteinander einhergehen.

Es folgten Rollen in Filmen wie Karate Kid, Denk wie ein Mann und Keine gute Tat. Parallel war Henson von 2011 bis 2013 als Detective Joss Carter in der Serie Person of Interest zu sehen. Ihre populärste Fernsehfigur sollte jedoch erst noch kommen.

Cookie Lyon wird zum Serienphänomen

2015 übernahm Henson in der Musikdramaserie Empire die Rolle der Cookie Lyon. Schlagfertig, extravagant und verletzlich zugleich wurde Cookie schnell zum Herzstück der Serie. Henson spielte die Figur über sechs Staffeln hinweg bis 2020 und gewann dafür 2016 einen Golden Globe. Hinzu kamen mehrere Emmy-Nominierungen. Bei den Critics Choice Television Awards war sie bereits 2015 als erste Schwarze Frau als beste Hauptdarstellerin einer Dramaserie ausgezeichnet worden.

Einen weiteren Höhepunkt erreichte sie 2016 mit Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen. Darin verkörperte sie die NASA-Mathematikerin Katherine Johnson, deren Berechnungen entscheidend zum Erfolg der frühen US-Raumfahrt beitrugen. Der Film machte die lange übergangene Arbeit Schwarzer Wissenschaftlerinnen einem Millionenpublikum bekannt. Gemeinsam mit dem Ensemble gewann Henson einen Screen Actors Guild Award.

Danach zeigte sie ihre Bandbreite unter anderem in Proud Mary, Was Männer wollen und als Bürgerrechtsaktivistin Ann Atwater in The Best of Enemies. In Die Farbe Lila spielte sie 2023 die Sängerin Shug Avery und erhielt erneut große Anerkennung. Außerdem war sie als Janine Teagues’ Mutter Vanetta in Abbott Elementary zu Gast, wofür eine weitere Emmy-Nominierung folgte.

Neue Kapitel vor der Kamera und auf der Bühne

2024 gehörte Henson zum Ensemble der Miniserie Fight Night: The Million Dollar Heist. 2025 übernahm sie in Tyler Perrys Netflix-Thriller STRAW die Hauptrolle einer alleinerziehenden Mutter, die nach einer Reihe existenzieller Rückschläge an ihre Belastungsgrenze gerät. Der Erfolg führte zu einer Vereinbarung über zwei weitere Filme mit Netflix.

2026 erfüllte sich Henson einen lange gehegten Wunsch: Mit August Wilsons Theaterstück Joe Turner’s Come and Gone gab sie am Ethel Barrymore Theatre ihr Broadway-Debüt. Als Bertha Holly stand sie neben Cedric the Entertainer auf der Bühne. Die bis Juli gespielte Inszenierung erhielt fünf Tony-Nominierungen. Für Henson war die Rückkehr zum Theater zugleich eine künstlerische Erneuerung nach Jahren, in denen sie immer wieder über Frust, fehlende Wertschätzung und ungleiche Bedingungen in Hollywood gesprochen hatte.

Kampf für psychische Gesundheit

Hensons wichtigstes soziales Projekt ist die 2018 gegründete Boris Lawrence Henson Foundation. Sie benannte die Organisation nach ihrem Vater, einem Vietnamkriegsveteranen, der nach seiner Rückkehr unter psychischen Problemen litt und kaum Unterstützung erhielt. Die Stiftung will das Stigma rund um psychische Erkrankungen in Schwarzen Communitys abbauen und den Zugang zu kulturell kompetenter Therapie verbessern.

Die Organisation vermittelt Hilfsangebote, fördert angehende Schwarze Therapeutinnen und Therapeuten und unterstützt Schulen sowie junge Menschen mit Aufklärung und niedrigschwelligen Angeboten. Während der Coronapandemie finanzierte sie kostenlose virtuelle Therapiesitzungen. Zu den aktuellen Programmen gehören eine Stipendieninitiative, gemeinschaftliche Hangouts und die schulbasierte Take A Minute Challenge, bei der Schülerinnen und Schüler täglich mit kurzen Übungen innehalten, reflektieren und sich miteinander verbinden.

2019 trug Henson das Thema auch in die US-Politik. Vor einer Arbeitsgruppe des Congressional Black Caucus sprach sie über die psychische Krise unter Schwarzen Jugendlichen und forderte mehr Beratung sowie bessere Aufklärung an Schulen. Dabei machte sie auch ihre eigenen Erfahrungen mit Angstzuständen und Depressionen öffentlich. Ihr Ziel ist nicht nur mehr Aufmerksamkeit, sondern eine Versorgung, bei der sich Hilfesuchende kulturell verstanden und sicher fühlen.

Politische Stimme und Einsatz für gleiche Chancen

Henson versteht ihr Engagement nicht als Parteikarriere, nutzt ihre Reichweite aber gezielt für politische und gesellschaftliche Themen. Bei den BET Awards 2024 rief sie das Publikum zur Teilnahme an der US-Präsidentschaftswahl auf und sprach in einer Einblendung mit der damaligen Vizepräsidentin Kamala Harris über Wahlbeteiligung und politische Entscheidungen. Ihr Auftritt verband Unterhaltung mit dem Appell, demokratische Rechte wahrzunehmen und sich über die Folgen politischer Programme zu informieren.

Bereits 2022 war Henson von Präsident Joe Biden in den beratenden Ausschuss des Weißen Hauses für Historically Black Colleges and Universities berufen worden. Als Absolventin der Howard University wollte sie dort insbesondere die psychische Gesundheitsversorgung auf HBCU-Campussen stärken. Die Berufung brachte ihre Bildungsbiografie und ihre Arbeit als Mental-Health-Aktivistin unmittelbar zusammen.

Ebenso konsequent spricht Henson über strukturelle Ungleichheit in der Filmbranche. Während der Promotion von Die Farbe Lila machte sie 2023 öffentlich, wie wenig selbst erfolgreiche Schwarze Schauspielerinnen nach Abzügen für Steuern, Management und ihr berufliches Team von vermeintlich hohen Gagen behalten. Sie kritisierte, trotz Oscar-Nominierung, Golden Globe und jahrzehntelanger Erfahrung immer wieder um ihren Marktwert kämpfen zu müssen. Damit wurde sie zu einer der sichtbarsten Stimmen in der Debatte um das Lohngefälle zwischen Geschlechtern und ethnischen Gruppen in Hollywood.

Hensons Einsatz richtet sich dabei nicht nur auf ihre eigene Karriere. Sie betont regelmäßig, dass bessere Bedingungen für sie auch den Schauspielerinnen zugutekommen sollen, die nach ihr kommen. Ihr Engagement für faire Bezahlung, psychische Gesundheit und Schwarze Bildungschancen folgt demselben Grundgedanken: Erfolg soll nicht davon abhängen, wer Zugang, Rückhalt und Verhandlungsmacht besitzt.

Mehr als eine Hollywoodkarriere

Taraji P. Henson hat sich nie auf eine Rolle reduzieren lassen. Sie ist Schauspielerin, Produzentin, Autorin, Unternehmerin und Aktivistin. 2016 veröffentlichte sie ihre Autobiografie Around the Way Girl, 2019 erhielt sie einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Das Magazin Time nahm sie 2016 und 2024 in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt auf.

An ihrem 56. Geburtstag steht Henson für eine Karriere, die große Unterhaltung und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet. Ihre Figuren sind häufig Frauen, die sich trotz widriger Umstände behaupten. Auch außerhalb von Film, Fernsehen und Theater tut sie genau das: Sie spricht über Themen, die lange verschwiegen wurden, fordert konkrete Veränderungen und macht ihren eigenen Erfolg zum Ausgangspunkt für die Unterstützung anderer.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....