Tommy Lee Jones wird 80: Von Al Gores Mitbewohner zum Todfeind von Jim Carrey

Sein oft stoischer Blick täuscht über den Schalk hinweg, der ihm definitiv im Nacken steckt.ne

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Eine gute Seele Hollywoods, die aber gerne bei ihren Kollegen aneckt. | © Universum

Er spielte wortkarge Gesetzeshüter, kompromisslose Militärs und einen der bekanntesten Geheimagenten der Filmgeschichte. Doch Tommy Lee Jones’ eigenes Leben hält mindestens zwei Geschichten bereit, die wie Erfindungen aus Hollywood klingen: Während seines Studiums teilte er sich in Harvard ein Zimmer mit dem späteren US-Vizepräsidenten Al Gore. Jahrzehnte später erklärte er seinem Kollegen Jim Carrey unverblümt, dass er ihn nicht leiden könne. Heute, am 15. September 2026, feiert Tommy Lee Jones seinen 80. Geburtstag.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten gehört Jones zu den markantesten Gesichtern des amerikanischen Kinos. Sein strenger Blick, seine tiefe Stimme und seine scheinbar angeborene Ungeduld machten ihn zur Idealbesetzung für Sheriffs, Agenten, Offiziere und Männer, die keine Zeit für Unsinn haben.

Dieses Image wirkt so überzeugend, weil es zumindest teilweise mit seiner tatsächlichen Persönlichkeit übereinstimmt. Jones gilt als hochgebildet, diszipliniert und ausgesprochen direkt. Interviews behandelt er häufig wie eine Pflicht, nicht wie Unterhaltung. Small Talk liegt ihm ebenso wenig wie überschwängliche Hollywood-Selbstvermarktung. Während andere Stars eine freundliche Anekdote erzählen, reicht bei Tommy Lee Jones manchmal ein einziger Blick, um das Gespräch zu beenden.

Vom texanischen Ölfeld nach Harvard

Tommy Lee Jones wurde am 15. September 1946 in San Saba im US-Bundesstaat Texas geboren und wuchs größtenteils in Midland auf. Seine Mutter Lucille arbeitete unter anderem als Polizistin, Lehrerin und Besitzerin eines Schönheitssalons. Sein Vater Clyde war Cowboy und auf Ölfeldern beschäftigt. Die Beziehung seiner Eltern war schwierig: Sie heirateten und ließen sich zweimal voneinander scheiden.

Jones wuchs nicht in einer privilegierten Hollywoodwelt auf. Durch gute schulische Leistungen und sportliches Talent erhielt er jedoch ein Stipendium für die renommierte St. Mark’s School of Texas in Dallas. Von dort führte ihn sein Weg 1965 an die Harvard University.

In Harvard studierte Jones englische Literatur. Gleichzeitig spielte er als Offensive Guard im Footballteam der Universität. Mit einer Körpergröße von rund 1,85 Metern und einem Gewicht von etwa 90 Kilogramm stellte er sich regelmäßig deutlich größeren Gegenspielern entgegen.

1968 gehörte Jones zu jener Harvard-Mannschaft, die eine ungeschlagene Saison absolvierte. Das letzte Spiel gegen Yale endete nach einer spektakulären Aufholjagd mit 29:29 und ging als eines der berühmtesten Spiele in die Geschichte des College Footballs ein. Die Harvard-Zeitung titelte anschließend, Harvard habe Yale mit 29:29 besiegt – obwohl die Partie offiziell unentschieden geendet hatte.

Vier Jahre mit dem späteren US-Vizepräsidenten

Tommy Lee Jones’ bekanntester Kommilitone war jedoch kein zukünftiger Hollywoodstar. Sein Mitbewohner hieß Albert Arnold Gore Jr. – besser bekannt als Al Gore.

Jones und Gore lernten sich an ihrem ersten Tag in Harvard kennen und teilten während des Studiums über mehrere Jahre eine Unterkunft im Dunster House. Die Kombination wirkt rückblickend beinahe zu passend für einen Film: Auf der einen Seite der schweigsame Footballspieler aus Texas, der später einen Oscar gewinnen sollte. Auf der anderen Seite der Sohn eines Senators aus Tennessee, der später Vizepräsident der Vereinigten Staaten und Präsidentschaftskandidat werden sollte.

Während ihrer Collegezeit verbrachten sie ihre Abende nach Jones’ Erinnerungen unter anderem mit Musik, Poker und Billard. Die Freundschaft endete nicht mit dem Studium. Jones unterstützte Gore auch während dessen politischer Karriere.

Als Al Gore im Jahr 2000 als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei antrat, hielt Jones auf dem Parteitag die Rede, mit der sein ehemaliger Mitbewohner offiziell nominiert wurde. Darin bezeichnete er Gore als einen seiner engsten Freunde seit ihrem ersten gemeinsamen Tag am College 35 Jahre zuvor.

Die öffentliche Unterstützung war für Jones ungewöhnlich. Der Schauspieler hält sich normalerweise mit politischen Äußerungen zurück und gibt nur selten Einblicke in sein Privatleben. Für seinen alten Harvard-Mitbewohner machte er eine Ausnahme.

Die Verbindung zwischen beiden fand sogar indirekt ihren Weg ins Kino. Der Schriftsteller Erich Segal kannte Jones und Gore aus seiner Zeit in Harvard. Nach eigenen Angaben ließ er Eigenschaften beider Männer in die männliche Hauptfigur seines Romans und Drehbuchs Love Story einfließen. Ausgerechnet Jones übernahm in der Verfilmung von 1970 eine kleine Rolle als Harvard-Student – und gab damit sein Kinodebüt.

Die ersten Jahre als Schauspieler

Nach seinem Abschluss in Harvard zog Jones nach New York, um Schauspieler zu werden. Bereits 1969 stand er erstmals am Broadway auf der Bühne. Neben seiner kleinen Rolle in Love Story spielte er mehrere Jahre in der Seifenoper Liebe, Lüge, Leidenschaft.

Der schnelle Aufstieg zum Kinostar blieb zunächst aus. Jones arbeitete kontinuierlich, wechselte zwischen Theater, Fernsehen und Film, musste aber lange auf den großen Durchbruch warten.

1980 erhielt er für seine Rolle als Doolittle Lynn in Nashville Lady seine erste Golden-Globe-Nominierung. Zwei Jahre später spielte er den zum Tode verurteilten Mörder Gary Gilmore in der Fernsehproduktion Das Lied vom Henker. Die Darstellung brachte ihm einen Emmy ein und bewies, dass sich hinter seinem strengen Äußeren ein präziser Charakterdarsteller verbarg.

Einen weiteren Karrierehöhepunkt erreichte er 1989 mit dem Western-Mehrteiler Der Ruf des Adlers. Als Texas Ranger Woodrow F. Call spielte Jones einen pflichtbewussten und emotional verschlossenen Mann – einen Figurentyp, den er in den kommenden Jahrzehnten immer wieder variieren sollte.

Der späte Durchbruch in Hollywood

Tommy Lee Jones war bereits Mitte 40, als er zu einem der gefragtesten Schauspieler Hollywoods wurde. 1991 spielte er in Oliver Stones JFK – Tatort Dallas den Geschäftsmann Clay Shaw. Für seine Darstellung erhielt er seine erste Oscar-Nominierung.

Ein Jahr später trat er in Alarmstufe: Rot als ehemaliger CIA-Agent und Terrorist William Strannix gegen Steven Seagal an. Jones verwandelte den Bösewicht in eine explosive Mischung aus Wahnsinn, schwarzem Humor und militärischer Präzision.

Seine endgültige Paraderolle folgte 1993 in Auf der Flucht. Harrison Ford spielte darin den Arzt Richard Kimble, der fälschlicherweise wegen Mordes an seiner Frau verurteilt wird und nach seiner Flucht den wahren Täter sucht. Jones übernahm die Rolle des US-Marshals Samuel Gerard, der Kimble unerbittlich verfolgt.

Gerard war kein klassischer Gegenspieler. Er glaubte weder an Kimbles Schuld noch an dessen Unschuld. Seine Aufgabe bestand darin, einen Flüchtigen zu fangen – alles andere interessierte ihn zunächst nicht. Jones spielte diese Haltung mit trockenem Humor, hoher Geschwindigkeit und der für ihn typischen Mischung aus Intelligenz und Ungeduld.

Obwohl Harrison Ford die Hauptrolle spielte, stahl Jones ihm beinahe den Film. Für seine Darstellung gewann er 1994 den Oscar als bester Nebendarsteller. Die Figur war so erfolgreich, dass Jones sie 1998 in Auf der Jagd erneut spielte.

Als Two-Face auf Jim Carrey traf

1995 übernahm Tommy Lee Jones in Batman Forever die Rolle des ehemaligen Staatsanwalts Harvey Dent alias Two-Face. Sein wichtigster Partner vor der Kamera war Jim Carrey als Edward Nygma, der Riddler.

Die Besetzung vereinte zwei Schauspieler, deren Arbeitsweisen kaum unterschiedlicher hätten sein können. Jones war klassisch ausgebildet, kontrolliert und für seine Ernsthaftigkeit bekannt. Carrey befand sich nach den Erfolgen von Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv, Die Maske und Dumm und Dümmer auf dem Höhepunkt seines komödiantischen Durchbruchs. Seine Darstellung lebte von Grimassen, spontanen Einfällen, körperlicher Comedy und maximaler Energie.

Im Film sollten Two-Face und der Riddler ein überdrehtes Bösewicht-Duo bilden. Hinter den Kulissen entwickelte sich allerdings keine vergleichbare Partnerschaft.

"Ich kann deine Clownerie nicht billigen"

Jim Carrey erzählte Jahre später von einer Begegnung mit Jones in einem Restaurant. Sie ereignete sich am Abend vor den Dreharbeiten zu einer großen gemeinsamen Szene. Carrey entdeckte seinen Kollegen, ging zu ihm und begrüßte ihn.

Nach Carreys Darstellung verlor Jones beim Anblick seines Kollegen regelrecht die Farbe im Gesicht. Er stand auf, umarmte ihn und erklärte ihm anschließend, dass er ihn hasse und wirklich nicht leiden könne.

Als Carrey nach dem Grund fragte, soll Jones einen Satz geantwortet haben, der inzwischen zu den berühmtesten Geschichten über schwierige Hollywood-Dreharbeiten gehört: Er könne Carreys Clownerie nicht billigen.

Warum Jones eine derart starke Abneigung empfand, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Carrey vermutete, dass sein enormer Erfolg mit Dumm und Dümmer eine Rolle gespielt haben könnte. Regisseur Joel Schumacher berichtete später ebenfalls, dass Jones am Set nicht besonders freundlich zu Carrey gewesen sei und möglicherweise Schwierigkeiten mit dessen dominanter komödiantischer Präsenz gehabt habe.

Die Geschichte beruht vor allem auf Carreys Schilderung. Jones selbst hat seine Perspektive darauf nie ausführlich öffentlich erklärt. Von einer wirklichen langjährigen Feindschaft ist wenig bekannt. Als zugespitzte Hollywoodlegende wurde Jones dennoch zu Carreys vermeintlichem Todfeind – obwohl ihre Figuren im Film eigentlich Verbündete waren.

Der Widerspruch von Batman Forever

Jones’ Abneigung gegen Carreys übertriebene Spielweise erscheint umso kurioser, wenn man seine eigene Darstellung betrachtet. Sein Two-Face ist alles andere als zurückhaltend. Jones schreit, lacht, verdreht die Augen und spielt viele Szenen mit einer Energie, die Carreys Riddler kaum nachsteht.

Damit unterscheidet sich seine Version deutlich von späteren, düsteren Darstellungen der Figur. Batman Forever setzte bewusst auf grelle Farben, riesige Kulissen und überzeichnete Comicfiguren. Jones beteiligte sich vor der Kamera vollständig an diesem Stil – selbst wenn er Carreys Form der Clownerie hinter den Kulissen offenbar nicht billigen konnte.

Der Film wurde kommerziell erfolgreich, erhielt aber gemischte Kritiken. Heute gehört Jones’ Two-Face zu seinen ungewöhnlichsten Rollen, gerade weil sie seinem späteren Image als wortkarger und kontrollierter Schauspieler so deutlich widerspricht.

Der Mann, der keinen Humor haben sollte

1997 fand Jones eine Rolle, die viel besser zu seiner öffentlichen Persönlichkeit passte. In Men in Black spielte er Agent K, einen erfahrenen Mitarbeiter einer Geheimorganisation, die außerirdisches Leben auf der Erde überwacht.

Will Smith übernahm als Agent J den jungen, gesprächigen und impulsiven Partner. Die Komik des Films entstand aus dem Gegensatz zwischen Smiths Energie und Jones’ vollkommen unbewegter Miene. Anders als bei Jim Carrey musste Jones dabei nicht versuchen, die komödiantische Lautstärke seines Partners zu übertreffen. Seine Aufgabe bestand darin, möglichst wenig zu reagieren.

Agent K wurde zu einer seiner bekanntesten Figuren. Jones kehrte in Men in Black II und Men in Black 3 zurück. Besonders der erste Film zeigte, dass er selbst ein hervorragender Komödiant sein konnte – solange der Humor aus trockenen Bemerkungen, präzisem Timing und demonstrativer Genervtheit bestand.

Zwischen Blockbuster und Charakterdrama

In den 1990er-Jahren war Jones in zahlreichen großen Produktionen zu sehen. In Der Klient spielte er einen ehrgeizigen Staatsanwalt, in Natural Born Killers einen cholerischen Gefängnisdirektor und in Volcano einen Katastrophenschutz-Leiter, der Los Angeles vor einem Vulkanausbruch retten muss.

In Doppelmord verfolgte er als Bewährungshelfer Ashley Judds vermeintliche Mörderin. Space Cowboys brachte ihn mit Clint Eastwood, Donald Sutherland und James Garner zusammen. In Rules – Sekunden der Entscheidung spielte er einen Militäranwalt, der einen langjährigen Freund vor Gericht verteidigt.

Jones funktionierte dabei sowohl als Hauptdarsteller als auch als Nebendarsteller. Häufig verlieh er Filmen Autorität, ohne viel erklären zu müssen. Sein Gesicht transportierte Erfahrung, Müdigkeit und Misstrauen, noch bevor seine Figuren den ersten Satz gesprochen hatten.

Tommy Lee Jones als Regisseur

Jones beschränkte sich nicht auf die Schauspielerei. 1995 führte er erstmals bei dem Fernsehwestern The Good Old Boys Regie. Sein bedeutendstes Werk als Filmemacher folgte zehn Jahre später mit Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada.

Darin spielte Jones einen Rancher, der verspricht, die Leiche seines mexikanischen Freundes in dessen Heimat zurückzubringen. Nachdem ein Grenzpolizist den Mann erschossen hat, zwingt Jones’ Figur den Täter, ihn auf der Reise durch die Grenzregion zu begleiten.

Der Film beschäftigte sich mit Freundschaft, Schuld, Migration und dem schwierigen Verhältnis zwischen den USA und Mexiko. Jones gewann bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis als bester Darsteller. Das Drehbuch von Guillermo Arriaga wurde ebenfalls ausgezeichnet.

2014 inszenierte Jones den Western The Homesman. Neben ihm selbst spielten Hilary Swank, Meryl Streep und John Lithgow. Erneut erzählte Jones keine romantische Heldengeschichte, sondern zeigte den amerikanischen Westen als harten, einsamen und psychisch zerstörerischen Ort.

Eine neue Hochphase im Charakterkino

2007 spielte Jones zwei seiner stärksten späteren Rollen. In Im Tal von Elah verkörperte er einen Vater, der das Verschwinden seines aus dem Irakkrieg zurückgekehrten Sohnes untersucht. Für die zurückhaltende Darstellung erhielt er seine dritte Oscar-Nominierung.

Im selben Jahr trat er in No Country for Old Men als Sheriff Ed Tom Bell auf. Während Javier Bardems Auftragsmörder Anton Chigurh eine Spur der Gewalt durch Texas zieht, erkennt Bell, dass er die Welt um sich herum nicht mehr versteht.

Jones spielte den Sheriff nicht als klassischen Westernhelden. Bell ist müde, nachdenklich und zunehmend überzeugt, dass seine Erfahrung gegen die neue Form der Gewalt nicht ausreicht. Der Film der Coen-Brüder gewann vier Oscars, darunter den Preis als bester Film.

2012 verkörperte Jones in Steven Spielbergs Lincoln den Politiker und entschiedenen Sklavereigegner Thaddeus Stevens. Für die Rolle erhielt er seine vierte Oscar-Nominierung. Besonders eindrucksvoll war dabei die Mischung aus politischer Entschlossenheit, scharfem Humor und kontrollierter Wut.

Vom Comic-General bis in die Tiefen des Weltalls

Auch im höheren Alter blieb Jones in großen Produktionen präsent. In Captain America: The First Avenger spielte er Colonel Chester Phillips und bewies erneut sein Talent für trockene Einzeiler. In Jason Bourne übernahm er die Rolle des CIA-Direktors Robert Dewey.

2019 war Jones in Ad Astra – Zu den Sternen als verschollener Astronaut Clifford McBride zu sehen. Brad Pitt spielte dessen Sohn, der sich auf eine Reise durch das Sonnensystem begibt, um ihn zu finden. Jones hatte nur begrenzte Leinwandzeit, doch seine Figur bildete das emotionale Zentrum der Geschichte.

In Krieg der Bestatter spielte er 2023 an der Seite von Jamie Foxx den Bestattungsunternehmer Jeremiah O’Keefe, der sich gegen einen mächtigen Konzern zur Wehr setzt. Im selben Jahr war er außerdem im Krimidrama Finestkind zu sehen.

Auch mit 80 Jahren zieht sich Jones nicht vollständig aus der Schauspielerei zurück. Für die zweite Staffel der Neo-Noir-Serie The Lowdown wurde er an der Seite von Ethan Hawke verpflichtet.

Ein Hollywoodstar, der lieber in Texas lebt

Tommy Lee Jones hat sich nie besonders stark mit dem glamourösen Teil Hollywoods identifiziert. Er lebt überwiegend in Texas und besitzt beziehungsweise besaß mehrere Ranches. Eine davon diente als Drehort für Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada.

Neben Football begeistert er sich für Polo und spielte den Sport über viele Jahre selbst. Er unterstützte unter anderem den Polo-Club der Harvard University und besaß zeitweise ein Anwesen im für den Polosport bekannten Wellington in Florida.

Seit 2001 ist Jones mit der Fotografin Dawn Laurel verheiratet. Aus seiner vorherigen Ehe mit Kimberlea Cloughley stammen zwei Kinder. Über sein Privatleben spricht er nur selten.

Seine schwierige Beziehung zu Interviews

Jones’ Ruf als ernster und bisweilen schwieriger Gesprächspartner beschränkt sich nicht auf die Geschichte mit Jim Carrey. Journalisten berichten seit Jahrzehnten von knappen Antworten, langen Pausen und wenig Begeisterung für oberflächliche Fragen.

Auch Kollegen beschrieben ihn gelegentlich als fordernd. William H. Macy, der mit Jones in Der Klient spielte, bezeichnete die Zusammenarbeit rückblickend als schwierig. Gleichzeitig wird Jones für seine Vorbereitung, seine Intelligenz und seine professionelle Präzision respektiert.

Seine öffentliche Strenge bedeutet zudem nicht, dass ihm Humor fehlt. Viele seiner besten Rollen leben gerade davon, dass Jones exakt versteht, wie komisch ein vollkommen ernst gesprochener Satz sein kann. Er spielt selten aktiv auf eine Pointe hin. Er verhält sich, als sei er der einzige vernünftige Mensch in einer absurden Welt – und wird dadurch häufig zur lustigsten Figur des Films.

Von Al Gore bis Jim Carrey: Zwei Seiten eines ungewöhnlichen Lebens

Die Geschichten über Al Gore und Jim Carrey zeigen zwei sehr unterschiedliche Seiten von Tommy Lee Jones.

Mit Gore verbindet ihn eine jahrzehntelange Freundschaft, die an ihrem ersten Tag in Harvard begann. Als sein ehemaliger Mitbewohner für das höchste Amt der Vereinigten Staaten kandidierte, stellte sich Jones öffentlich hinter ihn und hielt dessen Nominierungsrede.

Bei Jim Carrey genügte dagegen offenbar schon dessen komödiantische Energie, um eine der deutlichsten Abneigungsbekundungen der Hollywoodgeschichte auszulösen. Selbst wenn der Begriff Todfeind übertrieben ist, wurde der Satz über Carreys Clownerie zu einer perfekten Zusammenfassung des öffentlichen Tommy-Lee-Jones-Images.

Der eine durfte vier Jahre lang mit ihm zusammenwohnen und blieb lebenslang mit ihm befreundet. Dem anderen teilte er mit, dass er ihn nicht leiden könne – ausgerechnet kurz bevor beide gemeinsam zwei der überdrehtesten Bösewichte der Batman-Geschichte spielten.

Ein Gesicht, das keine Erklärung braucht

Tommy Lee Jones hat nie wie ein klassischer Hollywoodstar gewirkt. Er brauchte weder jugendlichen Charme noch öffentlich inszenierte Nahbarkeit. Sein Kapital waren ein zerfurchtes Gesicht, eine unverwechselbare Stimme und die Fähigkeit, Autorität auszustrahlen, ohne sie laut einfordern zu müssen.

Er gewann einen Oscar, einen Emmy und einen Golden Globe, führte Regie, wurde in Cannes ausgezeichnet und prägte einige der bekanntesten Filme der vergangenen fünf Jahrzehnte. Dabei spielte er immer wieder Männer, die an Regeln glauben, auch wenn die Welt um sie herum längst chaotisch geworden ist.

An seinem 80. Geburtstag bleibt Tommy Lee Jones deshalb einer der unverwechselbarsten Schauspieler Hollywoods: Harvard-Absolvent, Footballspieler, Rancher, Regisseur, langjähriger Freund eines ehemaligen US-Vizepräsidenten – und der einzige Mensch, der Jim Carrey mit vollkommen ernstem Gesicht erklären konnte, dass er dessen Clownerie nicht billige.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....