Twitch stellt sein Bannsystem neu auf: "Verstoß richtet sich nach angerichtetem Schaden"

Künftig heißt eine Sperre auf Twitch womöglich nicht mehr, komplett ausgesperrt zu sein. Sondern nur teilweise?

Twitchs new suspension system
Twitch verabschiedet sich von pauschalen Sperren und setzt künftig auf ein gezielteres Sanktionsmodell. | © Casper Camille Rubin/ Unsplash

Twitch hat eine umfassende Überarbeitung seines Sperrsystems angekündigt. Künftig könnten Nutzer nicht mehr den Zugriff auf ihr gesamtes Konto verlieren, sondern nur noch auf bestimmte Funktionen der Plattform.

Twitch teilt Sperren künftig in Streaming- und Chat-Sanktionen auf.

Twitch wird künftig nicht mehr in jedem Fall automatisch vollständige Sperren verhängen. Eine Sanktion muss dann nicht mehr zwangsläufig den kompletten Ausschluss von der Plattform bedeuten. Stattdessen teilt Twitch sein Sanktionssystem in zwei Hauptkategorien auf: Streaming-Sperren und Chat-Sperren. Diese beiden Maßnahmen können unabhängig voneinander angewendet werden.

Eine Streaming-Sperre verhindert, dass ein Nutzer live gehen kann. Das Konto bleibt jedoch weiterhin zugänglich, und Zuschauer können den Kanal weiterhin finden und bestehende VODs ansehen. Eine Chat-Sperre hingegen entzieht die Möglichkeit, in anderen Streams Nachrichten zu senden. Nutzer können jedoch weiterhin selbst streamen und in ihrem eigenen Kanal kommunizieren.

Bei schwerwiegenderen Verstößen kann Twitch beide Arten von Sperren gleichzeitig verhängen. Besonders gravierende Fälle führen weiterhin zu einer vollständigen Sperre, also zum kompletten Verlust des Zugriffs auf die Plattform. Die Dauer der Sanktionen bleibt unverändert, temporäre Sperren können weiterhin bis zu 30 Tage andauern. Wiederholte Verstöße können zu Sperren von bis zu zwei Jahren führen.

In einer offiziellen Stellungnahme erklärte Twitch:

Die Schwere eines Verstoßes richtet sich nach dem Ausmaß des Schadens, den wir durch diesen Verstoß verursacht sehen oder der dadurch verursacht werden könnte. Als Schaden definieren wir Handlungen, die zu körperlichen, emotionalen, sozialen oder finanziellen Beeinträchtigungen eines Community-Mitglieds oder von Twitch führen.

Die zu Amazon gehörende Plattform ergänzte außerdem:

Wir haben ein internes Rahmenwerk entwickelt, das unsere Richtlinien verschiedenen Schadenskategorien zuordnet, die ähnlich behandelt werden. Am oberen Ende umfasst das Verstöße, die ein akutes Risiko für die körperliche Sicherheit darstellen. Am unteren Ende fallen Verstöße darunter, die weniger dringend sind und eher zu geringfügigen Störungen oder Unannehmlichkeiten führen.

Alle anderen Richtlinien, einschließlich der Nutzungsbedingungen, bleiben unverändert.

Zudem kündigte Dan Clancy separat an, dass es künftig keine Strafen mehr geben wird, wenn der Twitch-Chat mit Chats anderer Plattformen kombiniert wird.

Letztlich wird sich erst zeigen müssen, wie sich das neue Sperrsystem in der Praxis bewährt. Auf den ersten Blick wirken die Änderungen durchaus nachvollziehbar, schließlich landet nun nicht mehr jedes kleinere Vergehen direkt im Reich der Schatten. Bleibt nur zu hoffen, dass diejenigen, die es wirklich verdienen, am Ende trotzdem dort landen.

Luis Scharringhausen

Videospiele sind meine Leidenschaft, besonders Elden Ring. Nebenbei studiere ich Journalismus und schaue gerne Serien....