Umweltanwalt säubert zugemüllten Fluss – dafür drohen ihm nun zwei Jahre Gefängnis

Ein britischer Umweltanwalt will einen Fluss vom Müll befreien – die Behörde sieht darin ein strafbares Vergehen.

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Ein Umweltanwalt der anpackt – und damit die Behörden erzürnt. | © Instagram / paul.powelsland

Ein Fluss voller Müll. Jahrelang passierte kaum etwas. Dann nahm ein Mann die Sache selbst in die Hand – und deshalb will die Stadt ihn hinter Gitter bringen.

Jahre der Verschmutzung und ein Anwalt greift ein

Der Alders Brook, ein Nebenfluss des River Roding in Ostengland (Großbritannien), befand sich jahrelang in einem unzumutbaren Zustand. Abwässer, Dreck und Müll waren dorthin abgeleitet und abgeladen worden und hatten aus einem beschaulichen Fleckchen Natur eine Müllhalde gemacht, die von Tieren und Fischen gemieden wurde.

Der britische Umweltanwalt Paul Powlesland wollte dies nicht mehr mitansehen und organisierte gemeinsam mit Freiwilligen eine zehntägige Aufräumaktion. Nach wiederholter, erfolgloser Anfrage bei der Stadt, den Ort zu säubern, nahm er die Sache selbst in die Hand. Rund 200 Säcke voller Schlamm, Äste und Unrat wurden entfernt. Ein Abschnitt des Flusses, der über Jahre vernachlässigt worden war, bekam zum ersten Mal wieder eine echte Chance zur Erholung.

Nach Angaben Powleslands dauerte es nicht lange, bis sich erste Erfolge zeigten. Fische kehrten zurück, Libellen wurden wieder gesichtet und das Gewässer wirkte deutlich lebendiger als zuvor. Die gutgemeinte Aktion ging viral und für viele Anwohner war es der Beweis, dass engagierte Menschen etwas verändern können, wenn Behörden über Jahre untätig bleiben.

Doch genau diese Aktion könnte ihn nun teuer zu stehen kommen.

Zwei Jahre Haft für die Säuberung eines Flusses?

Die britische Umweltbehörde untersucht den Fall, weil für bestimmte Arbeiten an Flüssen eine Genehmigung erforderlich ist. Sie wies daraufhin, dass ein nichtgestatteter Eingriff juristische Konsequenzen nach sich ziehen könnte und drohte damit, dass das Gesetz dafür sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vorsieht.

Sie stellte die unerlaubte Säuberung sogar als Problem dar und argumentierte, dass es zu ungeahnten Konsequenzen kommen könnte: Die Behörde hatte laut Powlesland und seinen Unterstützern davor gewarnt, dass Eingriffe in das Flussbett das Hochwasserrisiko erhöhen könnten.

Powlesland argumentierte dagegen und als hätte Mutter Natur seinen Standpunkt unterstreichen wollen, schickte sie einen gewaltigen Platzregen. Denn als später starke Regenfälle über die Region zogen, trat nach der Schilderung des Anwalts genau das Gegenteil ein: Der gereinigte Flussabschnitt konnte die Wassermassen besser aufnehmen, das Wasser floss wieder freier ab und die befürchteten Überschwemmungen blieben dort aus. Für Powlesland gilt das als Bestätigung, dass die Maßnahme nicht nur der Natur geholfen, sondern auch die Widerstandsfähigkeit des Flusses verbessert habe. Eine unabhängige behördliche Bewertung dieses Zusammenhangs liegt bislang jedoch nicht vor.

Ziviler Ungehorsam – oder einfach Naturschutz?

Der Fall wirft deshalb eine grundsätzliche Frage auf: Was passiert, wenn Bürger Aufgaben übernehmen, die aus ihrer Sicht über Jahre liegen geblieben sind? Sollte jemand bestraft werden, der einen vermüllten Fluss von hunderten Säcken Abfall befreit und damit nach eigener Darstellung die ökologische Situation verbessert? Oder braucht es ausnahmslos Genehmigungen – selbst dann, wenn die Alternative jahrelanger Stillstand ist?

Niemand bestreitet, dass Eingriffe in Gewässer Regeln benötigen. Flüsse sind komplexe Ökosysteme und unüberlegte Arbeiten können Schäden verursachen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Behörden ausreichend zwischen rücksichtsloser Zerstörung und nachweislich gut gemeintem Umweltengagement unterscheiden – insbesondere, wenn sie selbst nie tätig werden.

Der Fall von Paul Powlesland ist deshalb längst mehr als ein Streit um eine Genehmigung. Er steht symbolisch für einen Konflikt, der viele Menschen beschäftigt: Wie viel Eigeninitiative ist erlaubt, wenn öffentliche Stellen ihrer Verantwortung aus Sicht der Bürger nicht gerecht werden?

Während weiter über mögliche Paragraphen diskutiert wird, bleibt ein Bild besonders eindrücklich: Ein vermüllter Fluss wurde sauberer, die Natur kehrte zurück – und der Mensch, der das möglich gemacht hat, muss sich nun gegen eine mögliche Strafverfolgung verteidigen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....