US-Präsident Donald Trump verspottet verstorbenen Mann nach Tiger-Unfall mit KI-Video

So brutal das echte Videos war, so geschmacklos ist die KI-Variante.

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So brutal das echte Videos war, so geschmacklos ist die KI-Variante. | © TikTok

Ein junger Mann klettert in ein Tigergehege. Das Tier bemerkt ihn, greift an und der Eindringlich stirbt. Die Geschichte und die dazugehörigen Bilder sind wohl an niemandem vorbeigegangen. Auch nicht am Präsidenten der USA, doch der Spott, mit dem dieser auf den Vorfall reagiert, sorgt für Empörung.

Was im Yorkshire Wildlife Park passiert ist

Am Samstag, dem 10. Oktober 2026, gelangte der 23-jährige William Chapman in das Tigergehege des Yorkshire Wildlife Park bei Doncaster in England. Dort wurde er von dem Amurtiger Altai angegriffen. Chapman erlitt tödliche Verletzungen und wurde noch am Ort des Geschehens für tot erklärt.

Nach dem Vorfall wurde der Tierpark evakuiert und vorübergehend geschlossen. Die zuständigen Behörden leiteten eine Untersuchung zu den Sicherheitsumständen ein. Der Park erklärte, dass der Tiger nicht eingeschläfert werde.

Chapmans Angehörige beschrieben ihn als klugen, warmherzigen und aufgeschlossenen jungen Menschen. Zugleich erklärten sie, dass er seit mehreren Jahren unter einer schweren psychischen Erkrankung gelitten habe. Ob und inwiefern seine Krankengeschichte mit seinem Tod zusammenhing, müsse die zuständige Untersuchungsinstanz klären. Warum er das Gehege betrat, sollte deshalb nicht vorschnell als Mutprobe oder bewusste Provokation dargestellt werden.

Zum aktuellen Zeitpunkt steht es also niemandem zu, in irgendeiner Form darüber zu erteilen, was Chapmans Beweggründe waren, auch nicht dem mächtigsten Mann der Welt – insbesondere, wenn dieser nichts als Häme für den Toten übrig hat.

Trump veröffentlicht Aufnahmen und eine KI-Inszenierung

Am Dienstag, dem 13. Oktober, nur drei Tage später, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social ein Video des Angriffs. Dazu schrieb er sinngemäß: "Leg dich niemals mit der Natur an!" und ließ nur kurze Zeit später einen per KI generierten Clip folgen, auf dem er selbst in einer ähnlichen Situation zu sehen ist, den Tiger jedoch niederringt und danach mit ihm schmust, während im Hintergrund das Lied The Lion Sleeps Tonight zu hören ist.

Später folgte ein offenbar KI-generierter Clip, der Trump selbst im Umgang mit einem Tiger zeigt: Er ringt mit dem Tier, bringt es unter Kontrolle und spielt anschließend mit ihm. Das Video ist mit dem Lied „The Lion Sleeps Tonight“ unterlegt.

Deutliche Kritik und ein Appell der Angehörigen

South Yorkshires Bürgermeister Oliver Coppard verurteilte Trumps Beitrag scharf. Er warf dem US-Präsidenten vor, den Vorfall und den Schmerz der Familie für einen billigen Lacher in den sozialen Medien zu benutzen. Auch Will Travers, Mitgründer der Tierschutzorganisation Born Free, kritisierte den Clip: Er vermittle ein unrealistisches Bild davon, wie Menschen mit gefährlichen Wildtieren umgehen könnten.

Chapmans Familie erklärte, die Verbreitung zutiefst verletzender Inhalte verursache ihr zusätzliches schweres Leid. Sie bat darum, entsprechende Aufnahmen nicht weiter zu teilen und ihre Privatsphäre während der Trauer zu respektieren.

Nicht die erste Geschmacksverirrung der Trump-Regierung

Geschmacklosigkeiten wie diese, sind nicht gerade selten unter Trump. Neben teils völlig absurden KI-Bildern und Clips, die der Präsident selbst teilt und die ihrerseits des Öfteren für Verwirrung und Spott sorgen, bekleckerten sich auch amerikanische Staatsorgane mit allem anderem als Ruhm, etwa, als sie das aggressive, problematische Vorgehen von ICE-Agenten mit einer Jagd nach wilden Pokémon verglichen oder eine Sammlung von Retro-Spielen veröffentlichte, die ebenfalls einen mehr als faden Beigeschmack hinterließen.

Sich davon überrascht zeigen, dürfen die Amerikaner dennoch nicht, schließlich sind viele von ihnen am Wahlerfolg Trumps beteiligt gewesen und wussten, als sie ihre Stimme abgaben genau, dass ihr Präsident genau die Sorte Mensch ist, die für einen müden Lacher auch den schrecklichen Tod eines psychisch kranken Mannes verspottet.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....