Viggo Mortensen wird 68: Zwischen Aragorn, Kritik am Irakkrieg und eigenen Gedichten

Längst hat der Schauspieler bewiesen, dass er viel, viel mehr ist, als "nur" Aragorn.

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Längst hat der Schauspieler bewiesen, dass er viel, viel mehr ist, als "nur" Aragorn. | © Concorde

Viggo Mortensen feiert heute, am 20. Oktober 2026, seinen 68. Geburtstag. Für Millionen Menschen bleibt er Aragorn aus Der Herr der Ringe. Doch seine Karriere reicht weit über Mittelerde hinaus: Mortensen ist Schauspieler, Regisseur, Fotograf, Dichter und Musiker. Auch als unabhängiger Verleger und mit politischen Stellungnahmen nutzt er die Aufmerksamkeit, die ihm sein Weltruhm verschafft hat.

Eine Kindheit zwischen mehreren Ländern

Viggo Peter Mortensen wurde am 20. Oktober 1958 in New York geboren. Sein Vater war Däne, seine Mutter Amerikanerin. Er verbrachte Teile seiner Kindheit in Venezuela, Argentinien und Dänemark, bevor er wieder in die USA zurückkehrte. Der Wechsel zwischen Sprachen und Kulturen gehörte für ihn früh zum Alltag.

Später studierte er an der St. Lawrence University und lebte zeitweise erneut in Dänemark. Schließlich entschied er sich für die Schauspielerei. Seine internationale Herkunft blieb dabei mehr als eine biografische Fußnote: Mortensen arbeitete später auch in spanischsprachigen Filmen und erklärte, dass ihn unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt bis heute interessieren.

Viele Jahre im Kino, bevor der große Durchbruch kam

1985 war Mortensen in Der einzige Zeuge an der Seite von Harrison Ford zu sehen. In den folgenden Jahren übernahm er zahlreiche weitere Rollen, unter anderem in Carlito’s Way, Crimson Tide – In tiefster Gefahr und Ein perfekter Mord.

Er gehörte zu den Schauspielern, deren Gesichter man wiedererkannte, ohne dass ihr Name bereits jedes Filmplakat dominierte. Häufig stand er neben bekannteren Stars vor der Kamera. Diese lange Phase gab ihm Gelegenheit, sehr unterschiedliche Figuren zu spielen, bevor eine einzige Rolle seine Karriere grundlegend veränderte.

Sein Sohn half ihm bei der Entscheidung für Aragorn

Mortensen war nicht die ursprüngliche Besetzung für Aragorn. Zunächst sollte Stuart Townsend den Waldläufer und späteren König spielen. Als Peter Jackson die Rolle neu besetzte, erhielt Mortensen kurzfristig das Angebot, nach Neuseeland zu kommen.

Er zögerte zunächst. Die aufwendigen Dreharbeiten würden viel Zeit beanspruchen, und mit Tolkiens Geschichte war er noch nicht vertraut. Sein Sohn Henry, der die Bücher kannte, ermutigte ihn jedoch, die Rolle anzunehmen. Es wurde die wichtigste Entscheidung seiner bisherigen Laufbahn.

Mit Der Herr der Ringe: Die Gefährten, Der Herr der Ringe: Die zwei Türme und Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs wurde Mortensen weltweit bekannt. Sein Aragorn verband Entschlossenheit mit Zweifeln und wirkte dadurch auch als große Heldenfigur menschlich.

Nach Mittelerde suchte er neue Herausforderungen

Mortensen hätte seinen Erfolg vor allem für weitere Abenteuerfilme nutzen können. Stattdessen übernahm er immer wieder Rollen, die das Publikum mit unangenehmen Fragen konfrontierten. Besonders prägend wurde seine Zusammenarbeit mit Regisseur David Cronenberg.

In A History of Violence spielte er einen Familienvater, dessen Vergangenheit sein scheinbar geordnetes Leben erschüttert. In Tödliche Versprechen – Eastern Promises bewegte er sich als undurchsichtiger Mann im Umfeld der russischen Mafia in London. Für diese Darstellung erhielt er 2008 seine erste Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller.

Später folgten weitere Nominierungen: 2017 für Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück und 2019 für Green Book – Eine besondere Freundschaft. Die Rollen könnten kaum unterschiedlicher sein – ein Vater, der seine Kinder abseits der Gesellschaft erzieht, und ein Fahrer, der einen schwarzen Pianisten durch die segregierten USA der 1960er-Jahre begleitet.

Als Regisseur erzählt er von Familie, Verlust und Gewalt

Mit Falling legte Mortensen 2020 sein Regiedebüt vor. Das Drama handelt von einem erwachsenen Sohn und seinem alternden Vater, dessen Demenz die ohnehin schwierige Beziehung zusätzlich belastet. Mortensen schrieb das Drehbuch und spielte selbst eine der Hauptrollen.

In seiner zweiten Regiearbeit The Dead Don’t Hurt wandte er sich dem Western zu. Im Zentrum steht eine Frau, gespielt von Vicky Krieps, die in einer von Gewalt und männlicher Macht geprägten Umgebung ihren eigenen Weg sucht. Mortensen übernahm erneut mehrere Aufgaben, darunter Regie, Drehbuch und eine Hauptrolle.

Beide Filme zeigen sein Interesse an Figuren, deren Beziehungen durch gesellschaftliche Erwartungen und persönliche Verletzungen geprägt sind. Er erzählt von Menschen, die einander nahestehen und trotzdem Schwierigkeiten haben, sich wirklich zu verstehen.

Fotografie, Gedichte und ein eigener Verlag

Abseits der Filmsets arbeitet Mortensen mit Bildern, Texten und Musik. Er fotografiert, malt, schreibt Gedichte und veröffentlicht musikalische Projekte. Diese Tätigkeiten sind ein eigenständiger Teil seiner Arbeit.

2002 gründete er Perceval Press. Der unabhängige Verlag widmet sich Kunst, kritischen Texten und Lyrik. Sein erklärtes Ziel ist es, auch Werke zu veröffentlichen, die andernorts möglicherweise keinen Platz finden würden.

Mortensen unterstützt damit andere Künstler und Autoren. Zugleich veröffentlicht er eigene Arbeiten. Die Bekanntheit aus dem Kino ermöglicht ihm, Aufmerksamkeit auf Projekte zu lenken, die mit großen Filmproduktionen wenig gemeinsam haben.

Deutliche Worte gegen den Irakkrieg

Mortensen äußert sich auch öffentlich zu politischen Fragen. Besonders deutlich positionierte er sich gegen die US-Invasion im Irak und die anschließende Besatzung. Er unterstützte die Antikriegsaktivistin Cindy Sheehan, deren Sohn im Irak getötet worden war, und besuchte sie während ihres Protests vor George W. Bushs Ranch in Texas.

Auch in Interviews spricht er über gesellschaftliche Spaltung und die Bedeutung, andere Perspektiven ernst zu nehmen. Seine internationale Kindheit beschrieb er dabei als wichtige Erfahrung: Unterschiedliche Sprachen und Lebensweisen waren für ihn zunächst selbstverständlich, später erkannte er darin ein Privileg.

Ein Weltstar mit vielen Ausdrucksformen

Zu Viggo Mortensens 68. Geburtstag bleibt Aragorn ein zentraler Teil seiner Geschichte. Die Rolle machte ihn weltberühmt und eröffnete ihm neue Möglichkeiten. Entscheidend ist jedoch auch, wie er diese Möglichkeiten nutzte.

Mortensen entwickelte sich zum vielfach ausgezeichneten Charakterdarsteller, verwirklichte eigene Filme und schuf Raum für unabhängige Kunst. Wer ihn nur als König von Gondor kennt, entdeckt hinter der vertrauten Figur einen Künstler, der seit Jahrzehnten nach unterschiedlichen Wegen sucht, Menschen und ihre Geschichten zu verstehen

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....