Vom Stalking zum Mordverdacht – WM-Alibi scheitert nach internationaler Fahndung

Der Fall zeigt auf tragische Weise, wie gefährlich Stalking werden kann und wie weit ein Verdächtiger offenbar bereit war zu gehen, um ein Alibi vorzubringen.

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Natalia Villalba, die Influencerin wurde Opfer eines grausamen Verbrechens. | © X

Die kolumbianische Influencerin Natalia Villalba wurde tot in ihrer Wohnung in Bogotá aufgefunden. Kurz darauf wurde ein Tatverdächtiger am Flughafen in Ecuador von Interpol und lokalen Behörden festgenommen. Der Brite, der als Hauptverdächtiger gilt, war bereits mehrfach wegen Stalkings und ähnlicher Delikte verurteilt worden. Noch vor seiner Festnahme hatte er sich an die Medien gewandt und erklärt, zur mutmaßlichen Tatzeit ein WM-Spiel in einer Bar verfolgt zu haben. Der Fall sorgte inzwischen international für Schlagzeilen und zeigt erneut, dass Stalking kein harmloses Delikt ist.

Ein WM-Spiel sollte ihm ein Alibi verschaffen

Der 46-jährige Brite Matthew Ashley Foster-Smith kontaktierte noch vor seiner Festnahme die Boulevardzeitung The Sun. Dabei behauptete er, zur mutmaßlichen Tatzeit das WM-Spiel zwischen England und Kroatien in einer irischen Bar gesehen zu haben. Zusätzlich beschrieb er den Ablauf seines restlichen Tages. Laut seiner Darstellung habe er anschließend noch ein Restaurant besucht, Zeit in einem Einkaufszentrum verbracht und sei Eis essen gegangen.

Foster smithmugshot BBC
Bei einer Verurteilung würde dies, Foster-Smiths schwerwiegendstes verbrechen jemals markieren. | © BBC

Die Ermittler halten das Alibi für unglaubwürdig. Kurz darauf erfolgte die Festnahme am Flughafen von Quito in Ecuador. An dem Zugriff waren Ermittler der ecuadorianischen und kolumbianischen Behörden sowie Beamte von Interpol beteiligt.

Die Ermittler werten das vorgebrachte Alibi als Schutzbehauptung. Dieses sorgte weltweit für Schlagzeilen, wodurch die eigentliche Tragödie beinahe in den Hintergrund rückte.

Die Gefahren von Stalking

Der Fall zeigt einmal mehr, dass Stalking kein Bagatelldelikt ist. Foster-Smith war bereits mehrfach wegen Stalkings verurteilt worden. Eine weitere Verurteilung betraf laut Berichten sogenanntes „Revenge Porn“ gegenüber einer ehemaligen Partnerin. Der Tatverdächtige war erst Anfang dieses Jahres aus dem Gefängnis entlassen worden.

Die Ermittler werfen ihm nun deutlich schwerwiegendere Straftaten vor. Stalking beginnt oftmals nicht mit körperlicher Gewalt, kann sich jedoch im schlimmsten Fall zuspitzen – wie Ermittler in diesem Fall vermuten. Genau deshalb werden die Gefahren, die von Stalking ausgehen können, häufig unterschätzt.

Internationale Fahndung endet am Flughafen

Der Verdächtige war offenbar gerade dabei, nach Europa auszureisen, als die Behörden zugriffen. Kolumbianische, ecuadorianische und britische Behörden sowie Interpol arbeiteten bei der Fahndung zusammen.

Die kolumbianischen Behörden ermitteln wegen des Verdachts auf schweren Femizid. Im Falle einer Verurteilung drohen nach kolumbianischem Recht mehrere Jahrzehnte Haft. Eine Auslieferung des Briten dürfte in naher Zukunft folgen.

Der Fall entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einer internationalen Ermittlung, die einem Kriminalfilm gleicht.

Die Ermittlungen dauern derzeit weiterhin an. Über die Schuld des Angeklagten entscheidet ausschließlich das zuständige Gericht. Der tragische Fall sorgt international für Schlagzeilen und stößt die Diskussion über Stalking weltweit erneut an.

Im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit steht derzeit das mutmaßliche WM-Alibi. Der eigentliche Kern der Geschichte ist jedoch ein anderer: Der Fall zeigt auf erschütternde Weise, dass Stalking weit mehr sein kann als aufdringliches Verhalten. Wenn Warnsignale ignoriert werden oder Täter wiederholt Grenzen überschreiten, können die Folgen im schlimmsten Fall verheerend sein. Ob dieser Fall tatsächlich in einem Femizid endete, muss das Gericht im weiteren Verfahren feststellen. Unabhängig davon rückt er die Gefahren von Stalking erneut in den Fokus der Öffentlichkeit.

Findet ihr auch, dass Stalking gesellschaftlich immer noch unterschätzt wird? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

Julian Mayorga
Julian Mayorga