Wie diese Influencerin die Trans-Community spaltet

Lilly Tino wird oft dafür kritisiert, sich als Opfer darzustellen, Fotos in öfffentlichen Toiletten zu machen und Transpersonen schlecht zu repräsentieren. Sie weist jedoch jegliche Schuld von sich.

Lilly Tino Instagram
Die kontroverseste trans-TikTokerin | © lillytino_ Instagram

Lilly Tino ist für ihre kontroversen Inhalte bekannt und wird beschuldigt, ein negatives Bild der Transgender-Community zu zeichnen. Sie selbst ist jedoch der Ansicht, dass jegliche Kritik auf Transphobie beruht und sieht ihr eigenes Verhalten nicht als Problem.

Wer ist Lilly Tino?

Lilly Tino oder Lilly Contino ist eine 33-jährige Trans-TikTokerin mit 445.000 Followern. Sie wurde bei ihrer Geburt als Nick Contino dem männlichen Geschlecht zugeordnet und vollzog 2022 ihre Transition.

Sie selbst gab an, dass ihre Berühmtheit auf LinkedIn begann, nachdem sie Anfang 2022 ein Coming-out-Foto von sich auf all ihren Social-Media-Kanälen veröffentlicht hatte, das viele Kommentare bekam. Obwohl es viel negative Aufmerksamkeit erregte, gefiel ihr die Reichweite. Sie sagte, sie habe die Dynamik genommen und das Ganze ausgenutzt.

Sie begann auf TikTok Videos zu posten, in denen sie sich als „Trans-Food-Kritikerin“ bezeichnete und verschiedene Restaurants besuchte, um deren Essen zu testen und zu bewerten. So weit, so gut. Ihr viraler Durchbruch gelang ihr mit einem Video, das sie Anfang 2023 veröffentlichte. Darin wird sie in einer Cheesecake Factory-Filiale von einer Frau mit dem falschen Geschlecht angesprochen. Die Frau verhielt sich äußerst transphob und belästigte die Influencerin. Nachdem das Video viral ging, erhielt Lilly viel Unterstützung aus der gesamten TikTok-Community. Es hat mittlerweile über 17 Millionen Aufrufe.

@lillytino_

A self-identified TERF (trans-exclusionary radical feminist) threatened me at the @cheesecake factory. I happened to be streaming at the time and caught the encounter on camera. This happened at the Union Square location in San francisco

original sound - lillytino

Kontroversen

Nachdem Lilly die Aufmerksamkeit, die virale Verbreitung und die Unterstützung für ihr erstes Video miterlebt hatte, versuchte sie immer wieder, die Situation nachzustellen. Sie filmte sich selbst in Restaurants und Cafés und fuhr Kellner und Restaurantangestellte an, wenn diese sie mit „Sir“ ansprachen. Sie sagte oft, es fühle sich an wie ein „Stich ins Herz“. Die Angestellten entschuldigten sich zwar immer, und einige boten sogar eine Entschädigung an, doch Lilly beschimpfte sie als transphob, gab sogar Essen zurück und hinterließ schlechte Bewertungen. Diese Videos brachten ihr mehr negative Aufmerksamkeit ein als die Unterstützung, die sie sich nach ihrem ersten Video erhofft hatte.

@lillytino_

USE GENDER NEUTRAL LANGUAGE

original sound - lillytino

Ein weiteres Video, das ihr viele verärgerte Zuschauer einbrachte, war eines, in dem sie erklärte, warum Kurt Cobain wahrscheinlich trans war, und ein anderes, in dem sie sich als Ms. Rachel verkleidete, um Kindern Trans-Themen beizubringen. Beide Videos verärgerten Menschen aus allen möglichen Communities, einschließlich der Trans-Community.

@lillytino_

Ms. Lilly teaches pronouns!

Kids & Toys - FASSounds

Besonders auffällig ist, dass Lilly ständig Videos veröffentlicht, in denen sie in der Öffentlichkeit über ihre geschlechtsangleichende Operation spricht und dabei Lebensmittel als Metaphern für Genitalien verwendet. Ein Beispiel: Sie erzählt ihrem Publikum, dass sie sich „die Cake Pops entfernen“ werde, während sie in einem Café in Disneyland, einem Freizeitpark für Kinder, Cake Pops in der Hand hält. Ein anderes Mal isst sie in Disneyland einen Corn Dog und sagt: „Ich werde meinen Corn Dog nehmen und ihn in … nun ja … einen umgedrehten Corn Dog verwandeln.“ Manchmal verwendet sie auch Früchte wie Orangen und Bananen und benutzt dabei eine kindgerechte Sprache. Einmal hörte eine Mutter dies, fühlte sich unwohl und erwähnte es in einer Restaurantreview in San Francisco.

@lillytino_

Thats a spicy tortellini

Italian Folk Dance - Benet Walsh/John Hymas

Lilly hat außerdem auf TikTok Videos veröffentlicht, in denen sie sich in Damentoiletten vor Spiegeln fotografiert und bewertet, wie „transfreundlich“ diese seien. Dies gilt in Amerika als Rechtsverstoß, und die Frauen, die auf diesen Fotos zu sehen sind, haben aus Datenschutzgründen um deren Entfernung gebeten.

Kritik

Lilly Tino hat aufgrund ihrer Videos viel negative Aufmerksamkeit erregt. Ein Großteil dieser Kritik kommt aus der Transgender-Community selbst. Viele sind der Ansicht, dass Lilly mit ihrem kontroversen Verhalten ein schlechtes Bild von Transmenschen zeichnet und ein schlechtes Beispiel gibt, das von rechtsgerichteten Aktivisten für ihre transphoben Zwecke missbraucht wird. Manche werfen ihr sogar vor, ihre Transidentität nur vorzutäuschen oder selbet ein rechtsgerichteter Troll zu sein, der sein Leben der Diffamierung von Transmenschen gewidmet hat.

Andere hingegen sind der Ansicht, dass Lilly tatsächlich transgender ist und die falsche Geschlechtszuordnung transphob sei. Sie sagen, sie sei nicht verantwortlich für das, was rechte Menschen mit ihren Inhalten anstellen.

Sie selbst sieht nicht ein, dass ihre Handlungen – wie die Beschreibung von Genitaloperationen in Disneyland in kindgerechter Sprache oder das Fotografieren in Damentoiletten – andere verunsichern, wie ihre Debatte mit Dean Withers zeigt. Sie behauptet, Aufklärungsmaterial zu Transgender-Themen zu erstellen und bezeichnet jede negative Äußerung, auch die, die nichts mit ihrer Transidentität zu tun haben, als transphob. Sie beteuert, nur gute Absichten zu haben.

Aber wenn sie wirklich gute Absichten hätte und ihre Inhalte nicht darauf abzielen würden, negative Aufmerksamkeit zu erregen und andere zu provozieren, warum macht sie dann weiter, nachdem sie kritisiert wurde und ihr die negativen Aspekte ihres Verhaltens bewusst gemacht wurden?

Es stimmt, dass transfeindliche Menschen diese Beispiele nutzen, um transphob zu sein, und das ist schrecklich. Und es stimmt auch, dass Menschen, die nicht glauben, dass sie als Frau durchgeht, sie absichtlich falsch gendern, was tatsächlich transphob ist. (Nur weil man jemanden nicht mag, muss man ihn und seine Identität nicht so respektlos behandeln.) Aber es gibt hier auch viel berechtigte Kritik. Es geht nicht darum, dass in der Nähe von Kindern über Transgender-Themen spricht oder über geschlechtsangleichende Operationen aufklärt, sondern darum, dass sie in der Öffentlichkeit und in Anwesenheit von Kindern über Genitalien spricht. Es geht auch nicht darum, dass sie als Transperson Damentoiletten benutzt, sondern darum, dass sie dort – in einem geschützten Ort – Fotos macht. Es geht auch nicht darum, dass sie sich unwohl fühlt, weil sie falsch angesprochen wird, sondern darum, dass sie das Servicepersonal in Verlegenheit bringt, sich als Opfer inszeniert und die ganze Sache für Klicks übertreibt. Jeder, der so etwas tun würde, würde kritisiert werden – unabhängig davon, ob er trans ist oder nicht.

Schon ihre Entstehungsgeschichte verdeutlicht ihre Einstellung zu negativer Aufmerksamkeit: Es ist immer noch Aufmerksamkeit und bringt ihr Klicks. Wahrscheinlich macht sie deshalb immer wieder kontroverse Videos. Weil die Leute ihnen Aufmerksamkeit schenken – und es ist ihr egal, welche Art von Aufmerksamkeit sie bekommt, solange sie Klicks und Geld generiert. Deshalb gestaltet sie ihre Inhalte so, wie sie es am besten kann: durch Kontroversen

Nora Weirich

Schon als Kind hat Noras Vater ihre Begeisterung für Videospiele und alles was damit zu tun hat geweckt. Dazu kommt eine viel zu hohe Bildschirmzeit, weshalb sie so gut wie alles mitbekommt, was online so passiert und eine Vorliebe für das Schreiben, die sie durch ihr Philosophiestudium entdeckt hat. So kann sie all ihre Leidenschaften bei Earlygame verwirklichen....