Armors Pfeil von KI gesteuert? – Ist es "wahre Liebe", wenn die Maschine sie per Dating App vorgibt?

Der Gründer von Hinge arbeitet an einer neuen Dating-App, bei der künstliche Intelligenz eine deutlich größere Rolle spielt


Overto ne
Die App soll Menschen verkuppeln, mit Hilfe von KI. | © overto.ne

Mit Tinder oder Hinge suchen Nutzer ihre Matches zumindest noch selbst aus. Die neue Dating-App Overtone des Hinge-Gründers Justin McLeod könnte das grundlegend verändern.

Das Projekt setzt auf künstliche Intelligenz, Sprachtechnologie und Erkenntnisse aus der Beziehungsforschung, um möglichst kompatible Partner zusammenzubringen. Was zweifellos einen neuen Ansatz im Bereich Dating-Apps darstellt, sorgt gleichzeitig bei vielen Nutzern für Bedenken.

Für einige klingt eine KI, die den perfekten Partner auswählt, eher nach einer Folge von Black Mirror als nach einer App für das Smartphone.

Overtone ist im Grunde Hinge – nur mit deutlich mehr KI

Overtone soll mithilfe von KI sowie Sprach- und Audioelementen arbeiten, um „bessere“ Matches zu liefern. Inzwischen sind bereits mehrere Millionen Dollar in das Projekt geflossen, es handelt sich also keineswegs um eine kleine Idee am Rande.

Der spannendste Punkt ist jedoch, dass Dating-Apps die Entscheidungen ihrer Nutzer schon heute stark beeinflussen. Zwar wirkt es, als würde man sein Gegenüber selbst auswählen, tatsächlich stecken dahinter jedoch komplexe Algorithmen und zahlreiche Filter, die passende Vorschläge vorsortieren. McLeods Vision besteht darin, diesen Prozess mithilfe künstlicher Intelligenz weiter zu optimieren.

Das Projekt wurde 2025 zunächst innerhalb von Hinge entwickelt und soll später als eigenständiges Unternehmen weitergeführt werden. Der Hinge-Gründer betont dabei immer wieder, dass KI das Dating verbessern, aber nicht ersetzen solle.

Wo liegt die Grenze zwischen Unterstützung und zu viel Einfluss?

Hinge selbst funktioniert bereits stark kuratiert. Im Mittelpunkt stehen nicht endloses Swipen, sondern die Profile und ihre individuellen Inhalte. Außerdem gibt es schon heute KI-gestützte Funktionen wie die „Convo Starters“, die Nutzern dabei helfen sollen, ein Gespräch zu beginnen und das Eis zu brechen. Auch andere Features zeigen, dass Dating-Apps längst gezielt mit Kontext und sozialer Bewertung arbeiten.

Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob eine KI den Partner auswählt, sondern vielmehr: Wie viel Unterstützung ist in Ordnung, bevor sie problematisch wird?

Hinzu kommen Fragen zum Datenschutz und möglichen Vorurteilen in den Algorithmen. Schließlich müsste eine KI enorme Mengen persönlicher Informationen auswerten – von Gesprächen und Interessen bis hin zu Verhaltensmustern und, im Fall von Overtone, sogar zur eigenen Stimme. Kritiker befürchten, dass Nutzer dadurch noch mehr intime Daten preisgeben müssten als bei klassischen Dating-Apps.


Außerdem sind Algorithmen nicht automatisch objektiv. Experten warnen seit Jahren davor, dass Empfehlungssysteme bestehende gesellschaftliche Vorurteile übernehmen und in manchen Fällen sogar verstärken können. Bestimmte Nutzergruppen könnten dadurch aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens oder ihres sozialen Hintergrunds unbewusst benachteiligt werden.

Genau darin sehen viele das eigentliche Problem. Trotz aller Algorithmen entscheidet man bei klassischen Dating-Apps am Ende immer noch selbst, wen man kennenlernen möchte. KI könnte künftig jedoch deutlich stärker beeinflussen, welche Menschen uns überhaupt vorgeschlagen werden – und damit indirekt auch, in wen wir uns verlieben.

Wie viel Einfluss sollte KI auf unsere Partnersuche wirklich haben? Schließlich verändern Algorithmen und künstliche Intelligenz Dating-Apps schon seit Jahren.

Da bleibt nur noch die Frage, ab wann es Dating Plattformen für die KI selbst gibt. Roboterhochzeiten gibt es inzwischen ja auch schon.

Würdet ihr einer KI die Wahl eures Partners überlassen oder geht euch das einen Schritt zu weit? Schreibt es uns in die Kommentare

Julian Mayorga
Julian Mayorga