Bud Spencer kennen wir alle, doch Carlo Pedersoli – der Mann hinter der Figur – ist noch so viel mehr.
Am heutigen 27. Juni 2026 jährt sich der Tod von Bud Spencer zum zehnten Mal. Für viele bleibt er bis heute der Mann mit dem Dampfhammer-Schlag, dem mürrischen Blick und dem erstaunlich warmen Herzen.
Dabei war Bud Spencer eigentlich nur eine von vielen Identitäten in einem Leben, das fast zu groß klingt, um wahr zu sein: Carlo Pedersoli war Schwimmer, Olympiateilnehmer, Wasserballer, Schauspieler, Sänger, Komponist, Pilot, Unternehmer, Erfinder, Autor – und irgendwann eben der bärbeißige Filmheld, den in Deutschland ganze Generationen mit Bohnenpfannen, Ohrfeigen und Terence Hill verbinden. Geboren wurde er am 31. Oktober 1929 in Neapel, gestorben ist er am 27. Juni 2016 in Rom im Alter von 86 Jahren.
Bevor er Bud Spencer wurde, war er Carlo Pedersoli
Bevor Carlo Pedersoli überhaupt ans Kino dachte, war er ein ernstzunehmender Sportler. 1950 schwamm er als erster Italiener die 100 Meter Freistil unter einer Minute. Seine offizielle Website nennt dafür eine Zeit von 59,50 Sekunden am 19. September 1950. Bis zum Ende seiner Schwimmkarriere wurde er siebenmal italienischer Meister bei den Erwachsenen und gewann zusätzlich nationale Staffeltitel. Außerdem nahm er 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne an den Olympischen Spielen teil.
Allein das wäre eigentlich schon genug für ein normales Leben. Bei Pedersoli war es nur Kapitel eins. Nach seiner Sportkarriere ging er nach Südamerika, arbeitete in Venezuela am Bau der Panamericana, später für Alfa Romeo in Caracas und kehrte Ende der 1950er-Jahre nach Rom zurück. 1960 heiratete er Maria Amato, mit der er drei Kinder bekam. Nebenbei komponierte er in den 1960er-Jahren neapolitanische Folk- und Popsongs für RCA und gründete später eine eigene Produktionsfirma für Dokumentationen und Werbung.
Wie aus Carlo Pedersoli Bud Spencer wurde
Der Künstlername entstand 1967 fast aus einer Marketing-Notwendigkeit. Für den Western Gott vergibt – Django nie! suchte Regisseur Giuseppe Colizzi einen körperlich imposanten Darsteller. Pedersoli passte perfekt, wollte aber für diesen vermeintlich kleinen Cowboyfilm nicht unbedingt unter seinem echten Namen auftreten. Also wählte er einen amerikanisch klingenden Namen: Bud wegen Budweiser und Spencer wegen Schauspieler Spencer Tracy. So wurde aus Carlo Pedersoli Bud Spencer.
In Gott vergibt – Django nie! stand er zum ersten Mal als Duo in einer Hauptrolle mit Terence Hill vor der Kamera. Aus heutiger Sicht wirkt das fast wie ein Zufall mit Ansage: Zwei italienische Schauspieler mit englischen Künstlernamen, ein harter Western, später neue Synchronfassungen, neue Titel – und plötzlich entsteht daraus eines der beliebtesten Filmduos Europas.
Bud Spencer und Terence Hill: Zwei Fäuste, ein Lebensgefühl
Der endgültige Durchbruch kam mit den Westernkomödien Die rechte und die linke Hand des Teufels und Vier Fäuste für ein Halleluja. Besonders Vier Fäuste für ein Halleluja wurde in Deutschland riesig: Laut Spencer-Hill-Datenbank sahen ihn 1972 rund 11,3 Millionen Menschen in den deutschen Kinos; mit der Wiederaufführung kamen später noch einmal fast eine Million dazu.
Das Erfolgsrezept war eigentlich simpel, aber schwer zu kopieren. Terence Hill war der schnelle, grinsende, freche Trickser. Bud Spencer war der große, schwere, genervte Mann, der aussah, als wolle er einfach nur in Ruhe essen – bis ihn jemand so lange nervte, bis der berühmte Hammer-Schlag von oben kam. Aus Gewalt wurde Slapstick, aus Prügeleien wurden Choreografien, und aus Western wurden Familienfilme, die man gefühlt immer irgendwo im Fernsehen erwischte.
Später folgten Klassiker wie Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle, Zwei wie Pech und Schwefel, Zwei außer Rand und Band, Zwei sind nicht zu bremsen, Das Krokodil und sein Nilpferd, Vier Fäuste gegen Rio und Die Miami Cops. Insgesamt spielten Spencer und Hill in 18 Filmen gemeinsam; ihr Mix aus Abenteuerkomödie, Western-Parodie, Sprüchen und Prügelhumor begeistert bis heute Fans.
Warum Bud Spencer gerade in Deutschland Kult wurde
In Deutschland wurde Bud Spencer nicht nur wegen der Filme zum Kult, sondern auch wegen der Synchronisation. Die deutschen Fassungen machten aus vielen Szenen noch mal etwas Eigenes: frecher, absurder, manchmal komplett anders getaktet als das Original. Deshalb fühlen sich Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Filme hierzulande fast wie ein eigenes Genre an. Man schaut sie nicht nur wegen der Story, sondern wegen der Sprüche, der Stimmen, der Geräusche und dieses ganz speziellen Gefühls, dass gleich jemand durch eine Holztür fliegt und danach trotzdem alles irgendwie okay ist.
Wie lebendig dieser Kult bis heute ist, zeigte zuletzt das Spencer-Hill-Festival in Ilmenau: 2025 kamen laut Veranstaltern mehr als 15.000 Fans, mit Filmvorführungen, Filmmusik, Bohnenwettessen, Kostümwettbewerben und allem, was dazugehört. Das ist schon ziemlich absurd – aber auf die beste Art. Zehn Jahre nach seinem Tod wird Bud Spencer also nicht nur erinnert, sondern weiter gefeiert.
Mehr als nur Ohrfeigen: Pilot, Unternehmer, Erfinder
Was bei Bud Spencer oft untergeht: Er war nicht einfach nur Schauspieler. Nach den Dreharbeiten zu Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle machte er seinen Pilotenschein und wurde später professioneller Pilot. Seine offizielle Website nennt über 2.000 Flugstunden mit Flugzeugen und rund 500 Stunden mit Hubschraubern. 1981 gründete er außerdem die Fluggesellschaft Mistral Air.
Dazu kamen Musik, Bücher und Erfindungen. Pedersoli schrieb und sang Songs, veröffentlichte Autobiografien und besaß laut offizieller Website insgesamt zwölf Patente, darunter kuriose Ideen wie einen Spazierstock mit eingebautem Tisch und Stuhl sowie eine Einwegzahnbürste mit integrierter Zahnpasta. Das klingt ein bisschen wie eine Figur aus einem Bud-Spencer-Film – nur war es eben wirklich sein Leben.
Politisches und soziales Engagement
Politisch trat Bud Spencer öffentlich eher spät in Erscheinung. 2005 kandidierte er in Latium für Silvio Berlusconis Partei Forza Italia, blieb dabei aber erfolglos. TIME beschrieb diesen Ausflug in die Politik später als kurzen und nicht erfolgreichen Versuch. Auch das passt irgendwie zu ihm: ein Mann, der in seinem Leben wirklich alles ausprobierte, aber nicht in jeder Rolle bleiben musste.
Sozial war sein öffentliches Bild deutlich stärker von Warmherzigkeit geprägt als von klassischem Aktivismus. Bud Spencer spielte zwar oft den brummigen Haudrauf, aber fast immer mit einem klaren moralischen Kompass: Er schlug nach oben, beschützte Schwächere, stellte sich gegen Gier, Gemeinheit und Ausbeutung. Gerade deshalb funktionierten seine Figuren so gut. Sie waren keine makellosen Helden, sondern Männer mit Appetit, Müdigkeit, schlechter Laune – und einem ziemlich großen Herz.
Auch im echten Leben blieb dieses Bild haften. Seine Familie teilte nach seinem Tod mit, dass er friedlich gegangen sei; TIME berichtete damals, er sei schmerzlos in Rom gestorben. In vielen Nachrufen wurde aus dem Prügelhelden deshalb vor allem der sanfte Riese: jemand, der laut wirken konnte, aber bei vielen Fans vor allem Geborgenheit ausgelöst hat.
Warum Bud Spencer 2026 noch immer funktioniert
Bud Spencer ist kein nostalgischer Zufall. Seine Filme funktionieren bis heute, weil sie ein sehr einfaches Versprechen geben: Am Ende bekommen die Richtigen eins auf die Mütze, niemand nimmt sich zu ernst, und irgendwo steht immer ein Teller Bohnen bereit. Das ist kein realistisches Kino, aber vielleicht genau deshalb so tröstlich.
Am 27. Juni 2026, zehn Jahre nach seinem Tod, bleibt Bud Spencer eine dieser seltenen Popkultur-Figuren, die mehrere Generationen gleichzeitig abholen. Für die einen ist er Kindheit. Für andere Sonntagnachmittag-Fernsehen. Für wieder andere ein Meme, ein Festival, ein Tattoo, ein Bohnenwettessen oder einfach der Typ, der mit einem einzigen Schlag mehr geregelt hat als andere mit zwanzig Dialogseiten.
Carlo Pedersoli hat als Sportler Rekorde gebrochen, als Schauspieler ein Genre geprägt und als Bud Spencer etwas geschafft, das viel schwerer ist als jede Filmprügelei: Er wurde zur Erinnerung, die Menschen bis heute gemeinsam zum Lachen bringt.
