Zum 99. Geburtstag von Roger Moore: Der Bond, dem die Frauen zu jung und die Pistolen zu laut waren

Waffen und junge Frauen – zwei Stützpfeiler der Figur des Bonds hatten keinen Platz im Leben des Schauspielers.

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Auf der Leinwand Geheimagent, im Leben für Kinder im Einsatz: Roger Moore. | © United Artists

Ein kurzer Blick, eine hochgezogene Augenbraue und ein Spruch, der selbst die größte Gefahr plötzlich weniger bedrohlich wirken ließ: Roger Moore brauchte keine finstere Miene, um als James Bond zu überzeugen. Am 14. Oktober 2026 wäre der Schauspieler 99 Jahre alt geworden. Sein Geburtstag ist ein guter Anlass, auf einen Star zurückzublicken, dessen Geschichte weit über sieben Auftritte als 007 hinausgeht.

Denn der Mann, der im Kino mit einer Lizenz zum Töten unterwegs war, setzte seine Bekanntheit später vor allem für Kinder ein. Und während sein berühmtestes Alter Ego selbstverständlich zur Pistole griff, waren Moore selbst Schusswaffen ausgesprochen unangenehm.

Seine wichtigste Mission führte ihn nicht ins Kino

Wer Roger Moores Lebenswerk allein an seinen Bond-Filmen misst, übersieht einen großen Teil davon. 1991 wurde er UNICEF-Botschafter und blieb dem Kinderhilfswerk bis zu seinem Tod verbunden. Den Anstoß zu diesem Engagement gab ihm Audrey Hepburn, die sich ebenfalls für UNICEF einsetzte.

Moore besuchte Hilfsprojekte, warb um Unterstützung und nutzte öffentliche Auftritte, um Kinderrechte ins Gespräch zu bringen. Dabei ging es um Probleme, die sich nicht mit einer spektakulären Actionszene lösen ließen: Krankheiten, Ausbeutung und fehlende medizinische Versorgung.


Für seinen humanitären Einsatz wurde er 2003 von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. Hinter dem Namen Sir Roger Moore stand damit mehr als eine Auszeichnung für einen berühmten Schauspieler. Sie würdigte auch die Arbeit, die er fernab von Filmsets und Premieren leistete.

Bevor er 007 wurde, war er längst ein Fernsehstar

Roger George Moore kam am 14. Oktober 1927 in London zur Welt. Der Sohn eines Polizisten sammelte zunächst Erfahrungen in kleinen Filmrollen und absolvierte eine Schauspielausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art. Der große Erfolg kam allerdings nicht sofort auf der Kinoleinwand.

In der Serie Simon Templar fand Moore in den 1960er-Jahren eine Rolle, die hervorragend zu ihm passte: ein eleganter Abenteurer, der mit Köpfchen und Charme durchs Leben ging. Später bildete er mit Tony Curtis das ungleiche Duo in Die 2. Als die Bond-Produzenten ihn verpflichteten, war sein Gesicht dem Publikum deshalb schon bestens vertraut.

Auch vieles von dem, was seinen Geheimagenten später auszeichnen sollte, war bereits da. Moore konnte souverän auftreten und gleichzeitig erkennen lassen, dass er den ganzen Auftritt mit einem gewissen Vergnügen betrachtete.

Ein Bond, der auch über sich selbst lachen konnte

Mit Leben und sterben lassen begann 1973 seine Zeit als James Bond. Moore versuchte dabei nicht, Sean Connerys Interpretation einfach fortzuführen. Er gab der Figur einen eigenen Ton: weniger schroff, dafür spielerischer und mit deutlich mehr Raum für trockenen Humor.

Ob in Der Spion, der mich liebte, Moonraker – Streng geheim oder Octopussy: Sein Bond bewegte sich durch absurde Situationen, als gehörten sie zum ganz normalen Arbeitstag. Gerade diese Gelassenheit machte ihn unverwechselbar. Bei Moore durfte das Publikum über die Abenteuer des Geheimagenten auch lachen.

Zwischen 1973 und 1985 spielte er die Rolle in sieben Filmen der offiziellen Eon-Reihe. Damit prägte er für eine ganze Generation das Bild von 007. Sein letzter Einsatz war Im Angesicht des Todes.

Die Pistole gehörte zur Rolle, die Begeisterung dafür nicht

So selbstverständlich Moore auf der Leinwand bewaffnet auftrat, so wenig behagten ihm Waffen im wirklichen Leben. In seinen Erinnerungen führte er seine Abneigung unter anderem auf einen Vorfall in seiner Jugend zurück: Ein Freund hatte ihm mit einem Luftdruckgewehr ins Bein geschossen.

Auch laute Knallgeräusche machten ihm zu schaffen. Das gehörte zu den Eigenheiten des Schauspielers, die man seinem scheinbar unerschütterlichen Geheimagenten kaum angesehen hätte.

Moore äußerte sich zudem kritisch über die Härte mancher Bond-Szenen. Besonders die Gewalt in Im Angesicht des Todes ging ihm teilweise zu weit. Das passt zu seiner Darstellung: Der Reiz seines Bond lag häufig im Wortwechsel, in der absurden Rettung aus höchster Gefahr oder in einem beiläufigen Kommentar.

Er wusste, wann seine Bond-Zeit vorbei war

Bei seinem letzten Bond-Film war Moore 57 Jahre alt. Der wachsende Altersabstand zu seinen Filmpartnerinnen wurde ihm zunehmend unangenehm, wie er später selbst erklärte. Eine Rolle, die ihn weltweit berühmt gemacht hatte, passte irgendwann nicht mehr zu seinem eigenen Lebensgefühl.

Nach zwölf Jahren endete seine Zeit als 007. Sein Humor blieb ihm ebenso erhalten wie die Fähigkeit, über das eigene Starimage zu lachen. Und mit seinem Einsatz für UNICEF fand er eine Aufgabe, die ihn über Jahrzehnte beschäftigte.


Roger Moore starb am 23. Mai 2017 im Alter von 89 Jahren. Zu seinem 99. Geburtstag bleibt natürlich der Bond in Erinnerung, der selbst im größten Chaos noch einen trockenen Spruch parat hatte. Genauso verdient aber der Mensch dahinter Aufmerksamkeit: ein Schauspieler, der seinen Ruhm nutzte, um Kindern Gehör zu verschaffen.

Seine Filme machten ihn weltberühmt. Was er mit dieser Bekanntheit anfing, gehört ebenso zu seinem Vermächtnis.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....