Vom fliegenden Mann mit Cape zu einem Helden im echten Leben.
Heute, am 10. Oktober 2026, jährt sich Christopher Reeves Tod zum 22. Mal. Für Millionen Menschen bleibt er der Superman ihrer Kindheit. Nach einem schweren Reitunfall setzte er seine Bekanntheit für Menschen mit Lähmungen und die Erforschung von Rückenmarksverletzungen ein. Zu denen, die ihm in seiner schwersten Zeit zur Seite standen, gehörte sein langjähriger Freund Robin Williams – mit einem Krankenhausbesuch, den Reeve nie vergessen sollte.
Der Schauspieler hinter dem roten Umhang
Christopher D’Olier Reeve wurde am 25. September 1952 in New York geboren. Schon früh zog es ihn auf die Bühne. Er studierte an der Cornell University und erhielt seine Schauspielausbildung an der renommierten Juilliard School. 1976 spielte er am Broadway an der Seite von Katharine Hepburn.
Der weltweite Durchbruch folgte 1978 mit Superman unter der Regie von Richard Donner. Reeve machte die Doppelrolle zum Erlebnis: Als Clark Kent wirkte er verlegen und unbeholfen, als Superman aufrecht, ruhig und selbstsicher. Oft genügten eine andere Körperhaltung und ein veränderter Blick, um aus demselben Menschen zwei völlig verschiedene Figuren zu machen.
Bis 1987 spielte er den Helden in vier Filmen. Daneben suchte er bewusst andere Rollen, etwa in der Zeitreise-Romanze Ein tödlicher Traum, dem Thriller Das Mörderspiel und dem Drama Was vom Tage übrig blieb. Er wollte als Schauspieler mehr zeigen, als das berühmte Kostüm zuließ.
Der Reitunfall der alles veränderte
Am 27. Mai 1995 stürzte Reeve bei einem Reitwettbewerb in Virginia. Der erfahrene Reiter wurde aus dem Sattel geworfen und erlitt schwere Verletzungen im Bereich der oberen Halswirbelsäule und des Rückenmarks. Danach war er vom Hals abwärts gelähmt und auf Unterstützung bei der Atmung sowie umfangreiche Pflege angewiesen.
Der Unfall veränderte seinen Alltag und den seiner Familie grundlegend. Reeve musste sich mit einer Zukunft auseinandersetzen, die plötzlich kaum noch etwas mit seinem bisherigen Leben als sportlich aktiver Schauspieler gemeinsam hatte. Die erste Zeit war von Angst, Unsicherheit und großer Verzweiflung geprägt.
Eine zentrale Stütze war seine Frau Dana, die er 1992 geheiratet hatte. Reeve erinnerte sich später daran, wie viel ihm ihre Versicherung bedeutete, dass er weiterhin derselbe Mensch sei und sie ihn liebe. Auch seine drei Kinder Matthew, Alexandra und Will sowie enge Freunde halfen ihm, sich in dieser neuen Lebenssituation zurechtzufinden.
Mehr als ein Schauspielkollege
Reeve und Robin Williams lernten sich 1973 an der Juilliard School kennen. Sie waren Mitbewohner und wurden enge Freunde. Ihre gemeinsame Begeisterung für Theater und Schauspiel verband sie, obwohl sie sehr unterschiedlich auftraten: Williams sprühte vor spontanen Einfällen, Reeve wirkte konzentrierter und zurückhaltender.
Die Freundschaft hielt auch, als beide berühmt wurden. Aus den jungen Schauspielstudenten wurden zwei Stars mit ganz eigenen Karrieren. Für ihre Verbindung spielte das keine entscheidende Rolle. Reeves Familie beschrieb sie später als eine Bruderschaft, getragen von gegenseitigem Respekt, ihrer Liebe zur Kunst und vor allem vom gemeinsamen Lachen.
Der russische Arzt, der in Wahrheit Robin Williams war
Nach dem Unfall lag Reeve im Krankenhaus, als sich die Tür öffnete und ein vermeintlicher Arzt hereinkam. Er trug eine blaue OP-Haube, einen gelben Operationskittel und eine Brille. Mit russischem Akzent erklärte der Besucher, er sei Proktologe und müsse Reeve sofort untersuchen.
Unter der Verkleidung steckte Robin Williams. Statt seinem Freund mit einer vorbereiteten Trostrede zu begegnen, verwandelte er das Krankenzimmer für einen Moment in eine absurde Szene. Reeve schilderte den Besuch später in seiner Autobiografie Immer noch ich – Mein zweites Leben.
Die Wirkung war für ihn enorm, denn zum ersten Mal seit dem Unfall musste er lachen. In seiner Erinnerung gab ihm der Besuch das Gefühl zurück, dass es trotz allem irgendwie weitergehen könnte. Williams konnte seine Verletzung nicht ändern. Aber er erreichte seinen Freund in einem Moment, in dem Angst und Verzweiflung alles zu bestimmen schienen.
Dass dies weit mehr als eine schöne Anekdote war, bestätigte später Reeves Sohn Will. Er erinnerte daran, wie verlässlich Williams und dessen damalige Frau Marsha für die Familie da waren. Die Unterstützung erschöpfte sich nicht in diesem einen Krankenhausbesuch. Sie gehörte zu einer Freundschaft, die bis zu Reeves Tod Bestand hatte.
Eine öffentliche Stimme für Forschung und Selbstbestimmung
Nach der Rehabilitation nutzte Reeve seine Bekanntheit, um auf die Lebensbedingungen von Menschen mit Lähmungen aufmerksam zu machen. Er warb für mehr Forschung zu Rückenmarksverletzungen und setzte sich politisch für die Förderung der Stammzellenforschung ein.
Gemeinsam mit Dana engagierte er sich zugleich für praktische Unterstützung im Alltag. Die heutige Christopher & Dana Reeve Foundation verbindet Forschungsförderung mit dem Ziel, die Lebensqualität von Betroffenen und ihren Familien zu verbessern. 1999 kamen Reeves Stiftung und die American Paralysis Association unter einem gemeinsamen Dach zusammen. Nach Danas Tod 2006 wurde ihr Name in den Stiftungsnamen aufgenommen.
Dabei ging es nicht allein um die Hoffnung auf künftige Behandlungsmöglichkeiten. Ebenso wichtig waren Beratung, Versorgung und die Möglichkeit, mit einer Behinderung selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Auch im echten Leben ein Superheld
Auch seine künstlerische Arbeit setzte Reeve fort. 1997 führte er bei In der Abenddämmerung Regie. In der Neuverfilmung von Das Fenster zum Hof übernahm er 1998 die Hauptrolle. Später trat er in Smallville als Dr. Virgil Swann auf und schlug damit eine Verbindung zwischen seiner Superman-Generation und einer neuen.
Am 10. Oktober 2004 starb Christopher Reeve im Alter von 52 Jahren. Die Dokumentation Super/Man: The Christopher Reeve Story zeichnete 2024 sein Leben mit privaten Aufnahmen und Erinnerungen seiner Familie und Freunde nach.
Zu seinem Vermächtnis gehört die berühmte Filmfigur ebenso wie sein Einsatz für andere und die Beziehungen, die ihn getragen haben. Der Besuch von Robin Williams bringt einen besonders persönlichen Teil davon auf den Punkt: In einer Situation, für die es keine einfachen Trostworte gab, kannte ein Freund den Weg, ihm für einen Moment das Lachen zurückzugeben.
