Zum Tod von Rip Torn: Als der Leiter des wichtigsten Geheimdienst der Welt mit einem Hammer um sich schlug

Er hat nicht nur den coolsten Namen aller Zeiten, er leitete einen Alien-Geheimdienst und schlug einen Kollegen mit einem Hammer...

Rip Torn 01 Moviepilot
Mit so einem Namen kann man wirklich alles tragen. | © Moviepilot

Heute jährt sich der Todestag von Rip Torn zum siebten Mal. Der US-Schauspieler starb am 9. Juli 2019 im Alter von 88 Jahren in Lakeville, Connecticut. Geboren wurde er am 6. Februar 1931 in Temple, Texas, als Elmore Rual Torn Jr. Doch seien wir ehrlich: Kaum ein Künstlername klingt so sehr nach Actionfigur, Westernheld und Abrissbirne in einer Person wie "Rip Torn".

Wobei der Name nicht einfach nur ein Hollywood-Gag war. Rip war ein Familienname, der in seiner Familie schon über Generationen weitergegeben wurde. Trotzdem wirkt er bis heute fast zu perfekt, um wahr zu sein. Viele Fans sagen deshalb bis heute: Rip Torn trug vielleicht den coolsten Namen der Filmgeschichte. Und das Beste daran ist, dass seine Karriere diesem Namen ziemlich gerecht wurde.

Ein Charakterkopf statt klassischer Hollywood-Star

Rip Torn war nie der glatte Leading Man, der nur gut aussehen und charmant lächeln musste. Er war ein Schauspieler mit Kanten. Einer, der in jeder Szene so wirkte, als könnte gleich etwas komplett Unberechenbares passieren. Genau das machte ihn so besonders.

Seine Karriere begann auf der Bühne und im Fernsehen, bevor er sich über Jahrzehnte als einer der markantesten Charakterdarsteller Hollywoods etablierte. Torn spielte in Dramen, Komödien, Science-Fiction-Filmen und Serien. Für Cross Creek wurde er sogar für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Später gewann er einen Emmy für seine Rolle als Produzent Artie in Die Larry Sanders Show.

Gerade diese Rolle zeigte perfekt, was Torn konnte: Er spielte Artie nicht einfach als lauten TV-Macher, sondern als alten Showbusiness-Haudegen, der jeden Trick kennt, jede Krise schon einmal gesehen hat und trotzdem immer noch gefährlich wach wirkt. Torn hatte diese seltene Mischung aus Autorität, Witz und leichter Bedrohlichkeit.

Der Chef des größten Geheimdienstes der Filmgeschichte

Für viele bleibt Rip Torn aber vor allem als Zed aus Men in Black unvergessen. Als Chef der geheimen Organisation MIB stand er über Agent J und Agent K und leitete damit im Grunde den wohl größten Geheimdienst der Filmgeschichte: eine Behörde, die nicht nur Menschen überwacht, sondern gleich den gesamten außerirdischen Verkehr auf der Erde kontrolliert.

Während Will Smith und Tommy Lee Jones in Men in Black die meiste Action bekamen, war Torn als Zed der Mann im Hintergrund, der so wirkte, als hätte er schon alles gesehen. Aliens, Weltuntergänge, galaktische Krisen, geheime Waffen, absurde Bürokratie: Zed blieb meistens trocken, genervt und komplett souverän.

Genau deshalb funktionierte die Rolle so gut. Rip Torn spielte den Chef der MIB nicht wie einen Superhelden, sondern wie einen alten Behördenleiter, dessen Alltag zufällig daraus besteht, die Erde vor außerirdischem Chaos zu bewahren. Das machte ihn fast noch cooler.

Zwischen Kultrollen und Chaos-Energie

Auch abseits von Men in Black blieb Torn ein Schauspieler, den man sofort wiedererkannte. Er trat unter anderem in Dodgeball – Voll auf die Nüsse, Rendezvous im Jenseits, Marie Antoinette und Der Mann, der vom Himmel fiel auf. Dabei war er nie einfach nur Beiwerk. Selbst in kleineren Rollen brachte Torn eine Präsenz mit, die Szenen sofort schärfer machte.

Sein Spiel hatte oft etwas Raues. Er konnte witzig sein, aber selten harmlos. Er konnte bedrohlich wirken, ohne laut zu werden. Und er konnte Figuren spielen, die so aussahen, als hätten sie schon drei Leben hinter sich und würden trotzdem noch einen letzten Streit anfangen, nur um zu sehen, wer gewinnt.

Der berüchtigte Maidstone-Hammer-Vorfall

Zu Rip Torns Legende gehört allerdings auch eine der wildesten Geschichten des amerikanischen Independent-Kinos: der sogenannte Maidstone-Hammer-Vorfall.

Bei den Dreharbeiten zu Norman Mailers experimentellem Film Maidstone kam es zu einer Szene, die bis heute berüchtigt ist. Torn spielte in dem Film eine Figur, die Mailers Charakter angreifen sollte. Doch die Grenze zwischen Schauspiel, Improvisation und echter Eskalation verschwamm komplett. Torn schlug Mailer mit einem Hammer auf den Kopf, Mailer ging auf ihn los, die beiden rangen miteinander, und Mailer biss Torn ins Ohr.

Das Ganze wurde gefilmt und landete im Film. Es ist eine dieser Szenen, bei denen man kaum glauben kann, dass sie wirklich passiert ist. Nicht, weil Hollywood so etwas geplant hätte, sondern weil es genau nach dem Gegenteil aussieht: nach einem Moment, in dem ein Film plötzlich seine Kontrolle verliert.

Der Vorfall passte auf seltsame Weise zu Rip Torns Image. Er war kein Schauspieler, der nur sicher und sauber funktionierte. Torn brachte immer eine gewisse Gefahr mit. Man wusste nie ganz, ob er gerade nur spielt oder ob die Szene gleich wirklich explodiert.

Ein Schauspieler, der nicht glattgebügelt wurde

Genau diese Unberechenbarkeit machte Rip Torn nicht nur faszinierend, sondern auch schwierig. Er hatte eine lange, erfolgreiche Karriere, aber auch ein Image als streitbarer, impulsiver Charakter. In einer Branche, die Stars gerne kontrollierbar und vermarktbar macht, war Torn immer ein Gegenentwurf.

Er war nicht glatt. Er war nicht austauschbar. Und er war garantiert nicht langweilig. Selbst wenn man seinen Namen nicht sofort kannte, erkannte man sein Gesicht, seine Stimme und diese besondere Energie, die er in Rollen brachte.

Mehr als nur ein Name

Sieben Jahre nach seinem Tod bleibt Rip Torn eine dieser Hollywood-Figuren, die größer wirken als ihre reine Filmografie. Natürlich war er Zed aus Men in Black. Natürlich war er Artie aus Die Larry Sanders Show. Natürlich war er der Mann aus der irren Maidstone-Geschichte. Aber er war vor allem ein Schauspieler, der jede Rolle mit einer Wucht gespielt hat, die man nicht trainieren kann.

Rip Torn klang wie ein Name, den man sich für eine übertriebene Filmfigur ausdenken würde. Nur dass er echt war. Und genau das war vielleicht das Passendste an ihm: Sein Name war legendär, aber seine Präsenz war es auch.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....