Als jugendlicher testete er Grenzen aus, als Schauspieler sprengte er sie.
Am 16. September 2025 starb Robert Redford im Alter von 89 Jahren in seinem Zuhause in Sundance, Utah. Ein Jahr nach seinem Tod bleibt er nicht nur als einer der größten Filmstars seiner Generation in Erinnerung. Redford war Schauspieler, Regisseur, Förderer des unabhängigen Films und ein leidenschaftlicher Kämpfer für Umwelt und Gesellschaft. Dabei begann sein Weg alles andere als geradlinig.
Ein Jugendlicher, der ständig Grenzen austestete
Charles Robert Redford Jr. wurde am 18. August 1936 in Santa Monica, Kalifornien, geboren und wuchs überwiegend im damaligen Vorort Van Nuys auf. Schon als Jugendlicher galt er als talentierter Sportler, aber auch als ausgesprochen rebellisch. Schule und Regeln interessierten ihn deutlich weniger als Baseball, Kunst und Abenteuer.
Redford erzählte später, dass er damals für einen Dollar sogar nackt auf Fahnenmasten geklettert sei. Hinzu kamen nächtliche Autorennen, Alkoholexzesse und kleinere Konflikte mit dem Gesetz. So soll er unter anderem Radkappen gestohlen und sich unerlaubt Zugang zu fremden Swimmingpools verschafft haben.
Auch beruflich lief es zunächst nicht besser. Nachdem er bereits seinen Job als Aushilfe in einem Supermarkt verloren hatte, vermittelte ihm sein Vater eine Stelle bei Standard Oil. Dort arbeitete der junge Redford auf einem kalifornischen Ölfeld – und wurde erneut entlassen.
Die Erfahrung in der Ölindustrie blieb dennoch haften. Redford erlebte früh den Gegensatz zwischen den Versprechen großer Konzerne und den sichtbaren Folgen der Rohstoffförderung. Jahrzehnte später bezeichnete er diese Zeit als einen der Ursprünge seines Umweltbewusstseins.
Das kurze und wilde Studentenleben
1954 begann Redford ein Studium an der University of Colorado in Boulder. Aufgrund seines sportlichen Talents erhielt er finanzielle Unterstützung und spielte Baseball. Doch statt sich auf den Unterricht zu konzentrieren, verbrachte er einen großen Teil seiner Zeit mit Alkohol, Motorrädern und Partys.
Nach rund eineinhalb Jahren verlor er seine Unterstützung und musste die Universität verlassen. Der Tod seiner Mutter, die bereits 1955 gestorben war, verstärkte seine Orientierungslosigkeit zusätzlich. Redford brach mit seinem bisherigen Leben auf und reiste durch Europa.
In Paris und Florenz versuchte er sich als Maler, lebte zeitweise mit wenig Geld und setzte sich intensiv mit Kunst, Politik und der europäischen Nachkriegszeit auseinander. Nach seiner Rückkehr in die USA studierte er am Pratt Institute in New York zunächst Malerei. Über Umwege kam er schließlich zur Schauspielerei und besuchte die American Academy of Dramatic Arts.
Vom Broadway zum neuen Gesicht Hollywoods
Ende der 1950er-Jahre stand Redford erstmals auf einer Broadway-Bühne. Es folgten zahlreiche Auftritte in Fernsehserien. Seinen Durchbruch am Theater feierte er 1963 mit Neil Simons Barfuß im Park. Vier Jahre später spielte er dieselbe Rolle in der erfolgreichen Kinoverfilmung an der Seite von Jane Fonda.
Zum internationalen Star wurde Redford 1969 durch Butch Cassidy und Sundance Kid. Gemeinsam mit Paul Newman prägte er einen neuen Typus des Hollywood-Helden: charmant und selbstbewusst, gleichzeitig ironisch, widersprüchlich und nicht immer gesetzestreu.
Die Chemie zwischen Redford und Newman funktionierte wenige Jahre später erneut. Für Der Clou erhielt Redford 1974 seine einzige Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller. Der Film gewann insgesamt sieben Oscars und wurde zu einem der größten Erfolge seiner Karriere.
Mehr als der blonde Hollywood-Star
Redford wurde schnell zum Sexsymbol der 1970er-Jahre. Mit diesem Image konnte er sich jedoch nie vollständig identifizieren. Er wollte nicht nur als gut aussehender Hauptdarsteller wahrgenommen werden und suchte gezielt nach Filmen mit politischen, gesellschaftlichen oder moralischen Konflikten.
In Der Kandidat spielte er einen idealistischen Politiker, der sich zunehmend den Mechanismen des Wahlkampfs unterwirft. Die drei Tage des Condor machte staatliche Macht und Geheimdienststrukturen zum Thema. In Die Unbestechlichen verkörperte Redford den Journalisten Bob Woodward, der gemeinsam mit Carl Bernstein die Watergate-Affäre aufdeckte.
Auch romantische Stoffe wurden durch ihn zu Klassikern. Dazu zählen So wie wir waren mit Barbra Streisand und Jenseits von Afrika mit Meryl Streep. Weitere bekannte Filme waren Der große Gatsby, Der elektrische Reiter, Brubaker und Der Unbeugsame.
Der Oscar kam hinter der Kamera
Während ihm der reguläre Schauspiel-Oscar verwehrt blieb, gewann Redford die wichtigste Auszeichnung seiner Karriere als Regisseur. Sein Regiedebüt Eine ganz normale Familie wurde 1981 mit vier Oscars ausgezeichnet, darunter als bester Film. Redford selbst erhielt den Oscar für die beste Regie.
Auch in seinen späteren Regiearbeiten beschäftigte er sich häufig mit Schuld, Moral und den Widersprüchen der amerikanischen Gesellschaft. Zu seinen bekanntesten Filmen hinter der Kamera gehören Aus der Mitte entspringt ein Fluss und Quiz Show.
2002 erhielt Redford einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk. 2016 verlieh ihm Barack Obama die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten.
Sundance veränderte das amerikanische Kino
Redfords vielleicht größter Einfluss auf die Filmwelt fand abseits seiner eigenen Rollen statt. 1981 gründete er das gemeinnützige Sundance Institute. Junge Filmschaffende sollten dort die Möglichkeit erhalten, unabhängig von den großen Hollywood-Studios an ihren Projekten zu arbeiten.
Aus diesem Umfeld entwickelte sich das Sundance Film Festival zu einer der wichtigsten Plattformen des internationalen Independent-Kinos. Zahlreiche Regisseure, Schauspieler und Autoren erhielten dort entscheidende Impulse für ihre Karrieren.
Redford setzte damit eine Überzeugung in die Praxis um, die sein gesamtes Leben prägte: Geschichten durften nicht ausschließlich danach beurteilt werden, wie leicht sie sich vermarkten ließen. Sie sollten unbequem sein, neue Perspektiven eröffnen und Menschen eine Stimme geben, die im klassischen Studiosystem kaum gehört wurden.
Politisches und soziales Engagement
Redford verstand sich selbst nicht als Berufspolitiker. Dennoch bezog er über Jahrzehnte deutlich Stellung. Er setzte sich für Bürgerrechte, die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen, die LGBTQ-Community und einen unabhängigen Journalismus ein.
Als Produzent und Erzähler unterstützte er unter anderem die Dokumentation Zwischenfall in Oglala über den inhaftierten Aktivisten Leonard Peltier und die Konflikte zwischen der US-Regierung und dem American Indian Movement.
Politisch stand Redford überwiegend progressiven Positionen nahe. Er unterstützte demokratische Präsidentschaftskandidaten, kritisierte Donald Trump scharf und sprach sich 2020 öffentlich für Joe Biden aus. Dabei handelte er nicht ausschließlich entlang von Parteigrenzen und unterstützte in Utah vereinzelt auch republikanische Kandidaten, mit denen er persönliche oder inhaltliche Gemeinsamkeiten sah.
Ein Leben für den Schutz der Natur
Am stärksten war Redfords Engagement im Umwelt- und Klimaschutz. Seit 1975 gehörte er dem Kuratorium des Natural Resources Defense Council an. Über fünf Jahrzehnte setzte er seine Bekanntheit für den Schutz öffentlicher Landschaften, für saubere Energie und gegen umweltschädliche Großprojekte ein.
Er kämpfte gegen den Bau von Kohlekraftwerken, gegen die Keystone-XL-Pipeline und für den Erhalt weiter Teile der Landschaft Utahs. Außerdem sprach er vor dem US-Kongress und den Vereinten Nationen über Klimawandel, Wasserknappheit und die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Sein Engagement war eng mit seiner Liebe zum amerikanischen Westen verbunden. Bereits in den 1960er-Jahren ließ er sich mit seiner Familie in Utah nieder. Später kaufte er dort ein Skigebiet und gab ihm den Namen Sundance – nach seiner berühmtesten Westernrolle. Für Redford war die Region nicht bloß ein Rückzugsort, sondern der Mittelpunkt seines künstlerischen und politischen Lebens.
Persönliche Verluste hinter dem öffentlichen Erfolg
Hinter seiner Karriere lagen schwere persönliche Schicksalsschläge. Redford und seine erste Ehefrau Lola Van Wagenen verloren 1959 ihren wenige Monate alten Sohn Scott. 2020 starb ihr Sohn James Redford im Alter von 58 Jahren an Krebs. James hatte als Dokumentarfilmer gearbeitet und sich wie sein Vater für gesellschaftliche und ökologische Themen engagiert.
Redford und Van Wagenen hatten insgesamt vier Kinder. Nach dem Ende der Ehe fand er mit der deutschen Künstlerin Sibylle Szaggars eine neue Partnerin. Das Paar heiratete 2009 in Hamburg und engagierte sich gemeinsam dafür, mit Kunst auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen.
Seine letzten Jahre vor der Kamera
Auch im hohen Alter blieb Redford künstlerisch aktiv. In All Is Lost trug er nahezu allein einen ganzen Film und spielte einen Segler, der wortlos gegen den Tod kämpft. Für Marvel übernahm er in Captain America: The Return of the First Avenger überraschend die Rolle des undurchsichtigen Alexander Pierce.
2017 stand er für Unsere Seelen bei Nacht noch einmal gemeinsam mit Jane Fonda vor der Kamera. Zwei Jahre später verabschiedete er sich mit Ein Gauner & Gentleman scheinbar von seinen großen Hauptrollen. Ganz aus der Öffentlichkeit zog er sich jedoch nie zurück.
Robert Redford starb an dem Ort, den er am meisten liebte
Am 16. September 2025 starb Robert Redford im Schlaf in seinem Haus in Sundance. Er wurde 89 Jahre alt und war in seinen letzten Stunden von Menschen umgeben, die ihm nahestanden. Eine konkrete Todesursache wurde nicht öffentlich genannt.
Heute, an seinem ersten Todestag, steht sein Name weiterhin für einige der größten Filme des amerikanischen Kinos. Sein Vermächtnis reicht jedoch weit über seine Rollen hinaus. Sundance gibt unabhängigen Künstlern weiterhin eine Bühne, während die von ihm unterstützten Umweltorganisationen seine jahrzehntelange Arbeit fortsetzen.
Robert Redford war nicht nur ein Hollywood-Star. Er war ein Rebell, der aus seinen frühen Niederlagen eine Haltung entwickelte – und seinen Erfolg nutzte, um Filme, Menschen und Ideen zu fördern, die ohne ihn vielleicht nie eine Chance bekommen hätten.
