Er prägte Hollywood und besonders James Bond wie wenig andere, doch seine Legacy hat auch ihre Risse,
Als Sean Connery am 31. Oktober 2020 starb, verlor das Kino einen seiner unverwechselbarsten Darsteller. Er wurde 90 Jahre alt. Heute, sechs Jahre später, steht sein Name weiterhin für den Geheimagenten im Smoking, aber ebenso für einen scharfsinnigen Mönch, einen unbequemen Polizisten und den Vater von Indiana Jones. Sein Weg dorthin begann mit Milchlieferungen, körperlicher Arbeit und einem Nebenjob als Aktmodell. Die Erinnerung an seine Karriere verlangt allerdings auch einen Blick auf jene Seiten seiner Biografie, die schlecht zum Bild des souveränen Gentleman passen.
Ein Abschied fern der schottischen Heimat
Connery starb in seinem Haus auf den Bahamas. Seine Familie berichtete, er sei friedlich im Schlaf gestorben. Seine Ehefrau Micheline Roquebrune machte anschließend öffentlich, dass er in seinen letzten Lebensjahren an Demenz gelitten hatte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich längst aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Das Publikum kannte vor allem die vertrauten Bilder aus seinen Rollen: den kontrollierten Blick, die markante Stimme und eine Präsenz, mit der er eine Szene bestimmen konnte, ohne sich besonders anzustrengen.
Seine Verbindung zu Schottland blieb bis zuletzt bestehen. Ein Teil seiner Lebensgeschichte führte um die Welt, sein öffentliches Selbstverständnis blieb jedoch das eines Schotten aus einfachen Verhältnissen.
Bevor Hollywood ihn kannte
Thomas Sean Connery wurde am 25. August 1930 im Edinburgher Viertel Fountainbridge geboren. Sein Vater Joseph arbeitete unter anderem als Lastwagenfahrer, seine Mutter Euphemia als Reinigungskraft. Luxus war in seiner Kindheit weit entfernt.
Schon als Junge verdiente Connery mit Milchlieferungen Geld. Mit 16 Jahren ging er zur Royal Navy. An diese Zeit erinnerten später zwei Tätowierungen: eine Widmung an seine Eltern und das Bekenntnis „Scotland Forever“.
Sein Dienst endete aus gesundheitlichen Gründen. Wegen eines Zwölffingerdarmgeschwürs wurde er mit 19 Jahren entlassen. Zurück im zivilen Leben nahm er unterschiedliche Arbeiten an, darunter Tätigkeiten als Fahrer, Bademeister und Sargpolierer.
Auch am Edinburgh College of Art verdiente er Geld. Dort stand er für Kunststudierende Modell, einschließlich Aktposen. Sein trainierter Körper eröffnete ihm damit berufliche Möglichkeiten, lange bevor die Filmindustrie auf ihn aufmerksam wurde.
Über Bodybuilding auf die Bühne
Connery beschäftigte sich intensiv mit Krafttraining und nahm an Bodybuilding-Wettbewerben teil. Im Umfeld eines Wettbewerbs in London erfuhr er von einem Vorsprechen für das Musical South Pacific. Er bekam einen Platz im Ensemble.
Die Bühne wurde zum Ausgangspunkt eines neuen Berufs. Eine klassische Schauspielausbildung hatte Connery nicht. Er eignete sich vieles selbst an, las Literatur, arbeitete an seiner Stimme und lernte von erfahrenen Kollegen. Der Schauspieler Robert Henderson ermutigte ihn dabei, seine Möglichkeiten ernst zu nehmen.
Auch eine Laufbahn im Fußball hatte zeitweise im Raum gestanden. Connery spielte unter anderem für Bonnyrigg Rose. Nach einer häufig erzählten Geschichte soll Manchester-United-Trainer Matt Busby ihm sogar einen Vertrag angeboten haben. Connery entschied sich für die Schauspielerei, die ihm eine längerfristige Perspektive versprach.
Es folgten kleinere Rollen im Theater, im Fernsehen und im Kino. Seine körperliche Erscheinung und sein schottischer Akzent passten nicht zu jeder Besetzungsvorstellung. Was zunächst ein Hindernis sein konnte, wurde später zu seinem besonderen Kapital.
Der Mann, der James Bond ins Kino brachte
Für die erste Kinoverfilmung der Bond-Romane suchten die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman einen Darsteller, der Eleganz und glaubhafte Gefährlichkeit verbinden konnte. Connery war dafür keine selbstverständliche Wahl. Auch Autor Ian Fleming begegnete der Besetzung zunächst skeptisch.
Regisseur Terence Young half ihm, das weltmännische Auftreten der Figur zu entwickeln. Kleidung, Bewegungen und Umgangsformen wurden Teil einer Darstellung, die unter der gepflegten Oberfläche immer auch Härte erkennen ließ.
Mit James Bond 007 jagt Dr. No kam 1962 der erste Bond-Kinofilm heraus. Connery machte aus dem Agenten einen Mann, der charmieren, spotten und im nächsten Moment töten konnte. Diese Verbindung gab der Figur ihre Spannung.
Es folgten Liebesgrüße aus Moskau, Goldfinger, Feuerball und Man lebt nur zweimal. Aus einer erfolgreichen Besetzung wurde innerhalb weniger Jahre der Maßstab für eine ganze Filmreihe.
Der Erfolg wurde ihm zu eng
Für Connery hatte die weltweite Bekanntheit einen Preis. Er wollte als Schauspieler wahrgenommen werden und fühlte sich zunehmend auf den Geheimagenten reduziert. Nach Man lebt nur zweimal gab er die Rolle zunächst ab.
1971 kehrte er für Diamantenfieber zurück. Seine hohe Gage verband er mit einem Anliegen außerhalb des Kinos: Er unterstützte den von ihm mitgegründeten Scottish International Education Trust, der Schotten bei ihrer Aus- und Weiterbildung fördern sollte.
Ein endgültiger Abschied war auch dieser Film nicht. In Sag niemals nie spielte er 1983 ein letztes Mal 007. Die Produktion entstand außerhalb der Eon-Reihe und griff die Geschichte von Feuerball erneut auf. Insgesamt verkörperte Connery Bond in sieben Kinofilmen.
Dass er die Figur mehrfach verließ und dennoch zu ihr zurückkehrte, zeigt das komplizierte Verhältnis zwischen einem Darsteller und seiner berühmtesten Rolle. Bond hatte ihm Möglichkeiten eröffnet, drohte aber zugleich, alle anderen Leistungen zu überdecken.
Eine zweite Karriere mit anderen Stärken
Schon während der Bond-Jahre suchte Connery andere Aufgaben, etwa in Alfred Hitchcocks Marnie. Später zeigte er in Der Mann, der König sein wollte an der Seite seines Freundes Michael Caine und in Robin und Marian mit Audrey Hepburn weitere Facetten.
Mit zunehmendem Alter veränderte sich sein Rollenprofil. Er musste nicht länger der elegante junge Held sein. Seine Autorität funktionierte nun als Erfahrung, Eigensinn oder gelegentlich auch als Selbstironie.
Besonders deutlich wurde das 1986 in Der Name der Rose. Als William von Baskerville untersuchte Connery rätselhafte Todesfälle in einem mittelalterlichen Kloster. Die Spannung seiner Darstellung entstand hier aus Beobachtungsgabe, Skepsis und geistiger Beweglichkeit.
Im selben Jahr spielte er in Highlander – Es kann nur einen geben den Lehrmeister Ramírez. Die beiden Rollen hätten äußerlich kaum unterschiedlicher sein können. Beide profitierten jedoch davon, dass Connery einer Figur mit wenigen Mitteln Gewicht verleihen konnte.
Der Oscar kam als Nebendarsteller
In Brian De Palmas The Untouchables – Die Unbestechlichen übernahm Connery den erfahrenen Polizisten Jim Malone. An der Seite von Kevin Costners Eliot Ness brachte er Härte und einen trockenen Humor in den Kampf gegen Al Capone.
Für diese Leistung erhielt er 1988 den Oscar als bester Nebendarsteller. Es blieb sein einziger Academy Award. Die Auszeichnung bestätigte, dass seine Karriere längst ein eigenes Gewicht jenseits von 007 entwickelt hatte.
Es folgten weitere prägende Auftritte. In Indiana Jones und der letzte Kreuzzug machte er aus dem Vater des Abenteuerhelden einen gelehrten, eigensinnigen Gegenpart zu Harrison Ford. Jagd auf Roter Oktober nutzte dagegen erneut seine Fähigkeit, Entschlossenheit und schwer lesbare Absichten miteinander zu verbinden.
Die problematische Seite des Gentleman-Images
Eine Würdigung Connerys bleibt unvollständig, wenn sie seine Aussagen über Gewalt gegen Frauen ausspart. In Interviews erklärte er, eine Ohrfeige könne unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sein. Solche Äußerungen waren keine bloße Filmrolle, sondern öffentlich vertretene Ansichten.
Hinzu kamen Vorwürfe seiner ersten Ehefrau Diane Cilento, die ihm körperliche Übergriffe vorwarf. Connery bestritt diese Anschuldigungen. Die Vorwürfe und seine eigenen dokumentierten Aussagen müssen dabei voneinander unterschieden werden.
Sein Status als Filmikone hat häufig dazu beigetragen, dass diese Themen hinter dem vertrauten Bild des charmanten Stars zurücktraten. Sie gehören dennoch zu seiner öffentlichen Biografie. Schauspielerische Leistungen anzuerkennen bedeutet nicht, solche Positionen zu verharmlosen.
Schottischer Patriot mit Wohnsitz im Ausland
Connery setzte sich öffentlich für die Unabhängigkeit Schottlands ein und unterstützte die Scottish National Party. Seine Herkunft blieb ein zentraler Bestandteil seines Auftretens, auch nachdem er längst international arbeitete.
Dass er zugleich viele Jahre außerhalb Schottlands lebte, brachte ihm Kritik ein. Gegner hielten ihm die Distanz zwischen politischem Engagement und persönlichem Wohnort vor. Connery erklärte, im Fall einer Unabhängigkeit zurückkehren zu wollen.
Im Jahr 2000 schlug Königin Elisabeth II. ihn im Holyrood Palace in Edinburgh zum Ritter. Der überzeugte schottische Unabhängigkeitsbefürworter wurde damit auch offiziell Sir Sean Connery – eine Verbindung, die seine öffentliche Person um einen weiteren Widerspruch ergänzte.
Ein selbst gewähltes Ende vor der Kamera
Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen wurde 2003 sein letzter großer Auftritt in einem Realfilm. Die schwierige Produktion hinterließ bei Connery erhebliche Unzufriedenheit. Danach zog er sich weitgehend aus der Schauspielerei zurück.
Auch die Möglichkeit, noch einmal als Vater von Indiana Jones aufzutreten, brachte ihn nicht zur Rückkehr. Er hatte sich ein Leben außerhalb der Filmsets eingerichtet und blieb bei dieser Entscheidung.
Als er 2020 starb, lagen seine letzten großen Kinorollen deshalb bereits viele Jahre zurück. Seine Leinwandpräsenz war durch die fortdauernde Verbreitung seiner Filme dennoch vertraut geblieben.
Sechs Jahre später bleibt mehr als der Smoking
Am 31. Oktober 2026 erinnert Sean Connerys sechster Todestag an eine außergewöhnliche Karriere. Der junge Mann aus Edinburgh, der Milch auslieferte und Särge polierte, wurde zu einem der bekanntesten Gesichter des internationalen Kinos.
Seine wichtigste berufliche Leistung bestand auch darin, nach Bond weitere überzeugende Rollen zu finden. Der Geheimagent machte ihn berühmt; Figuren wie William von Baskerville, Jim Malone und Henry Jones zeigten, wie viel mehr er spielen konnte.
Die Erinnerung an ihn darf dabei widersprüchlich bleiben. Connery war ein prägender Schauspieler mit einer bemerkenswerten Aufstiegsgeschichte. Zugleich hinterließ er Aussagen und Vorwürfe, die sich mit seinem eleganten Leinwandbild nicht versöhnen lassen. Beides gehört zu einem ernsthaften Rückblick auf sein Leben.
