Statt beim Frühstück zum hundertsten Mal die Verpackung eurer Cornflakes zu lesen, lest doch einfach das hier.
Vor 75 Jahren, am 6. Oktober 1951, starb Will Keith Kellogg. Sein Name steht bis heute auf Frühstückspackungen in aller Welt. Doch seine Geschichte beginnt mit einem missglückten Küchenversuch – und führt weit über Cornflakes hinaus.
Vom Besenverkäufer ins Sanatorium
Will Keith Kellogg wurde am 7. April 1860 in Battle Creek, Michigan, geboren. Er verließ die Schule früh und verkaufte als Jugendlicher Besen aus dem Betrieb seines Vaters. Später begann er im Battle Creek Sanitarium zu arbeiten, das sein älterer Bruder, der Arzt John Harvey Kellogg, leitete. Will kümmerte sich dort zunächst um Büroarbeit und Verwaltung, beschäftigte sich aber zunehmend auch mit der Ernährung der Patienten.
Das Sanatorium suchte nach leicht verdaulichen Speisen mit einem zugegeben etwas fragwürdigen Hintergrund: Lust. Kellogg verachtete, alles was mit Sexualität und Lust zu tun hatte und sah darin den Ursprung vieler, geistiger Krankheiten, weswegen er ein Lebensmittel kreieren wollte, welches seiner Ansicht nach "der Vergiftung von Innen" entgegenwirken würde. 1894 experimentierten die Brüder deshalb mit gekochtem Weizen als Ersatz für das Brot, das sie ihren Patienten als Brei servierten. Eine Breiportion blieb versehentlich stehen und trocknete aus.
Als sie das vermeintlich vertrocknete Gemisch dennoch durch die Walzen drehten, zerfiel es in dünne Flocken. Getrocknet und geröstet wurden daraus knusprige Weizenflocken. Sie experimentierten weiter und weiter, doch erst weitere Versuche mit Mais führten zu den Cornflakes, die Kellogg berühmt machten.
Wie aus Flocken ein Unternehmen wurde
Will Keith Kellogg erkannte das Geschäftspotenzial der Flocken. Während sein Bruder vor allem an der Ernährung der Sanatoriumspatienten interessiert war, wollte Will das Produkt in amerikanische Haushalte bringen. 1906 gründete er die Battle Creek Toasted Corn Flake Company. Die Brüder stritten später über die kommerzielle Nutzung der Flocken und des Familiennamens.
Kellogg verkaufte mehr als ein neues Lebensmittel: Er machte das Frühstück aus der Packung bequem und wiedererkennbar. Werbekampagnen halfen, die Nachfrage weit über Battle Creek hinaus zu steigern. Weitere Produkte kamen hinzu, darunter Bran Flakes, All-Bran und Rice Krispies. Aus der Firma wurde ein international tätiges Unternehmen.
Seine Antwort auf die Wirtschaftskrise
Kelloggs öffentliches Engagement zeigte sich auch in seiner Vorstellung davon, welche Verantwortung ein Unternehmen für seine Beschäftigten trägt. Ende 1930 stellte das Werk in Battle Creek während der Weltwirtschaftskrise von drei achtstündigen auf vier sechsstündige Schichten um. So konnte die Arbeit auf mehr Menschen verteilt werden. Das war eine ungewöhnliche Entscheidung in einer Zeit, in der viele Familien um ihr Einkommen fürchteten.
Auch an einer politischen Initiative zur Gesundheit von Kindern wirkte Kellogg mit: US-Präsident Herbert Hoover ernannte ihn 1930 zum Delegierten einer Konferenz des Weißen Hauses zu Kindergesundheit und Kinderschutz. Kelloggs Schwerpunkt lag dabei auf sozialen Fragen und praktischen Verbesserungen, nicht auf einer politischen Laufbahn.
Ein Vermögen für Kinder und Familien
Schon vor der Gründung seiner bekanntesten Stiftung förderte Kellogg Projekte in Landwirtschaft, Bildung und Aufforstung. 1930 rief er eine Stiftung ins Leben, aus der die W.K. Kellogg Foundation hervorging. Sie konzentrierte sich zunächst auf seine Heimatregion Battle Creek und unterstützte unter anderem öffentliche Gesundheitsdienste, Pflegeangebote und Schulen. Später weitete sie ihre Arbeit über Michigan hinaus aus.
Bis zu seinem Tod gab Kellogg rund 66 Millionen US-Dollar für wohltätige Zwecke. Hinter den Spenden stand seine Überzeugung, dass Menschen bessere Chancen bekommen, wenn ihre Gemeinden Zugang zu Wissen, Gesundheitsversorgung und Bildung haben. Vor allem Kindern wollte er Möglichkeiten eröffnen, die nicht vom Einkommen ihrer Familie abhingen.
Mehr als ein Name auf der Packung
Will Keith Kellogg starb am 6. Oktober 1951 im Alter von 91 Jahren in Battle Creek. Seine Karriere verdankte ihren Anfang einem Zufall. Dass daraus ein weltweites Geschäft wurde, lag an seinem Gespür für Produktion und Vermarktung. Und dass sein Name auch außerhalb des Supermarkts Bedeutung hat, liegt an den Entscheidungen, die er später mit seinem Vermögen traf.
