Zum Todestag von Matima Miller: Der Influencer der sterben musste, weil er mit einem Toten befreundet war

Als Babyface.s versammelte er mehr als 2 Millionen Follower unter sich, noch bevor er 20 Jahre alt werden konnte.

Babyfaces Tik Tok Instagram
Mit gerade mal 19 waren mehr als 2 Millionen Menschen Fans von Babyface.s | © TikTok / Instagram

Am 5. Juli jährt sich der Tod von Matima Abasi Miller, besser bekannt als Babyface.s oder Swavy. Er wurde nur 19 Jahre alt. Für Millionen Menschen auf TikTok war er ein Creator mit Tanzvideos, Comedy-Clips und einer Energie, die perfekt in die frühe TikTok-Ära passte. Für seine Familie und Freunde war er aber vor allem ein Sohn, Bruder und Freund aus Wilmington, Delaware, der sich mit Social Media ein anderes Leben aufbauen wollte.

Hinter dem Accountnamen Babyface.s stand also kein anonymer Internet-Hype, sondern ein junger Mensch, dessen Leben gerade erst richtig begonnen hatte.

Leben und Aufstieg

Matima Miller wuchs in Wilmington auf und wurde online unter dem Namen Babyface.s bekannt. Viele seiner Fans nannten ihn Swavy. Sein Content passte genau in die Zeit, in der TikTok nicht nur Plattform, sondern Sprungbrett wurde: kurze Dance-Clips, schnelle Reactions, Comedy-Momente und Videos, die weniger wie perfekt produzierte Shows wirkten, sondern wie direkte Energie aus dem Alltag.

Zur Zeit seines Todes hatte Miller mehr als 2,3 Millionen Follower auf TikTok und mehrere Hunderttausend Follower auf Instagram. Seine Familie beschrieb ihn später als jemanden, der die Plattform außergewöhnlich gut verstand. Sein Bruder Rahkim Clark sagte in der Doku-Serie Deadly Influence: The Social Media Murders, Miller habe den TikTok-Algorithmus fast wie eine Wissenschaft behandelt. Seine Schwester Qua’naijha Clark nannte ihn einen frühen TikTok-Pionier.

Gerade das machte seine Karriere so bemerkenswert. Swavy war kein klassischer Promi, der über Fernsehen, Musik oder große Medienhäuser bekannt wurde. Er gehörte zu einer Generation junger Creator, die mit Handyvideos, Persönlichkeit und Timing Millionen erreichten.

Karriere zwischen Tanz, Humor und Social-Media-Hype

Babyface.s wurde vor allem für Dance- und Comedy-Videos bekannt. Dazu kamen Inhalte, die sehr nah an seiner eigenen Community waren: kurze Clips, Trend-Sounds, Reactions und Momente, die sich für Fans nicht wie distanzierte Promi-Inhalte anfühlten, sondern wie ein direkter Blick in seinen Alltag.

Sein Erfolg kam nicht durch einen einzelnen großen viralen Moment, sondern durch viele Clips, die gemeinsam eine starke Fanbase aufbauten. Swavy verstand, wie TikTok funktionierte: schnelle Hooks, Wiedererkennbarkeit, Timing und eine Ausstrahlung, die in wenigen Sekunden hängen blieb.

Damit stand er für eine neue Creator-Generation. Eine Generation, bei der Reichweite nicht zwingend aus Studios, Managements oder großen Budgets entsteht, sondern aus Persönlichkeit, Konsequenz und einem guten Gefühl für Trends.

Tödliche Schüsse auf einen TikTok-Star

Am Morgen des 5. Juli 2021 wurde Matima Miller in Wilmington, Delaware, erschossen. Die Polizei reagierte laut damaligen Berichten gegen 10:42 Uhr auf einen Schusswaffen-Vorfall im Bereich Elbert Place. Miller wurde mit Schussverletzungen gefunden, in ein Krankenhaus gebracht und starb dort an seinen Verletzungen.

Spätere Berichte rekonstruierten, dass Miller mit seinem Freund Quan auf dem Heimweg gewesen sein soll, nachdem sie Frühstück geholt hatten. Ein Angreifer näherte sich ihnen und schoss auf ihn. Miller war 19 Jahre alt.

Die Nachricht verbreitete sich schnell in sozialen Medien. Für viele Fans war es ein Schock, weil sie ihn nur aus seinen energiegeladenen Videos kannten. Für seine Familie war es ein öffentlicher Verlust, der gleichzeitig extrem privat und schmerzhaft blieb.

Schütze muss zweimal lebenslänglich und 163 Jahre in Haft

Der Fall blieb nicht nur ein Social-Media-Thema. Im November 2021 wurde Israel Lecompte im Zusammenhang mit dem sogenannten NorthPak-Fall angeklagt. Die Anklage umfasste unter anderem zwei Mordanklagen ersten Grades wegen der Tötungen von Quinton Dorsey und Matima Miller.

2024 wurde Lecompte wegen der Morde an Miller und Dorsey verurteilt. Später wurde er zu zwei lebenslangen Freiheitsstrafen ohne Möglichkeit auf Bewährung sowie zusätzlich 163 Jahren Haft verurteilt.

Besonders tragisch ist der Zusammenhang, den die Staatsanwaltschaft später zog: Miller soll nicht wegen einer eigenen Rivalität getötet worden sein, sondern wegen seiner Verbindung zu Quinton Dorsey, einem jungen Designer und Freund Millers, der wenige Tage zuvor ebenfalls erschossen wurde.

Die Nachwirkungen seines Todes

Nach Millers Tod gab es eine große Welle an Trauer, aber auch Diskussionen darüber, wie mit dem Tod junger Internetstars öffentlich umgegangen wird. Ein besonders kritisierter Moment entstand rund um The Wendy Williams Show. Wendy Williams sprach in ihrer Sendung über Swavys Tod und wurde für ihre Art der Berichterstattung stark kritisiert. Millers Mutter Chanelle Clark und weitere Familienmitglieder warfen ihr Respektlosigkeit vor.

Diese Reaktion zeigte, wie schnell sich ein privater Verlust im Internet in eine öffentliche Debatte verwandeln kann. Swavy war für viele ein Name auf TikTok, aber für seine Familie war er Matima: ein junger Mensch mit Zukunft, Beziehungen, Plänen und einem Leben, das nicht auf Followerzahlen reduziert werden sollte.

Jahre später wurde sein Fall erneut breiter aufgegriffen, unter anderem in der True-Crime-Serie Deadly Influence: The Social Media Murders. Die Serie beleuchtet Fälle, in denen Social-Media-Erfolg, öffentliche Aufmerksamkeit und reale Gewalt auf tragische Weise miteinander verbunden sind.

Sein Vermächtnis

Babyface.s bleibt als einer dieser Creator in Erinnerung, die TikTok früh mitgeprägt haben. Seine Videos standen für Bewegung, Humor und eine Form von jugendlicher Selbstinszenierung, die Millionen erreichte. Doch sein Tod erinnert auch daran, dass virale Bekanntheit kein Schutzschild ist.

Matima Miller wurde 19 Jahre alt. Online bleibt er Babyface.s, Swavy, ein Creator mit Millionen Fans. Abseits der Plattform bleibt er ein Sohn, Bruder und Freund, dessen Leben viel zu früh beendet wurde.

Sein Todestag ist deshalb nicht nur ein Moment des Rückblicks auf eine Social-Media-Karriere, sondern auch auf einen jungen Menschen, der mehr war als ein Profilname.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....