Waffen und junge Frauen – zwei Stützpfeiler der Figur des Bonds hatten keinen Platz im Leben des Schauspielers.
Heute, am 23. Mai 2026, jährt sich der Todestag von Sir Roger Moore zum neunten Mal. Der britische Schauspieler starb am 23. Mai 2017 im Alter von 89 Jahren in der Schweiz nach einer Krebserkrankung. Für Millionen bleibt er bis heute einer der bekanntesten James-Bond-Darsteller der Filmgeschichte – charmant, ironisch, elegant und mit hochgezogener Augenbraue.
Doch hinter dem Mann, der siebenmal den berühmtesten Geheimagenten der Welt spielte, steckte eine Persönlichkeit, die deutlich friedlicher war, als es seine bekannteste Rolle vermuten ließ.
Die Kunst, der smarte Gentleman zu sein
Geboren wurde Roger George Moore am 14. Oktober 1927 in London. Sein Vater war Polizist, Moore selbst kam eher zufällig zum Film. Nach ersten kleinen Rollen und einer Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art arbeitete er sich langsam hoch, zunächst in britischen und amerikanischen Produktionen. International bekannt wurde er lange vor Bond durch das Fernsehen: In Simon Templar spielte er ab den 1960er-Jahren den eleganten Abenteurer Simon Templar, später stand er mit Tony Curtis für die Serie Die 2 vor der Kamera.
Diese Rollen formten bereits das Image, das ihn später als James Bond so erfolgreich machen sollte: weltgewandt, trocken humorvoll, nie ganz aus der Ruhe zu bringen.
1973 übernahm Moore dann erstmals die Rolle des James Bond in Leben und sterben lassen. Es folgten Der Mann mit dem goldenen Colt, Der Spion, der mich liebte und mehrere weitere bis zu Im Angesicht des Todes. Mit sieben offiziellen Bond-Filmen hält Moore bis heute den Rekord innerhalb der Eon-Reihe. Sein Bond war anders als Sean Connerys härterer, physischer Agent: Moore spielte 007 leichter, ironischer, fast komödiantisch. Er war weniger brutaler Killer als Gentleman mit Lizenz zum Lächeln.
Der Action-Held, der die Gewalt verabscheut
Gerade deshalb wirkt ein Detail aus seinem Leben besonders spannend: Roger Moore hatte eine echte Abneigung gegen Schusswaffen. In seinen Memoiren schrieb er, dass diese Angst auf ein Erlebnis aus seiner Jugend zurückging. Als Teenager wurde er von einem Freund mit einer BB-Gun ins Bein geschossen. Später kam während seiner Armeezeit ein weiteres traumatisches Erlebnis hinzu: Bei einem Training soll eine Waffe in seinen Händen explodiert sein, wodurch er für einige Tage taub war.
Moore sagte später, alles, was knallte, habe ihn blinzeln lassen. Für einen Schauspieler, der jahrzehntelang mit Pistolen, Explosionen und Agenten-Action assoziiert wurde, war das ein bemerkenswerter Widerspruch.
Dieser Widerspruch machte seinen Bond aber auch besonders. Moore verkörperte die Gewalt der Figur nie mit echter Lust an Härte. Er selbst sagte rückblickend, dass ihm die zunehmende Brutalität der Bond-Filme nicht gefiel. Besonders bei Im Angesicht des Todes habe er sich an manchen Gewaltmomenten gestört. Für ihn war Bond am stärksten, wenn die Figur Stil, Humor und Eskapismus bot – nicht, wenn sie möglichst brutal wirkte.
Die Liebschaften die seine Enkelinnen hätten sein können
Auch sein Abschied von James Bond hatte viel mit Selbstwahrnehmung zu tun. Moore war bei seinem letzten Bond-Film bereits 57 Jahre alt. Später erklärte er, er habe gemerkt, dass die weiblichen Hauptrollen immer jünger wirkten und der Altersunterschied zunehmend unangenehm wurde. Sinngemäß sagte er, die "Leading Ladies" seien jung genug gewesen, seine Enkelinnen zu sein – und das sei irgendwann widerlich geworden. Statt krampfhaft an der Rolle festzuhalten, zog er die Konsequenz und legte Bond ab.
Der Held hinter den Rollen
Nach Bond blieb Moore weiterhin Schauspieler, doch sein zweites großes Lebenswerk entstand abseits des Kinos. 1991 wurde er UNICEF-Goodwill-Botschafter. Über mehr als 25 Jahre setzte er sich für Kinder in Krisengebieten ein, besuchte UNICEF-Projekte auf der ganzen Welt und machte auf Themen wie Kinderrechte, HIV/AIDS, Kinderarbeit, Landminenverletzungen und Mangelversorgung aufmerksam. 2003 wurde er von Queen Elizabeth II. für seine humanitäre Arbeit zum Ritter geschlagen.
Dieses Engagement passte zu einem Mann, der sich selbst nie zu ernst nahm, aber andere Menschen sehr wohl. Moore war berühmt für seinen Humor, für Selbstironie und für eine fast altmodische Höflichkeit.
Während viele ihn vor allem als den leichtfüßigsten Bond in Erinnerung behalten, zeigte sein späteres Leben eine andere Seite: einen Star, der seine Bekanntheit nutzte, um Aufmerksamkeit auf Menschen zu lenken, die keine eigene Bühne hatten.
Am 23. Mai 2026 erinnert Roger Moores Todestag deshalb nicht nur an einen James Bond. Er erinnert an einen Schauspieler, der mit Waffen berühmt wurde, obwohl er Waffen fürchtete. An einen Mann, der eine der größten Actionrollen der Filmgeschichte spielte, aber selbst lieber Charme als Gewalt einsetzte. Und an einen Künstler, der irgendwann verstand, wann es Zeit war, eine ikonische Rolle loszulassen.
Roger Moore war 007 – aber er war eben nie nur 007. Er war der Bond mit dem Augenzwinkern, der Gentleman mit Haltung und ein Star, dessen vielleicht wichtigste Mission erst nach seiner größten Filmrolle begann.
