Der neue Teil der “God of War”-Reihe wird schon vor seinem Release heiß diskutiert. Der Grund dafür wirkt ziemlich albern – trotzdem ist es nicht das erste Mal, dass ein Spiel deswegen kritisiert wird.
„The Last of Us Part II“, „Silent Hill f“ und „God of War: Laufey“ haben eines gemeinsam: Offenbar gelten die weiblichen Hauptfiguren einigen männlichen Internetnutzern als nicht „sexy“ genug – zumindest nach deren Maßstäben (die, seien wir ehrlich, im echten Leben vermutlich eher selten auf Frauen treffen).
Zu „ausgemergelt“ und zu „woke“
Die „God of War“-Reihe besitzt eine riesige Fangemeinde. Man könnte also erwarten, dass die Ankündigung eines neuen Teils für große Begeisterung sorgt. Überraschenderweise war das nicht der Fall: Das bisher gezeigte Material stieß auf deutliche Kritik. Der Grund: Die Geschichte folgt nicht mehr dem bisherigen Protagonisten Kratos, sondern erzählt stattdessen die Geschichte seiner Frau Faye im Jenseits.
Wenn man jedoch einen Blick auf frühere Teile wirft, wirkt diese Reaktion möglicherweise weniger überraschend. Ähnliche Kritik gab es bereits bei anderen populären Spielen, die das Geschlecht ihrer Hauptfigur verändert haben. „The Last of Us Part II“ wurde etwa als „zu woke“ bezeichnet, unter anderem wegen einer lesbischen Beziehung und einer muskulösen, bewusst nicht sexualisierten weiblichen Figur – als wären solche Menschen in der Realität nicht selbstverständlich.
Auch die Diskussionen rund um „Silent Hill f“ drehten sich vor allem um seine feministischen Themen und die Protagonistin Hinako. Ein Teil der männlichen Fangemeinde kritisierte sie unter anderem deshalb, weil das Spiel es nicht erlaubt, unter ihren Rock zu schauen – wohlgemerkt handelt es sich bei Hinako um ein etwa 15-jähriges Mädchen.
Es scheint, als würde „Laufey“ in die Fußstapfen dieser beiden Spiele treten. Zwar ist es bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, dass einige Fans Kratos vermissen, doch ein großer Teil der sogenannten „Kritik“ richtet sich vor allem gegen Fayes Geschlecht und ihr Erscheinungsbild.
Deborah Ann Woll, die Faye verkörpert, wird von einigen als zu alt und zu „ausgemergelt“ beschrieben. Zudem gilt sie manchen als zu sehr „Girlboss“, um sich mit ihr identifizieren zu können – was offenbar als legitimer Grund gesehen wird, sie zu verhöhnen. Hater haben zudem begonnen, KI-generierte Videos von Faye zu erstellen, in denen sie Wäsche wäscht, ein Kind zur Welt bringt oder sogar von Kratos erniedrigt wird.
Es gibt immer noch "solche" Games
Wenn man sich von realistischen Frauen mit Persönlichkeit bedroht fühlt, gibt es immer noch genug Games, die man spielen kann. Denn die Videospielindustrie an sich ist nach wie vor eine von Männern dominierte Branche und viele Spiele haben eine Hauptzielgruppe – heterosexuelle Männer. Wenn du also einfach nur "goonen“ willst (Internet-Slang für, ähm … Dinge mit sich selbst zu tun), gibt es immer noch jede Menge weibliche Charaktere, die speziell für diesen Zweck entworfen wurden.
Während meines Game-Design-Studiums habe ich viel über die Darstellung der Geschlechter in Videospielen recherchiert. Und sagen wir einfach, dass es sehr offensichtlich ist, wer in der Vergangenheit die Hauptzielgruppe von Videospielen war. Das beste Beispiel ist die erste Lara Croft. Ein schlanker Körper, aber eine große Oberweite und eine "sexy“ Ausstrahlung – wohl kaum ein angemessenes oder repräsentatives Vorbild für junge Mädchen.
Aber diese Art von Charakterdesign ist auch in neueren Videospielen noch sehr präsent. "Stellar Blade“ wurde zu einer der beliebtesten Veröffentlichungen der letzten Jahre und einer der Gründe für den Erfolg war der “hintere Bereich“ der Hauptfigur, bei dessen Gestaltung sich die Entwickler "besonders viel Mühe“ gegeben hatten.
Auf dem Summer Game Fest 2026 kündigten die Entwickler von "Stellar Blade“ den zweiten Teil der Serie mit dem Titel "Blood Rain“ an, in dem eine neue Protagonistin namens Evie im Mittelpunkt steht. Beide Charaktere sind eine Art "Androiden-Soldat“, doch es gibt einen wesentlichen Unterschied. Evie wurde gezielt so gestaltet, dass sie jünger aussieht als die Heldin des ersten Spiels, offenbar weil dies gut zu ihrem Kampfstil passt.
Einer Figur ein jüngeres Aussehen zu verleihen, damit sie im Kampf besonders cool aussieht, klingt nach einem stichhaltigen Argument – bis man erkennt, dass einer der Hauptaspekte des Spiels die Sexualisierung seiner weiblichen Figuren ist. Angeblich lag der Fokus des Entwicklers nicht auf ihrem Aussehen, sondern auf ihrer Persönlichkeit. Das bisher veröffentlichte Material zum Spiel zeichnet jedoch ein anderes Bild.
Wenn man Spiele wie “Stellar Blade” betrachtet, wird eines ganz deutlich: „Sexy“ Frauen waren in der Gaming-Szene noch nie ein Fremdwort und sind immer noch zahlreich vertreten. Es ist nur so, dass manche Titel nun versuchen, ein breiteres Publikum anzusprechen, darunter auch Frauen. Aber wie kann ein Spiel es wagen, sich an etwa die Hälfte aller Spieler zu richten?
Gaming statt Objektivierung
Die zuvor genannten Beispiele beweisen, dass das Problem “mancher” Männer (Trigger Warnung: Nicht alle Männer!!!) nicht unbedingt das Geschlecht der Protagonistinnen ist, sondern nur, dass sie diese nicht objektivieren können.
Wenn einem aber attraktive weibliche Charakterdesigns am wichtigsten sind, dann gibt es nach wie vor eine ganze Menge an Spielen, die genau auf diese Vorliebe zugeschnitten sind.
Es gibt also keinen Grund, ein Spiel schon vor seinem Release aus einem derart absurden Grund zu kritisieren. Vielleicht ist es einfach an der Zeit, dass verschiedene Spiele eben auch verschiedene Zielgruppen haben können.
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