600 Kilometer durch die Wüste, rund 3.000 Kilometer von Berlin nach New York und einmal quer durch Japan: Arda Saatçi sucht seine Herausforderungen offenbar nicht gerade im Kleinen. Der Berliner Extremsportler hat sich innerhalb weniger Jahre vom ambitionierten Fitnessfan zum internationalen Ultraläufer, Unternehmer und Social-Media-Star entwickelt.
Sein selbst gewählter Spitzname „Cyborg“ passt dabei ziemlich gut. Denn Saatçi kombiniert extremes Ausdauertraining mit Kraftsport und macht aus seinen sportlichen Herausforderungen gleichzeitig große Medienereignisse. Millionen Menschen verfolgen seine Läufe inzwischen live im Internet.
Doch wer steckt eigentlich hinter dem Mann, der scheinbar immer noch einen Kilometer mehr laufen kann? Wie kam er zum Extremsport, was hat es mit seiner Marke Day One auf sich und: Wie verdient Arda Saatçi eigentlich sein Geld?
Arda Saatçi im Steckbrief
- Name: Arda Saatçi
- Geboren: 6. September 1997
- Geburtsort: Berlin
- Alter: 29 Jahre
- Beruf: Extremsportler, Ultraläufer, Unternehmer und Content-Creator
- Spitzname: „Cyborg“
- Sport: Ultraläufe, Laufen, Krafttraining
- Trainingspensum: nach eigenen Angaben etwa 30 bis 40 Stunden pro Woche
- Bekannt für: extreme Langstrecken-Challenges
Vom Fußballtraum zum „Cyborg“
Heute kennt man Arda Saatçi vor allem als Extremsportler. Ursprünglich hatte er allerdings einen ganz anderen Traum: Profifußballer zu werden. Saatçi spielte unter anderem in der Jugend des Berliner AK und später beim SV Altlüdersdorf. Mit 18 Jahren musste er seinen Traum vom Profifußball jedoch aufgeben. Was zunächst wie ein persönlicher Rückschlag wirkte, wurde später zum Wendepunkt seines Lebens.
Nach dem Ende seiner Fußballkarriere begann Saatçi, sich immer intensiver mit anderen Sportarten zu beschäftigen. Er boxte, absolvierte Krafttraining und entdeckte schließlich das Laufen für sich. Aus ersten Laufeinheiten wurden Halbmarathons, daraus Marathons – und irgendwann Strecken, bei denen selbst ein Marathon nur noch wie ein Zwischenstopp wirkt.
Parallel dazu studierte Saatçi Betriebswirtschaft und arbeitete zeitweise in der Immobilienbranche. Nach eigener Aussage absolvierte er das BWL-Studium allerdings eher für seine Eltern als aus persönlicher Leidenschaft.
Seine eigentliche Karriere sollte schließlich nicht im Büro beginnen, sondern auf der Laufstrecke.
30 bis 40 Stunden Training pro Woche
Wer verstehen möchte, wie Arda Saatçi solche Distanzen überhaupt bewältigen kann, muss sich sein Trainingspensum anschauen. Nach eigenen Angaben investiert er 30 bis 40 Stunden pro Woche in seinen Sport. Dabei geht es nicht ausschließlich ums Laufen. Saatçi kombiniert Ausdauertraining mit Krafttraining und arbeitet kontinuierlich an seiner körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit. Red Bull beschreibt ihn als Athleten, der unter anderem zwei Laufeinheiten am Tag absolviert und zusätzlich Krafttraining in seinen Alltag integriert.
Zu seinem bekanntesten Markenzeichen gehören dabei nicht nur die extremen Läufe. Auch 1.000 Klimmzüge in weniger als zwei Stunden gehören zu den Leistungen, mit denen er seine Community beeindruckt hat. Seine Philosophie fasst er selbst mit zwei kurzen Aussagen zusammen: „Every day is day one“ und „You vs. You“. Es geht also weniger darum, andere zu besiegen, sondern die eigenen Grenzen immer wieder neu zu verschieben.
Berlin nach New York: 3.000 Kilometer in 74 Tagen
2024 wurde aus dem außergewöhnlichen Läufer endgültig ein Internet-Phänomen. Saatçi startete seine Cyborg Season und machte sich auf den Weg von Berlin nach New York. Mehr als 3.000 Kilometer legte er dabei in 74 Tagen zurück. Die Strecke führte ihn durch Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal. Den Atlantik überquerte er anschließend per Flugzeug von Porto nach Boston und setzte seinen Lauf in den USA fort.
Besonders bemerkenswert: Auf dem Weg zog sich Saatçi einen Ermüdungsbruch am Schienbein zu. Nach einer längeren Pause setzte er die Challenge dennoch fort und erreichte schließlich New York. Damit war allerdings noch lange nicht Schluss.
Ein Jahr später folgte die nächste Eskalationsstufe: Japan.
Saatçi lief 2025 rund 3.000 Kilometer von Norden nach Süden durch das Land. Für die Strecke benötigte er etwa 43 Tage – im Schnitt also rund 70 Kilometer täglich beziehungsweise ungefähr anderthalb bis zwei Marathons pro Tag.
Tokio, der Fuji, Osaka und Hiroshima lagen auf seiner Route. Auch diese Reise dokumentierte er für seine stetig wachsende Community.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Arda Saatçi ist nicht mehr einfach nur ein Fitness-Influencer. Seine sportlichen Herausforderungen selbst waren zum Content geworden.
604,6 Kilometer durch die US-Wüste
Seinen bisher größten medialen Moment erlebte Saatçi im Mai 2026. Bei der Red Bull Cyborg Season – Ultra 600 wollte er innerhalb von 96 Stunden rund 600 Kilometer vom Death Valley bis zum Santa Monica Pier zurücklegen. Das Ziel verpasste er zwar zeitlich, die sportliche Leistung blieb trotzdem außergewöhnlich.
Nach 604,6 Kilometern erreichte er den Santa Monica Pier schließlich nach 123 Stunden, 21 Minuten und 10 Sekunden. Während des Laufs wurde Saatçi von einem großen Team aus Kameraleuten, Trainern, Ärzten und weiteren Helfern begleitet. Gleichzeitig konnten Zuschauer seine Position, Leistungsdaten und den Verlauf des Laufs online verfolgen. Und genau hier wird aus Extremsport plötzlich ein riesiges Mediengeschäft.
Millionen Menschen schauen zu
Der 600-Kilometer-Lauf entwickelte sich zu einem gewaltigen Streaming-Ereignis. Laut OMR erreichten die Inhalte rund um die Challenge auf den Instagram- und TikTok-Kanälen von Saatçi und Red Bull insgesamt mehr als 600 Millionen Aufrufe. Beim Zieleinlauf sollen über verschiedene Livestreams hinweg knapp 2,8 Millionen Menschen zugesehen haben.
Auch seine Social-Media-Reichweite explodierte.
Laut Forbes wuchs Saatçis Instagram-Account während des Laufs von etwa 1,2 auf 2,9 Millionen Follower, während sein Twitch-Kanal von rund 300.000 auf 1,1 Millionen und sein YouTube-Kanal von etwa 900.000 auf 1,6 Millionen Abonnenten stieg. Damit wurde die Challenge nicht nur zu einem sportlichen, sondern auch zu einem wirtschaftlich interessanten Ereignis.
Wie verdient Arda Saatçi sein Geld?
Die vielleicht spannendste Frage bei einem Creator mit dieser Reichweite lautet: Was verdient Arda Saatçi eigentlich? Eine offiziell bestätigte Jahresgage oder ein öffentliches Vermögen gibt es nicht. Deshalb sollte man bei konkreten Zahlen vorsichtig sein. Fest steht aber, dass Saatçi inzwischen mehrere Einnahmequellen hat.
1. Sponsoring und Markenpartnerschaften
Eine der wichtigsten Einnahmequellen dürften seine Kooperationen mit großen Unternehmen sein. Forbes nennt unter anderem Red Bull, L’Oréal Paris, Mercedes-AMG, Brooks Running, ESN und DAZN als Partner.
Besonders prominent ist seine Zusammenarbeit mit Red Bull. Das Unternehmen produzierte und vermarktete die große 600-Kilometer-Challenge 2026. Wie viel Geld Saatçi aus dem Vertrag erhält, ist allerdings nicht öffentlich bekannt. Auch OMR konnte keine konkrete Vertragssumme nennen. Zahlen wie die im Internet kursierende Behauptung, Saatçi habe allein von Red Bull rund 500.000 oder sogar 700.000 Euro erhalten, sind nicht seriös belegt und sollten deshalb nicht als Tatsache dargestellt werden.
2. Social Media und Streaming
Auch seine enorme Reichweite kann direkt Einnahmen generieren – etwa über YouTube-Werbung, Twitch-Abonnements und weitere Plattformerlöse. Eine Analyse von Brandneo schätzt, dass während der 600-Kilometer-Challenge allein durch Twitch-Abonnements rund 60.000 Euro Einnahmen entstanden sein könnten. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Schätzung und nicht um eine von Saatçi veröffentlichte Zahl.
Für Instagram kommt HypeAuditor für Juli 2026 auf eine geschätzte monatliche Einnahmespanne von 11.666 bis 15.983 US-Dollar beziehungsweise rund 140.000 bis 192.000 US-Dollar hochgerechnet auf ein Jahr. Auch diese Werte sind lediglich algorithmische Schätzungen und keine bestätigten Einkünfte.
Wie viel davon tatsächlich bei Saatçi landet, lässt sich von außen nicht feststellen.
3. Die eigene Sportmarke Day One
Saatçi verdient sein Geld außerdem nicht nur als Athlet, sondern baut sich ein eigenes Unternehmen auf. 2024 gründete er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Alvaro Gellings die Sportbekleidungsmarke Day One. Die erste Kollektion wurde unter anderem im Berliner KaDeWe präsentiert.
Die Marke verkauft Performance-Bekleidung und Accessoires, die stark mit Saatçis eigener sportlicher Philosophie verbunden sind. Day One beschreibt die Kollektion selbst als aus der Cyborg Season heraus entstanden. Interessant ist dabei: Laut Unternehmensprofil auf LinkedIn bezeichnet sich Day One inzwischen als profitabel und als eine der schnell wachsenden D2C-Performance-Marken im DACH-Raum. Konkrete Umsatz- oder Gewinnzahlen veröffentlicht das Unternehmen allerdings nicht.
4. Fitness und eigene Produkte
Neben Kleidung gehört auch eine eigene Trainings-App zu Saatçis Unternehmungen. Dort werden unter anderem Gym-, Home- und Ausdauer-Workouts angeboten. Damit verfolgt Saatçi ein Geschäftsmodell, das weit über klassische Influencer-Werbung hinausgeht: Er vermarktet nicht nur seine Reichweite, sondern entwickelt daraus eigene Produkte und Unternehmen.
Wie reich ist Arda Saatçi?
Und was bleibt am Ende auf seinem Konto? Das lässt sich derzeit nicht seriös sagen. Im Internet kursieren verschiedene Vermögensschätzungen, die teilweise stark voneinander abweichen. Solche Seiten greifen jedoch auf öffentlich sichtbare Social-Media-Daten und eigene Berechnungsmodelle zurück und kennen weder seine Sponsoringverträge noch seine Unternehmensbeteiligungen, Kosten oder Steuern.
Was sich dagegen ziemlich eindeutig sagen lässt: Saatçi hat sich von einem Sportler zu einer eigenen Marke mit mehreren Geschäftsstandbeinen entwickelt. Seine Einnahmen können aus Sponsoring, Plattformen, Streaming, Werbung, eigenen Produkten und Unternehmensbeteiligungen stammen. Und seine Reichweite dürfte dabei der entscheidende wirtschaftliche Hebel sein.
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