Auch wenn er dem philippinischen Gefängnis längst entkommen ist, taucht das Video nun erst nachträglich auf.
Nachdem die philippinische Regierung noch vor wenigen Monaten klargestellt hatte, dass Vitaly Zdorovetskiys vorerst nicht aus der Abschiebehaft entlassen werden würde, um ein Exempel zu statuieren, erfuhr die Welt in der vergangenen Woche nun, dass er doch nach Russland ausgeflogen werden würde. Zunächst gab es sogar Gerüchte, Putin wolle ihn für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine nutzen, damit neue Freiwillige für die Front gewinnen oder gar Zdorovetskiy selbst ins Kriegsgebiet schicken – davon ist bisher allerdings nichts bestätigt.
Nun drang ein Video ans Licht, in welchem sich der Streamer zu der Lage in Haft äußerte und eine Botschaft an die Regierungen der Welt abgab.
Der Fall eines Stars
Bis vor wenigen Jahren galt Vitaly Zdorovetskiys, im Internet besser bekannt als VitalyzdTV, als absoluter Star. Das YouTube-Urgestein war bekannt für aufwendige Pranks, die teilweise durchaus über die Grenzen des guten Geschmacks hinausgingen, von seinen Fans aber begeistert aufgenommen wurden.
Seine Karriere fand allerdings ein jähes Ende, als er immer wieder in Kontroversen verwickelt war – Mitarbeiter sprachen von aggressivem Verhalten und Drogenkonsum, dann wurde er wegen eines tätlichen Angriffs auf eine Joggerin verurteilt.
Im Zuge eines Comeback-Versuchs streamte Vitaly daraufhin sein Leben und präsentierte sein fragwürdiges Verhalten stolz einem Live-Publikum. Wie viele andere Streamer wählte er als Opfer dafür den asiatischen Raum, weil oftmals davon ausgegangen wird, dass man dort aufgrund der vorherrschenden Höflichkeit und Vorsicht gegenüber Ausländern keine Konsequenzen zu erwarten wären.
Dass Vitaly sich in seinem Fall ordentlich geirrt hatte, zeigten die vergangenen Monate, die er zunächst in Untersuchungs- und dann in Abschiebehaft saß. Nachdem er auf die Philippinen gereist war, hatte er sich dort mehr als unrühmlich benommen und unter anderem einer Frau gedroht, sie zu überfallen, einen Sicherheitsbeamten belästigt und versucht, dessen Motorrad zu stehlen.
Ein Exempel, dass keines ist
Die Reaktion der philippinischen Regierung und sogar des Präsidenten selbst, folgte auf dem Fuße: Eine Inhaftierung, in welcher Zdorovetskiy auf unbestimmte Zeit bis zum Beginn seines Gerichtsprozesses hätte warten sollen – besonders brisant deshalb, weil philippinische Gerichte sich oftmals sogar Jahre Zeit lassen, bis eine erste Anhörung überhaupt beginnt.
Zwar wechselte Zdorovetskiy später in die Abschiebehaft (aus der er angeblich auch nicht hätte entlassen werden sollen), litt laut Medienberichten aber stark unter der Unterbringung im Gefängnis. So soll ihm dabei nicht nur der erzwungene Drogenentzug zu schaffen gemacht haben, auch die Tatsache, dass in einer Zelle mehr als die doppelte Anzahl an Personen untergebracht war, als ursprünglich vorgesehen, die Zellen über keinerlei Frischluftzufuhr via Klimaanlage verfügten und Gewalt unter den Häftlingen an der Tagesordnung war.
Letzte Woche dann aber plötzlich eine Ankündigung mit der niemand gerechnet hatte: Zdorovetskiy wird doch nach Russland abgeschoben.
Zdorovetskiy gibt Einblick in seine Zelle
Während allerdings nach wie vor unklar ist, wieso man dem Russischen Influencer nun doch gestattete in seine Heimat zurückzukehren, wurden inzwischen einige Fragen darüber geklärt, wie es ihm denn nun wirklich in Gefangenschaft ergangen war: Nicht zuletzt durch ein Video, welches Vitaly im Gefängnis gedreht hatte und das nun über einen YouTube-Kanal veröffentlicht wurde, der wohl immer wieder die teils unmenschlichen Zustände im Land kritisiert.
In dem Clip führt Zdorovetskiy durch seine Zelle, die eher einem schmalen, vergitterten Gang gleicht und berichtet davon, wie er das wenige Hab und Gut, welches er besitzen darf, vor anderen Häftlingen und Ratten schützt. Er kritisiert zudem, die mangelnde Frische der kleinen Lebensmittelrationen die er täglich bekäme, was man auch an seinem körperlichen Abbau ablesen kann. Dass ihm trotz allem sein recht fragwürdiger Humor nicht vergangen scheint, zeigt sich nicht zuletzt, als er erklärt, dass er nun seit 69 Tagen in Haft sei und betont, wie lustig diese Zahl sei.
Zumindest ist es so möglich einzuordnen, dass dies noch zu Beginn seiner Haftstrafe war, die insgesamt knapp 290 Tage andauerte.
Vitaly erklärt allerdings auch, dass es ihm gar nicht um ihn selbst ginge, sondern alle Menschen, die dort in Gefangenschaft seien und richtet sich daher an alle Regierungen der Welt:
An alle Führer der freien Welt: Hier sterben Menschen! Sie brauchen Ihre Hilfe und haben nicht das Glück eines Tages wieder hier rauszukommen. Sie werden gefangen gehalten wie Tiere. [...] Ich spreche von Korruption! Schwangere Frauen und Kinder mit Beeinträchtigungen sind hier gefangen. [...] Welt, wach auf!
Auch im Beschreibungstext des Videos ist davon zu lesen. So heißt es dort, dass Immigrations-Zentren auf den Philippinen in einem besorgniserregenden Zustand seien, Menschen, die in das Land kommen wollten, teils unter erbärmlichsten Umständen hausen müssen und ihnen der Zugang zu medizinischer Versorgung verwehrt sei. Am Ende betont der Text:
Niemand sollte seine Menschenrechte verlieren, während er auf Papiere wartet.
Es gibt starke Zweifel daran, dass Zdorovetskiy tatsächlich hinter dem YouTube-Kanal steckt, stattdessen geht man eher davon aus, dass er den eigentlichen Betreibern das Video lediglich zur Verfügung stellte – vermutlich hoffte er damals schon, dass die Darstellung seiner Lage dazu beitrüge ihn frühzeitig aus der Haft entkommen zu lassen.
Ob die Zustände vor Ort wirklich Grund für seine Abschiebung sind, ist allerdings ebenso unklar – gut möglich ist aber, dass eine Aufklärung der Situation sich mit dem nächsten Auftritt des Streamers im Internet erübrigt – und so wie wir Zdorovetskiy kennen, dauert es nicht lange, bis es soweit ist.