"Homosexualität ist keine Entscheidung!": Logan Paul teilt gegen christlichen Influencer aus

Manchmal findet eben auch ein moralisch blindes Huhn ein Korn.

Logan Paul
Manchmal findet auch ein moralisch blindes Huhn ein Korn. | © Paul Logan / Impaulsive

Logan Paul ist selten die erste Person, die einem beim Thema moralische Vorbilder einfällt. In einer Diskussion mit dem christlichen Influencer Bryce Crawford findet der YouTuber und WWE-Star allerdings klare Worte gegen die Vorstellung, Homosexualität sei eine frei gewählte Entscheidung.

In seinem Podcast Impaulsive spricht Paul mit Crawford über Glauben und sexuelle Orientierung. Als sein Gast erklärt, Schwulsein sei eine Entscheidung, hält Paul dagegen. Sein Argument: Auch er selbst habe sich schließlich nicht bewusst ausgesucht, sich zu Frauen hingezogen zu fühlen.

Logan Paul stellt die entscheidende Gegenfrage

Paul erklärt sinngemäß, dass er davon ausgehe, mit seiner Anziehung zu Frauen geboren worden zu sein. Warum sollte es homosexuellen Menschen anders gehen? Für ihn ergibt die Behauptung, sie hätten sich ihre Orientierung ausgesucht, keinen Sinn.

Besonders deutlich wird er beim Thema Ausgrenzung, wenn er fragt warum jemand freiwillig einen Weg der Ausgrenzung wählen würde, auf dem ihm wegen gesellschaftlicher Vorurteile zusätzliche Schwierigkeiten begegnen. Paul verweist dabei auf Verurteilung, Spott und Ablehnung, auch durch religiöse Menschen.

Damit benennt er einen wichtigen Punkt: Wenn homosexuelle Menschen unter ihrer Situation leiden, lässt sich daraus nicht ableiten, dass ihre Orientierung das Problem ist. Auch der Umgang ihres Umfelds kann ihnen das Leben schwer machen.

Schwulsein ist kein Zustand, den man überwinden muss

Paul widerspricht außerdem Crawfords Wortwahl, Menschen würden mit ihrer Homosexualität "kämpfen". Er hält dagegen, dass viele Menschen ihre Sexualität selbstbewusst leben und stolz darauf sind.

Die Formulierung seines Gastes stellt Homosexualität hingegen als etwas dar, das grundsätzlich mit einem inneren Konflikt verbunden sei. Paul lässt diese Darstellung nicht einfach stehen. Gerade auf einer Plattform mit großer Reichweite ist dieser Widerspruch wichtig.

Ein richtiger Standpunkt macht Logan Paul noch nicht zum Vorbild

Trotzdem wäre es zu einfach, Paul wegen dieses Gesprächs plötzlich zum moralischen Vorbild zu erklären. Auch beim Umgang mit sexueller Orientierung hat er selbst bereits daneben­gegriffen: 2019 kündigte er scherzhaft an, einen Monat lang schwul sein zu wollen. Nach Kritik räumte er seine schlechte Wortwahl ein.

Das macht seinen jetzigen Auftritt widersprüchlich, aber seinen Einwand nicht weniger richtig. Man kann Logan Paul kritisch betrachten und ihm in dieser Diskussion trotzdem zustimmen. Berechtigte Kritik an einer Person verpflichtet schließlich niemanden dazu, jede ihrer Aussagen schlechtzufinden.

Ob das Gespräch eine nachhaltige persönliche Entwicklung zeigt, lässt sich daraus allein nicht beurteilen. In diesem Moment scheint sein moralischer Kompass allerdings in die richtige Richtung zu zeigen: Er widerspricht einer abwertenden Vorstellung und setzt sich dafür ein, homosexuelle Menschen als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft zu respektieren.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....