Der YouTuber hatte das Tier laut eigener Angaben vor der Kälte gerettet – nun kamen jeodch schwere Vorwürfe auf.
Es klingt wie eine dieser typischen, herzerwärmenden Tiergeschichten des Internets: Ein YouTuber findet ein halberforenes Tier, kümmert sich darum und lässt die Zuschauer, die um das arme Wesen bangen, an dessen Weg zurück zu einem gesunden Leben teilhaben.
Das Problem: Wie so vieles, was wir tagtäglich im Internet sehen, handelt es sich dabei nicht immer um die ganze Wahrheit. Der Amerikaner Tood Oland könnte ein Beispiel dafür sein und auf erschreckende Weise zeigen, wie weit manche Content Creator für eine virale Story gehen.
YouTuber rettet Katze vor dem Kältetod
Todd Oland ist YouTuber. Nun ja, zumindest hat er einen YouTube-Channel und berichtet hin und wieder aus seinem Leben als Corona-Patient, der sich zurückkämpfen will, in einen Alltag ohne Beatmungsgerät und andere Probleme, die sich aus einem zweimonatigen Koma ergaben. Die Videos werden in der Regel aber nicht außergewöhnlich oft geklickt. Hier und da gab es mal einen Ausreiser nach oben und ein Clip hat hunderttausend Zugriffe, in der Regel sind es aber um die 10 bis 20.000 Klicks.
Ein Video stellt mit mehr als 18 Millionen Zugriffen allerdings eine gewaltige Ausnahme da. In dem Video zeigt Oland ein regelrecht schon steifgefrorenes Kätzchen, welches seine Hunde laut seiner Aussage in einer Pfütze gefunden hatten. Das Tier gibt kaum ein Lebenszeichen von sich, Bewegungen sind kaum noch auszumachen. Oland packt es daher in eine Decke, und filmt, wie die Lebensgeister langsam wieder in das Kitten zurückkehren. Am Ende des Videos meint er “Scheint, als hätten diese Tiere wirklich neun Leben.”
Die Anteilnahme war entsprechend groß, in den Kommentaren wurde Oland für seinen Einsatz und seine Tierliebe gelobt – Menschen teilten die herzerwärmende Geschichte und so einige wollten Olandunterstützen, und spendeten an die GoFundme-Kampagne die der Tierretter ins Leben rief. Quasi ein Gewinn für alle Beteiligten.
Zweifel an der Geschichte kommen auf
Bis nun, einige Wochen nachdem das Video viral ging, Zweifel an der Geschichte von der Katzenrettung aufkamen. Auf Reddit warf jemand dem YouTuber vor, nicht die ganze Wahrheit gesagt zu haben.
In dem Reddit-Beitrag zeigte jemand auf, dass das Foto des geretteten Tieres, welches Odland an das Ende seines Videos gepackt und nochmal in einem Community-Thread gepostet hatte, laut der im Bild enthaltenen Metadaten im März des Vorjahres aufgenommen wurde.
Für den Redditor war damit klar, dass Odland die Geschichte nur erfunden hatte, das Tier ihm bereits zuvor gehört hatte, sie ihren Erfrierungen eventuell sogar doch erlegen war und der YouTuber nun Geld für eine tote Katze sammelte.
Unter dem inzwischen gelöschten Thread finden sich noch weitere Theorien, etwa, dass Odland das Video schon lange zuvor gefilmt hatte und nun entschieden hatte, Geld daraus schlagen zu wollen, es sich wirklich um einen Streuner handelte, der aber später verstorben war – oder gar, dass Leute davon ausgingen, er habe das Tier bewusst der Kälte ausgesetzt um einen solchen Clip erzeugen zu können.
Katze für viralen Moment zum Tode verurteilt?
Seltsam scheint hier bei vor allem, dass wenn es wirklich so gewesen wäre, die Odland die Situation darstellte, es kein Foto von ihm gemeinsam mit dem Tier geben dürfte, welches schon über ein Jahr alt ist und sofern er nicht zufällig ein Handy mit sich führt, dessen Datum um ein Jahr versetzt eingestellt ist, hat der YouTuber zumindest was diesen Punkt angeht, gelogen.
Auch die letzten Updates, die Odland zu Kätzchen gegeben hatte, bevor die Vorwürfe aufkamen und er seine GoFundme-Page offline stellte, werfen Fragen auf: So berichtete er davon, dass er sich selbst nicht um das Tier kümmern konnte und es deswegen an einen Nachbarn gab. Ein Beweisvideo zeigte zwar eine Katze, viele Zuschauer waren jedoch der Meinung, dass sich nicht zu 100% sagen lassen konnte, ob es auch wirklich genau diese Katze war.
Bisher hat sich Odland noch nicht geäußert, die Vermutung liegt dennoch Nahe, dass sich nicht alles so abgespielt haben könnte, wie er zunächst sagte. Gerade in einer Zeit in der auf Social Media nur ein Skandal den nächsten Jagd und große Stories, die viral gehen immer dramatischer und emotionaler wie die davor sein muss, kann auch eine Frage danach, ob und inwieweit die Situation auch gestellt hätte sein können, um Reichweite zu erzielen, nicht vollends ignoriert werden.
Am Ende bleibt wohl nur zu hoffen, dass es dem Tier gut geht und wenn nicht, dass es zumindest nicht lange hatte leiden müssen.