Darf Humor alles? Muss er alles? Und reicht es Erläuterung, dass die beteiligten Kinder fiktiv sein sollen?
Ein Vater erwischt seinen Sohn in einem sehr intimen Moment – und gibt ihm anschließend ausführliche Tipps, wie und zu welchen Videos und Models er das tun solle. In einem anderen Video überrascht er seine Tochter bei ihrem ersten Mal und gibt dazu dumme Sprüche ab.
Szenen, die man sich im normalen Leben noch nicht einmal vorstellen wollen würde, scheinen für TikToker B.Prate so unglaublich witzig, dass er dazu Comedy-Sketche dreht. Kritik erntet er dafür reichlich und muss sich der Frage stellen: Ist alles, was Views bringt, auch eine gute Idee – selbst die sexuellen Grenzüberschreitungen zwischen einer Vaterfigur und ihren Kindern?
Der Vater geht nicht – er steigt ins Gespräch ein
Die Videos des Influencers folgen stets einem ähnlichen Muster: B.Prate spielt einen Vater, der seinen fiktiven Sohn oder seine fiktive Tochter beim Masturbieren beziehungsweise beim Sex überrascht. Aus der peinlichen Situation entsteht anschließend ein längerer Dialog.
In den Sketches bleibt die Vaterfigur im Zimmer und empfiehlt dem Sohn pornografische Inhalte. In einem anderen erwischt sie ihn mit einer Partnerin und gibt ihm explizite Anweisungen zum Sex. Dass der Sohn dabei teilweise mit einer auffällig kindlichen Stimme dargestellt wird, verschärft die Kritik zusätzlich. Einerseits soll so wohl zwar nur verdeutlicht werden, dass es sich um eine andere, jüngere Person handelt, warum die Stimme dabei allerdings so viel jünger klingen muss, ist fragwürdig.
Auch andere Clips zeigen immer wieder grenzüberschreitendes, problematisches Verhalten, dessen vermeintlich humoristischer Touch immer wieder die Frage ist, warum der Vater einen so tiefen, ungenierten Einblick in die intimsten Momente seiner Kinder haben sollte und warum seine Reaktion immer wieder so absurd ausfällt. Ein weiterer Sketch etwa, zeigt einen Sohn, der Beschwerden schildert, die als mögliche sexuell übertragbare Infektion verstanden werden könnten, und vom Vater nur mit Spott und Beleidigungen beantwortet werden.
Die Kritik richtet sich damit nicht einfach gegen sexuelle Themen in Comedy. Prate dreht auch viele andere Clips, die teilweise ähnlich anstößig, aber eben nicht ansatzweise so problematisch sind.
Entscheidend ist, wie die familiäre Beziehung inszeniert wird: Der Vater respektiert die Intimsphäre seiner Kinder nicht, sondern beteiligt sich mit sexualisierten Gesprächen und Kommentaren an der Situation weit über die Grenzen dessen hinaus, wie Eltern am Leben ihrer Kinder teilhaben sollten.
B.Prates Erklärung: Die Videos gingen viral
B.Prate spricht die Kritik in einem eigenen Video sogar an: Er habe die Sketche lustig gefunden und weitere produziert, weil sie viral gingen. Außerdem habe er sich bei Menschen entschuldigt, die sich daran gestört hätten.
Zumindest einen Clip hat er kurz darauf sogar gelöscht, wobei andere, teils mit Millionen Klicks auf dem Account weiterhin zugänglich sind.
Seine eigene Community ist ebenfalls geteilter Meinung – zwar erfuhr Prate auch hier Kritik, dennoch gibt es auch eine Vielzahl von Usern, die diese Clips wohl tatsächlich unterhaltsam finden.
Wenn Reichweite die einzige Antwort wird
B.Prates Fall zeigt, wie dünn die Begründung "Es kommt gut an" sein kann und sie dennoch für einige Content Creator auszureichen scheint. Dass ein Video erfolgreich ist, erklärt, warum jemand das Format fortsetzt. Es beantwortet aber nicht, ob dessen Inhalt durchdacht ist.
Ein Klick kann Neugier bedeuten. Ein Kommentar kann Empörung ausdrücken. Menschen teilen Videos auch, weil sie sie geschmacklos finden. Aufmerksamkeit ist deshalb kein verlässlicher Maßstab für Zustimmung – und erst recht keiner für Verantwortung.
Für Creator entsteht daraus eine Versuchung: Die provokante Szene funktioniert, also wird die nächste produziert. Vielleicht noch expliziter, vielleicht mit einer weiteren Grenzüberschreitung. Wer dabei nur auf die Zahlen schaut, kann ausblenden, was die eigenen Videos eigentlich erzählen und welche Beziehungen oder Verhaltensweisen sie zur Pointe machen.
Während man B.Prate zumindest zugestehen muss, dass er sich die Situationen offensichtlich ausdenkt und rein fiktiv sind, sorgte ein Influencer-Model kürzlich für Aufsehen, weil sie ihre eigene, ganz reale Schwangerschaft sexualisierte und als Content nutzte.
Natürlich darf Comedy schlechte Eltern und unangenehme Situationen darstellen. Eine gespielte Vaterfigur ist auch kein Beweis dafür, wie ihr Ersteller privat handelt. Trotzdem bleibt die Entscheidung für ein wiederkehrendes Motiv eine kreative Entscheidung, für die ein Creator Kritik aushalten muss.
Kritik an den Videos braucht keine unbelegten Vorwürfe
Einige Kritiker des selbsternannten Comedians wollen auch auf die tiefere Bedeutung solcher Inhalte hinweisen könnte. Sie fordern unter anderem eine Untersuchung seiner Person und äußert sich drastisch darüber, ob B.Prate jemals Kinder haben sollte. Jedoch muss hier ganz klar gesagt werden, die fiktionalen Szenen – so geschmacklos sie auch seien – liefern keinen Nachweis für tatsächliche Übergriffe oder dafür, dass Prate überhaupt wirklich Kinder hat.
Die Inhalte lassen sich trotzdem deutlich kritisieren. Ein Creator kann sich fragen, warum er ausgerechnet sexualisierte Vater-Kind-Situationen immer wieder zur Unterhaltung macht und ob er sich solcher Kritik ausgesetzt sehen will, nur weil ein paar Tausend Menschen sich die Clips ansehen.
