Linke Influencer durch trumpnahe Unternehmen zensiert?

Vermutungen, dass YouTube in Trumps Sinne agiert, häufen sich unter politischen Content Creatoren.

Hey Wolfi Trump You Tube Wikipedia
HeyWolfi ist nicht der einzige, der auf die sinkenden Zahlen hinweist. | © Wikipedia / HeyWolfi / YouTube

Der deutsche YouTuber HeyWolfi hat mit einem aktuellen Video auf ein Thema aufmerksam gemacht, das viele politische Creator schon länger beschäftigt: Werden kritische Inhalte über Donald Trump auf YouTube weniger sichtbar gemacht?

HeyWolfi hinterfragt, ob Trump-kritische Inhalte zensiert werden

Wolfgang Holzhauser beschäftigt sich auf seinem YouTube-Kanal mit allerlei politischen Themen, zeigt die Absurditäten der AfD-Politik auf, setzt sich mit Debatten wie der Causa Ulmen auseinander oder beleuchtet eben die größtenteils recht irren Aktionen Trumps und der USA.

Dabei findet er immer eine gesunde Mischung aus anschaulicher Darstellung und der notwendigen Positivität, die es in solch chaotischen Zeiten, in denen man schnell verzweifeln könnte braucht. Selbst dann, wenn die Themen die er behandelt sich auch mal gegen ihn selbst richten könnten – etwa die Möglichkeit, dass Unternehmen wie YouTube dafür sorgen, dass seine eigenen Inhalte deutlich weniger Leuten ausgespielt werden.

In seinem Video Es geht los: YouTubes stille Zensur der Trump-Kritiker spricht HeyWolfi davon, dass linke oder noch konkreter Trump-kritische Videos offenbar deutlich schlechter ausgespielt werden und dadurch weniger Reichweite bekommen.

Damit ist er nicht allein: Immer mehr YouTuber und Content-Creator, die sich vor allem mit Politik auseinandersetzen und dabei eher linksgerichtete, Trump-feindliche Thesen vertreten, berichten von ähnlichen Erfahrungen.

Der Vorwurf ist brisant, weil er einen wunden Punkt vieler Plattformen trifft: YouTube ist für politische Meinungsbildung enorm wichtig, aber die genaue Funktionsweise des Empfehlungsalgorithmus bleibt für Creator weitgehend intransparent.

Wenn Videos plötzlich weniger Impressionen bekommen, obwohl Thema, Titel oder Kanal eigentlich gut funktionieren müssten, entsteht schnell der Eindruck, dass Inhalte bewusst unterdrückt werden.

Gründe für die Einschränkung durch YouTube?

Wichtig ist dabei aber die Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen der Einschränkung. Klassische Zensur würde bedeuten, dass ein Video gelöscht, gesperrt oder ein Kanal sanktioniert wird.

Daneben gibt es Demonetarisierung, also eingeschränkte oder fehlende Werbeeinnahmen. Und dann gibt es den wohl schwerer greifbaren Fall: Ein Video bleibt online, wird aber von YouTube deutlich weniger über Startseite, Empfehlungen oder "Up next" verbreitet.

Genau um diesen dritten Punkt geht es bei Wolfies Kritik vorranig. Nicht unbedingt darum, dass Inhalte offen verboten werden, sondern darum, dass sie algorithmisch weniger Sichtbarkeit bekommen und damit nicht den Raum und die Aufmerksamkeit erhalten, die sie normalerweise bekommen würden.

Und dieser Verdacht ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. YouTube selbst erklärt seit Jahren, dass die Plattform bei Nachrichten, Politik, Wahlen und sensiblen Themen stärker auf sogenannte „authoritative sources“ setzt und gleichzeitig grenzwertige Inhalte oder potenziell schädliche Desinformation in Empfehlungen reduziert. YouTube beschreibt dieses Prinzip als Teil der „Four Rs“: remove, raise, reward, reduce.

Videos die Trump kritisieren werden deutlich kleinerem Publikum präsentiert

Das bedeutet: Politische Inhalte werden auf YouTube nicht immer nach denselben Signalen behandelt wie Entertainment-, Gaming- oder Lifestyle-Videos.

Während bei normalen Videos Faktoren wie Klickrate, Watchtime und Zuschauerbindung besonders wichtig sind, spielen bei News und politischen Themen zusätzlich Vertrauens- und Qualitätsbewertungen eine Rolle. YouTube sagt selbst, dass bei Nachrichten und sensiblen Informationen Autorität und Kontext wichtiger seien als reine Popularität.

Dass aber ausgerechnet jene Inhalte, die sich gegen den US-Präsidenten und seine Politik richten darunter leiden, ist dennoch kaum von der Hand zu weisen. Viele Creator aus diesem Spektrum sprechen von deutlich zurückgegangenem Abonentenzuwachs und dass neue Videos zwar noch innerhalb ihrer eigenen Followerschaft präsentiert werden, darüber hinaus aber immer und immer weniger Usern angezeigt werden.

Wolfi gibt hierbei auch zu bedenken, dass es gar nicht so unwahrscheinlich wirkt, dass ein Unternehmen wie YouTube, dass eventuell versuchen könnte, im Ansehen des amerikanischen Präsidenten zu steigen und ihm nach der Sperrung seiner Accounts als Reaktion auf den Sturm des Capitols ganze 24,5 Millionen Dollar zahlte, derartige “stille Gefälligkeiten” wagen könnte.

Ob und wie nah er damit an der Wahrheit liegt, lässt sich so natürlich nicht sagen, dass es in jedem Fall immer wichtiger wird, entsprechende Alternative Kommunikations- und Uploadmöglichkeitenzu suchen und zu nutzen ist dennoch offensichtlich

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....