Papaplatte gesteht: Alles, was im Stream passiert, fühlt sich für ihn oft nicht wirklich real an.
Ein ganzes Jahr voller Streams, Events, Projekte, Hype-Momente – und trotzdem bleibt am Ende… fast nichts. Keine klare Erinnerung, kein Highlight, das sofort auftaucht. Genau das beschreibt Papaplatte (bürgerlich Kevin Teller) in einem seiner Twitch-Streams.
Warum sich sein Streaming-Jahr „nicht echt“ anfühlt
Auf die Frage, was 2025 besonders gewesen sei, fällt ihm nur Barcelona und New York ein – und zwar, weil beides privat und offline stattfand. Alles, was „on Stream“ passiert sei, fühle sich nicht wirklich erlebt an. „Sobald eine Kamera an ist (…) wechsele ich in so einen Character-Mode.“
Sein Freund und Streaming-Kollege Rumathra (Wieland Welte) kann es kaum glauben: „Du kannst wirklich keine Sache nennen?“ Doch Kevin bleibt dabei: Viele der großen Online-Momente fühlen sich im Rückblick an, als wären sie nicht passiert.
Der Clip aus seinem Twitch-Stream wurde später vom YouTube-Duo EliasundMicka aufgegriffen. Elias, Psychologe, und Micka, der Philosophy & Economics studiert hat, reagieren deutlich: „Extrem bedenklich.“
Leben zwischen Ich und Rolle
Was Papaplatte beschreibt, ist mehr als nur Vergesslichkeit. Es geht um einen mentalen Schalter. Kamera an, Performance an. Kamera aus, zurück ins Private.
Im Streaming-Business gehört das fast schon zur Jobbeschreibung. Wer live ist, muss liefern: Energie, Reaktionen, Humor, Präsenz. Selbst wenn man „authentisch“ ist, ist man es vor tausenden Zuschauern. Und allein diese Beobachtung verändert Verhalten.
Das Problem: Wenn dieser Modus zur Gewohnheit wird, verschwimmen die Grenzen. Die öffentliche Version von einem selbst kann sich stärker anfühlen als die private oder umgekehrt komplett entkoppelt.
Chronisch online – was macht das mit uns?
EliasundMicka sehen hier ein grundsätzliches Risiko. Wenn jemand dauerhaft online ist und gleichzeitig eine Rolle spielt, könne das langfristig nicht gesund sein.
Psychologisch betrachtet entsteht Erinnerung durch echte emotionale Beteiligung. Wer jedoch ständig performt, ist innerlich oft im Kontrollmodus: Wie wirke ich? Was denkt der Chat? Kommt das gut an?
Man erlebt nicht nur ... man analysiert sich parallel. Diese doppelte Ebene kann dazu führen, dass Momente weniger intensiv abgespeichert werden.
Wenn Offline echter wirkt als Millionen Views
Bemerkenswert ist, dass Papaplatte ausgerechnet die Offline-Zeit als Highlight nennt. Drei Monate Barcelona. Eine Reise nach New York. Keine Kamera. Kein Chat. Kein Character-Mode.
Das wirft eine größere Frage auf: Wie viel von unserem digitalen Leben fühlt sich wirklich „echt“ an? Und wie viel ist Inszenierung – selbst wenn sie nahbar wirkt?
Gerade für eine Generation, die mit Social Media aufgewachsen ist, ist das ein spannender Denkanstoß. Vielleicht geht es nicht darum, weniger online zu sein. Sondern bewusster. Oder wie seht ihr das? Schreibt uns gerne eure Meinung in die Kommentare.