Atakhan in League: Was lief bei Riots großem Objective-Experiment schief?

Wir schauen zurück auf Riots ungewöhnliches Epic-Monster, seine Probleme und warum es wieder entfernt wurde.

Atakhan League
Atakhan war nur ein Jahr Teil von League of Legends. | © Riot Games

Atakhan fühlt sich heute fast unwirklich an. Anfang 2025 kam der Dämon als komplett neues Epic-Monster auf die Kluft der Beschwörer, sollte jedes Match dynamischer machen und verschob sogar die Spawn-Zeiten von Herald und Baron. Weniger als ein Jahr später war er wieder weg. Ein aktueller Reddit-Thread bringt dieses Gefühl ziemlich gut auf den Punkt: Atakhan wirkt inzwischen wie ein Fever Dream aus einer anderen League-Ära.

Was sollte Atakhan eigentlich erreichen?

Riots ursprüngliche Idee war ziemlich ambitioniert. Atakhan sollte um Minute 20 erscheinen, entweder auf der oberen oder unteren Seite des Rivers. Wo genau er spawnen würde und welche Form er annahm, hing davon ab, wo vorher im Spiel besonders viel gekämpft wurde. Riot wollte damit erreichen, dass die Aktionen beider Teams die Geschichte einer Partie stärker formen und Games sich voneinander unterscheiden.

Dazu kamen Blood Roses, die rund um Kills oder Atakhans Spawn-Punkt entstanden. Atakhan selbst hatte zunächst zwei Formen. Ruinous Atakhan erschien in actionreicheren Games und verstärkte Epic-Monster-Rewards. Voracious Atakhan tauchte in ruhigeren Partien auf und gab dem Siegerteam einen einmaligen Wiederbelebungseffekt sowie zusätzliche Gold-Power.

Auf dem Papier war das ziemlich clever. Statt immer dieselbe Objective-Abfolge zu spielen, sollte Atakhan darauf reagieren, wie chaotisch oder ruhig das Match bisher war. In der Praxis bedeutete das aber auch: noch ein wichtiges Objective, noch mehr Systeme und noch mehr Dinge, die Teams gleichzeitig im Blick behalten mussten.

Die Revive-Version war der erste große Warnschuss

Besonders Voracious Atakhan sorgte schnell für Diskussionen. Ein temporärer Team-Rebirth-Effekt klingt spektakulär, war aber extrem schwer fair zu balancen. Schon früh musste Riot die Bedingungen für beide Atakhan-Formen und die Rewards anpassen.

Später zog Riot selbst die Konsequenzen. Mit Season 2 wurde das Zwei-Formen-System komplett aufgegeben. Voracious Atakhan verschwand, und es blieb nur noch Thornbound Atakhan übrig. Riot erklärte ausdrücklich, dass der Revive-Reward schwer gleichzeitig befriedigend und fair zu gestalten gewesen sei und zwei unterschiedliche Formen unnötige Komplexität erzeugt hätten.

Genau das spiegelt sich heute auch in der Community wider. Viele Spieler im aktuellen Thread sagen sinngemäß: Die Revive-Version war furchtbar, nach ihrer Entfernung wurde Atakhan deutlich angenehmer. Andere vermissen wiederum genau das Chaos und die absurd großen Atakhan-Throws.

Das fasst das ganze Experiment fast perfekt zusammen. Atakhan konnte gleichzeitig Spaß machen und sich völlig falsch anfühlen.

Das größere Problem war Objective Overload

Am Ende scheiterte Atakhan aber nicht nur an seinem Reward. Riot nannte später selbst das größere Problem: Objective Overload.

Mit Drakes, Void Grubs, Herald, Atakhan, Baron, Feats of Strength und Blood Roses gab es plötzlich ständig irgendeinen Grund, sich auf der Map um das nächste System zu gruppieren. Für Jungler und koordinierte Teams bedeutete das mehr strategische Entscheidungen. Für viele andere Spieler fühlte es sich aber so an, als könne man kaum noch einfach League spielen, ohne im permanenten Objective-Zeitplan festzustecken.

Schon Mitte 2025 gab es Diskussionen darüber, dass Atakhan unnötig viel XP und Power in ein weiteres Objective packe und Jungler gefühlt von einem Timer zum nächsten hetzten.

Riot versuchte zunächst, das Problem zu reduzieren: nur noch eine Atakhan-Form, weniger Grubs, einfachere Rewards. Trotzdem reichte es nicht. In der Preview für 2026 erklärte Riot schließlich, Atakhan habe zu stark zu „objective overload“ beigetragen. Mit Patch 26.1 wurde er zusammen mit Blood Roses und Feats vollständig entfernt. Baron kehrte wieder zu seinem alten 20-Minuten-Spawn zurück.

War Atakhan also ein Fehlschlag?

Komplett kann man das nicht sagen. Atakhan hatte interessante Ideen. Dass sich sein Spawn-Ort nach der bisherigen Action richtete, war tatsächlich ungewöhnlich. Auch die Grundidee, ein Midgame-Objective zwischen Herald und Baron zu schaffen, hatte Potenzial.

Und einige Spieler vermissen genau das. Im aktuellen Thread wird Atakhan als Comeback-Objective gelobt: Ein zurückliegendes Team konnte sich sammeln, einen großen Fight erzwingen und bei Erfolg wieder ins Game kommen. Andere erinnern sich vor allem an die vielen Skirmishes, an Blood Roses oder schlicht an das Chaos rund um den Pit.

Gleichzeitig zeigte das Experiment aber auch eine Grenze von modernem League-Design. Mehr Systeme bedeuten nicht automatisch mehr strategische Tiefe. Wenn jede Minute ein neues Objective Aufmerksamkeit verlangt, kann zusätzliche Komplexität die möglichen Entscheidungen sogar reduzieren, weil Teams faktisch gezwungen werden, dem nächsten Timer zu folgen.

Genau das sagte Riot bei der Entfernung selbst: Atakhan hat das Spiel stärker auf Objectives fokussiert und dadurch die Möglichkeiten einer Partie eher eingeengt.

Vielleicht war Atakhan genau deshalb trotzdem wertvoll

Rückblickend war Atakhan wahrscheinlich weniger ein dauerhaft fehlendes League-Feature als ein interessantes Experiment, das Riot gezeigt hat, wo die Grenze liegt.

Er war groß, chaotisch, manchmal unfair und für kurze Zeit extrem präsent. Danach wurde er abgeschwächt, vereinfacht und schließlich gestrichen. Das macht ihn im Nachhinein fast noch erinnerungswürdiger.

Atakhan war vielleicht nicht gut genug, um auf der Kluft zu bleiben. Aber er war definitiv eines der ungewöhnlichsten Dinge, die Riot dem normalen 5v5-League jemals hinzugefügt hat.

Und dass Spieler ihn keine neun Monate nach seiner Entfernung schon wie einen seltsamen Traum diskutieren, passt irgendwie perfekt.

Florian Frick

Flo studiert Sportjournalismus und verbindet bei EarlyGame seine Leidenschaft fürs Schreiben und eSports. Er liebt CS, und zu sagen, dass er emotional werden kann, wenn er seine Lieblingsteams verfolgt, wäre untertrieben....