G2 bleibt das Maß aller Dinge im europäischen League of Legends.
G2 Esports hat die LEC Summer Finals 2026 mit einem klaren 3:0 gegen Movistar KOI gewonnen. In Nizza ließ Europas erfolgreichste Organisation ihrem Gegner kaum Raum und komplettierte damit den Domestic Golden Road: Versus, Spring und Summer gingen 2026 allesamt an G2. Gleichzeitig sichert sich das Team Europas ersten Seed für die Worlds.
G2 kontrolliert die Serie von Anfang bis Ende
Das 3:0 erzählt die Serie ziemlich gut. Movistar KOI hatte am Vortag selbst noch Karmine Corp mit 3:0 aus dem Lower-Bracket geschossen und wirkte vor dem Finale in starker Form. Gegen G2 war davon aber nur phasenweise etwas zu sehen.
Game 1 begann sogar ordentlich für MKOI. Das Team fand früh drei Kills und bekam zunächst etwas Tempo. Sobald die Partie aber in strukturiertere Midgame-Fights überging, übernahm G2 die Kontrolle. Vision, Rotationen und Objective-Setups wirkten deutlich sauberer, und selbst als MKOI rund um die Dragon Soul noch einmal einen Fight fand, änderte das nichts am Gesamtbild. G2 spielte die Map danach konsequent herunter.
Im zweiten Game versuchte Movistar KOI stärker über die Laning-Phase und das Snowball-Potenzial zu kommen. Ein früher Overforce auf der Botlane ging jedoch nach hinten los und brachte Steven „Hans Sama“ Livs Yunara früh Ressourcen. Danach bekam MKOI kaum noch Raum, eigene Plays aufzubauen. G2 antwortete auf nahezu jeden Versuch, rotierte schneller und verwandelte kleine Vorteile zunehmend in Map-Kontrolle.
Game 3 war dann fast die deutlichste Machtdemonstration der Serie. Die Kill-Zahlen blieben vergleichsweise niedrig, aber genau das machte G2s Kontrolle so auffällig. Mit Shen, Skarner, LeBlanc, Caitlyn und Lux spielte G2 permanent über Reichweite, Pick-Potenzial und Tempo. MKOI bekam kaum Möglichkeiten, selbst den Rhythmus zu bestimmen. Am Ende brauchte G2 keinen chaotischen Finalfight mehr, sondern strangulierte die Map Stück für Stück.
Labrov liefert eine Finals-MVP-Masterclass
Der vielleicht schönste individuelle Aspekt des Finals war Labros „Labrov“ Papoutsakis. Support-Spieler bekommen nur selten die große Bühne bei MVP-Auszeichnungen, doch diesmal war die Wahl nachvollziehbar. Labrov starb über die gesamte Serie nur zweimal – beide Tode kamen in Game 2.
In Game 1 spielte er Seraphine und beendete die Partie mit 2/0/12. In Game 2 folgte Lulu mit 2/2/18, ehe er die Serie auf Lux mit 3/0/4 abschloss. Das zeigt auch, wie flexibel G2 im Draft war: Labrov spielte in drei Games drei komplett unterschiedliche Support-Profile, ohne dass G2s Teamfight- oder Map-Struktur darunter litt.
Das passt generell zu dieser Version von G2. Das Team gewinnt nicht nur über einzelne Carry-Leistungen. Gerade in Best-of-Fives ist die größte Stärke oft, dass jeder Spieler genug Champion-Pool, Erfahrung und Spielverständnis mitbringt, damit der Draft nicht auf eine einzige Win-Condition festgelegt ist.
Caps holt Titel Nummer 18
Für Rasmus „Caps“ Winther wird die Liste langsam absurd. Der Midlaner holt mit diesem Summer-Titel bereits seine 18. europäische Meisterschaft und baut seinen eigenen Rekord weiter aus. Für G2 ist es gleichzeitig der 20. LEC-Titel der Organisationsgeschichte.
Dass dieser Titel nur wenige Wochen nach seiner Aufnahme in die Hall of Legends kommt, macht die Story noch runder. Caps wurde gerade offiziell als erster westlicher Spieler in Riots Hall of Legends aufgenommen und liefert anschließend direkt das nächste dominante Domestic-Finale.
Der Titel komplettiert außerdem G2s zweiten Domestic Golden Road nach 2024. 2026 gewann G2 zunächst LEC Versus, danach Spring und jetzt Summer. Dazu kommt der Summer-Titel 2025, womit G2 inzwischen vier LEC-Titel in Folge gewonnen hat.
Das Problem für Europas Konkurrenz bleibt damit dasselbe wie seit Jahren: Teams können G2 kurzfristig einholen oder sogar überholen, aber wenn eine Saison in die entscheidenden Best-of-Fives geht, landet die Trophäe erstaunlich oft wieder bei derselben Organisation.
Für MKOI bleibt ein starkes Wochenende – trotz des 0:3
Das Finale sollte den Run von Movistar KOI trotzdem nicht komplett überschatten. MKOI musste durch das Lower-Bracket, schlug NAVI mit 3:1 und qualifizierte sich dadurch für die Worlds. Danach folgte das dominante 3:0 gegen Karmine Corp vor französischem Publikum.
Gerade der Sieg gegen KC war ein Statement. Karmine Corp war zuvor ungeschlagen durch die Regular Season gegangen, doch MKOI zerlegte das Team im Lower-Bracket-Finale und sicherte sich damit nicht nur den Finaleinzug, sondern auch den direkten Platz in der Swiss-Stage der Worlds.
Gegen G2 war die Belastung dieses Runs aber möglicherweise sichtbar. MKOI hatte am Vortag noch ein komplettes Best-of-Five gespielt, während G2 bereits auf das Finale warten konnte. Das erklärt nicht allein ein 0:3, aber G2 wirkte über alle drei Games frischer, besser vorbereitet und vor allem deutlich kontrollierter.
Europas Seed 1 geht wieder an G2
Mit dem Titel fährt G2 als Europas erster Seed zu den Worlds 2026. Sowohl G2 als auch Movistar KOI überspringen die Play-In-Stage und starten direkt in der Swiss-Stage, die am 23. Oktober in Allen, Texas, beginnen soll.
Für G2 ist das der nächste logische Schritt nach einem nahezu perfekten europäischen Jahr. Gleichzeitig bleibt die internationale Messlatte deutlich höher. Bei den Worlds 2025 hatte G2 zwar die Knockout-Stage erreicht, war dort aber im Viertelfinale mit 1:3 an Top Esports gescheitert.
Genau deshalb wird dieser Titel erst bei den Worlds endgültig eingeordnet werden. Europa hat G2 erneut komplett unter Kontrolle. Das Team hat alle drei regionalen Titel des Jahres gewonnen, die Konkurrenz im Finale mit 3:0 abgefertigt und sich Seed 1 verdient. Regional gibt es aktuell kaum noch etwas zu beweisen.
Die entscheidende Frage ist jetzt wieder dieselbe wie so oft bei G2: Wie viel von dieser Dominanz lässt sich auf die Worlds-Bühne übertragen?