Karmine Corp zieht in die Swiss Stage der Worlds 2026 ein.
Die Worlds 2026 haben ihre erste Phase hinter sich. Vier Teams starteten im Play-in, nur eines durfte weiter – und am Ende setzte sich Karmine Corp durch. Der LEC-Dritte verlor zwar keinen einzigen seiner beiden Auftritte gegen MVK Esports, musste gegen Cloud9 aber deutlich härter kämpfen als erwartet. Während KC nun erstmals in die Swiss Stage einzieht, endet das Turnier für Cloud9, FURIA und MVK bereits vor dem Main Event.
Karmine Corp startet mit einem Warnschuss gegen Cloud9
Schon das erste Match der Play-Ins hatte alles, was man sich von EU gegen NA erhofft. Cloud9 führte Karmine Corp bis in Game 5 und sah über weite Strecken sogar wie das stabilere Team aus. Vor allem Edward „Tactical“ Ra und Robert „Blaber“ Huang machten KC in den ersten Games das Leben schwer.
Doch genau dann reagierte Karmine Corp. In Games 4 und 5 übernahmen Caliste „Caliste“ Henry-Hennebert und Alan „Busio“ Cwalina immer stärker die Botlane und gaben KC die Kontrolle zurück. Aus einem drohenden frühen Rückschlag wurde am Ende ein 3:2-Sieg – und gleichzeitig der erste EMEA-Erfolg gegen Nordamerika bei einem Riot-Turnier in dieser Saison.
Der Sieg war wichtig, aber er zeigte auch direkt, dass KC im Play-in nicht unangreifbar war. Gegen ein C9, das später als erstes Team des Turniers ausscheiden sollte, musste Europas dritter Seed bereits alles auf den Tisch legen.
MVK überrascht FURIA gleich zweimal
Die eigentliche Überraschung des Play-ins war MVK Esports. Der vietnamesische LCP-Vertreter ging nicht als Favorit in das Bracket, fegte FURIA am ersten Tag aber direkt mit 3:0 vom Server. Besonders Lương „Gury“ Hải Long setzte im Jungle den Ton, während die Mannschaft insgesamt deutlich aggressiver und entschlossener spielte als das brasilianische Team.
Nach der anschließenden 0:3-Niederlage gegen KC hätte man erwarten können, dass MVKs Run langsam endet. Stattdessen setzte das junge Team im Lower Bracket noch einen drauf.
FURIA hatte sich zwischenzeitlich mit einem 3:1 gegen Cloud9 zurückgemeldet und damit zumindest den amerikanischen Rivalen aus dem Turnier geworfen. Es war bereits die vierte Serie in Folge seit 2025, die FURIA gegen C9 gewann. Cloud9 nahm zwar Game 1, danach holte FURIA aber drei Games am Stück.
Im Rematch gegen MVK änderte sich trotzdem wenig. Die Vietnamesen gewannen diesmal mit 3:1 und beendeten FURIAs Worlds-Run. Damit hatte MVK Brasilien innerhalb eines einzigen Play-ins zweimal geschlagen – insgesamt mit einem 6:1-Game-Score. Für ein Team voller Rookies und unter Head Coach Lê „SofM“ Quang Duy war das ein bemerkenswertes Statement.
Für Cloud9 enden die Worlds extrem früh
Cloud9 ist der große Verlierer des Play-ins. Der LCS-Vertreter war nur ein Game davon entfernt, Karmine Corp direkt ins Lower Bracket zu schicken. Stattdessen verlor C9 die Serie 2:3 und bekam danach mit FURIA ausgerechnet einen Gegner, gegen den das Team schon über längere Zeit massive Probleme hatte.
Die Niederlage war entsprechend bitter. C9 war das erste Team, das bei den Worlds 2026 ausschied, und spielte insgesamt nur zwei Serien. Besonders schmerzhaft: Nach dem gewonnenen ersten Game gegen FURIA sah es kurz nach einem möglichen Befreiungsschlag aus, ehe Brasilien die Serie komplett drehte.
Damit setzt sich eine ungewöhnliche Rivalität fort. FURIA hatte bereits beim America’s Cup klare Vorteile gegen nordamerikanische Teams und verlor 2026 keine einzige Serie gegen Cloud9.
Für C9 ist das ein extrem schwaches Ende einer Saison, in der zumindest die Swiss Stage das Mindestziel gewesen sein dürfte.
KC lässt MVK keine echte Chance
Im entscheidenden Qualifikationsmatch war die Cinderella-Story von MVK schließlich vorbei. Karmine Corp hatte MVK bereits im Upper-Bracket-Final mit 3:0 geschlagen. Im Finale um den einzigen Swiss-Stage-Spot wiederholte KC dieses Ergebnis – und beendete das direkte Duell über beide Serien mit einem brutalen 6:0.
Schon Game 1 lief früh aus dem Ruder. MVK geriet auf mehreren Positionen in Rückstand und fand kaum Wege, die individuelle Qualität von KC auszugleichen. Game 2 brachte mit Malphite Jungle immerhin einen ungewöhnlichen Draft, änderte aber wenig am Matchverlauf. Auch im dritten Game versuchte MVK mit einer sehr wilden Composition noch einmal Chaos zu erzeugen, doch KC blieb stabil genug, um auch diese Partie zu schließen.
Das wichtigste Fazit ist deshalb ziemlich simpel: Gegen Cloud9 war Karmine Corp verwundbar. Gegen MVK war KC eindeutig eine Klasse besser.
Und genau das musste Europas dritter Seed am Ende auch zeigen.
Die Play-Ins haben ihren Zweck erfüllt
Das neue Format war brutal, aber ziemlich effektiv.
Vier Teams, Double Elimination, nur Best-of-Fives und nur ein einziger Platz in der Swiss Stage. Dadurch hatte jede Serie direkt Bedeutung. Es gab keine langen Gruppenphasen und kaum bedeutungslose Games. Drei Teams mussten gehen, eines überlebte.
Für MVK war das Format trotz des Ausscheidens wahrscheinlich ein Erfolg. Das Team gewann zwei Serien, eliminierte FURIA und zeigte, dass der dritte LCP-Seed international konkurrenzfähig sein kann.
FURIA wiederum kann zumindest auf den Sieg gegen Cloud9 verweisen, wird aber mit den beiden deutlichen Niederlagen gegen MVK unzufrieden sein. Support JoJo deutete nach dem Ausscheiden sogar bereits an, dass das aktuelle Lineup womöglich nicht zusammenbleiben wird. Und für Cloud9 gibt es kaum Positives mitzunehmen.
Für Karmine Corp beginnt jetzt das eigentliche Turnier
KC hat das Play-in überstanden, aber die Belohnung ist nicht gerade angenehm. In der ersten Runde der Swiss Stage trifft Karmine Corp direkt auf Anyone’s Legend, den ersten Seed der LPL und chinesischen Champion. Das ist ein deutlich härterer Test als alles, was KC im Play-in gesehen hat.
Karmine Corp steht erstmals überhaupt in der Swiss Stage der Worlds. 2025 hatte die Organisation den internationalen Saisonhöhepunkt noch komplett verpasst; 2026 endet der Weg zumindest nicht schon vor dem Main-Event.
Der Play-In-Run war dabei nicht perfekt. Gegen C9 stand KC kurz vor dem Lower Bracket, gegen MVK war die Mannschaft dagegen vollkommen überlegen. Vielleicht ist das sogar eine ganz gute Vorbereitung auf die Swiss Stage. Dort wird es keine einfachen Serien mehr geben.
KC hat das Pflichtprogramm erledigt. Ab jetzt beginnt der Teil der Worlds, an dem sich wirklich zeigt, wie gut Europas dritter Seed tatsächlich ist.