Nachdem es einiges an Kritik gehagelt hatte, reagierte Riot nun auf einige Fragen und Wünsche aus der Community.
League of Legends Classic ist noch nicht einmal offiziell live, doch Riot hat bereits auf das erste große Feedback der Community reagiert. Nach Kritik an Skins, visueller Authentizität und der Frage, wie „classic“ der Modus wirklich aussehen soll, kündigte Riot nun Änderungen an. Vor allem eine Entscheidung dürfte viele Veteranen freuen: Classic-Skins sollen kostenlos verfügbar sein und künftig als Standard-Look dienen.
Classic Skins werden kostenlos und zum Default
Der wichtigste Punkt des neuen Updates betrifft die Classic-Skins. Nach dem ersten Reveal hatten viele Spieler kritisiert, dass einige Champions in League Classic zwar alte Kits und alte Gameplay-Elemente bekommen, optisch aber nicht immer so aussehen wie früher. Für einen Nostalgie-Modus ist das ein großes Problem. Wenn ein Champion mechanisch an 2012 erinnert, visuell aber wie eine modernisierte Version aus späteren Jahren wirkt, bricht das schnell die Illusion.
Genau hier reagiert Riot nun. Brian „FeralPony“ Feeney erklärte im Dev-Update, dass Classic-Skins für alle Champions, die bereits einen passenden alten Look haben, freigeschaltet werden. Sie sollen außerdem bald zur Standard-Option werden und die modernen Base-Skins ersetzen. Das ist mehr als nur ein kosmetisches Detail. Für viele Spieler ist der Look ein zentraler Teil des Classic-Gefühls.
Die Kritik war deshalb nachvollziehbar. League Classic soll nicht einfach moderne League-Champions mit alten Zahlenwerten sein. Der Modus lebt davon, dass Spieler das Gefühl bekommen, wirklich in eine frühere Ära zurückzukehren. Wenn alte Skins erst freigeschaltet oder gekauft werden müssen, entsteht genau das Gegenteil: Die Nostalgie fühlt sich optional an, nicht wie der Kern des Modus.
Mit der Änderung nimmt Riot der Diskussion viel Schärfe. Classic-Skins kostenlos und standardmäßig anzubieten, ist eine klare Korrektur vor dem Release – und ein gutes Zeichen dafür, dass Riot Feedback vor dem Launch ernst nimmt.
Alte Voice-Overs sollen ebenfalls zurückkommen
Neben den Skins will Riot auch so viele alte Voice-Overs wie möglich zurückbringen. Das ist vielleicht weniger auffällig als Champion-Modelle, aber für das Gefühl von League Classic fast genauso wichtig. Viele Champions wurden über die Jahre nicht nur visuell und spielerisch überarbeitet, sondern auch klanglich stark verändert.
Gerade bei Champions mit großen Reworks hängen viele Spieler nicht nur an alten Fähigkeiten, sondern auch an alten Stimmen, Sounds und Animationen. Wenn ein Champion wieder sein früheres Kit nutzt, aber mit moderner Voice-Over-Präsentation spielt, entsteht schnell ein seltsamer Mix. Riot scheint das verstanden zu haben.
Natürlich bleibt offen, wie vollständig diese Rückkehr alter Voice-Overs am Ende sein wird. Die Formulierung klingt eher nach „so viel wie möglich” als nach einer Garantie für jeden einzelnen Champion. Trotzdem ist die Richtung klar: Riot will den Classic-Modus näher an das alte Spielgefühl bringen, ohne nur die Gameplay-Systeme zu kopieren.
Warum Riot mit 60 Champions startet
Ein weiterer Punkt, den Riot nach Community-Fragen genauer eingeordnet hat, ist die Größe des Champion-Pools. League Classic startet mit 60 Champions, obwohl viele Spieler natürlich direkt nach ihren alten Mains fragen. Andrei „Meddler“ van Roon erklärte auf Reddit, dass der kleinere Start bewusst gewählt wurde: 60 Champions seien deutlich leichter zu lernen oder wieder neu zu lernen als ein Pool mit über 100 Champions. Gleichzeitig helfe die kleinere Auswahl dabei, den Modus schneller zu veröffentlichen.
Das ist aus Design-Sicht sinnvoll. League Classic richtet sich nicht nur an Spieler, die bis heute jedes Detail kennen. Viele werden nach Jahren zurückkommen oder einfach neugierig sein, warum alte League-Versionen so verklärt werden. Ein kleinerer Pool macht den Einstieg weniger überwältigend und gibt Riot mehr Kontrolle über Balance und Identität.
Interessant ist auch, wo Riot die Grenze ziehen könnte. Meddler schrieb, dass Riot aktuell darüber nachdenkt, kurz vor Yasuo aufzuhören, weil dessen Kit sich deutlich anders anfühle als das, was viele Spieler von Classic erwarten. Jinx erschien kurz vor Yasuo, weshalb Riot sie zu einem späteren Zeitpunkt hinzufügen könnte – möglicherweise sogar gemeinsam mit Vi.
Das zeigt ziemlich gut, wie Riot Classic denkt. Es geht nicht nur um Jahreszahlen. Es geht um ein bestimmtes Spielgefühl. Yasuo steht für viele Spieler für eine modernere Ära von League: mehr Mobilität, mehr mechanische Expression, mehr Outplay-Momente. Genau davon will Classic zumindest zum Start Abstand halten.
ARAM Mayhem bekommt eine Classic-Version
Riot nutzt den Classic-Launch außerdem nicht nur für den klassischen 5v5-Modus. Parallel erscheint ARAM: Mayhem Classic-ish als eigener temporärer Modus. Dieser bekommt eine Classic-inspirierte Map, Classic-Items und Classic-themed Augments. Allerdings werden dort nur die 60 Classic-Champions spielbar sein, aber in ihren modernen Versionen.
Das ist ein cleverer Kompromiss. League Classic selbst soll das alte Spielgefühl wiederherstellen. ARAM Mayhem Classic-ish dagegen nutzt Nostalgie eher als Spielzeugkiste. Spieler bekommen Classic-Optik und alte Items, aber in einem schnelleren, chaotischeren Format.
Damit spricht Riot zwei unterschiedliche Gruppen an. Die einen wollen wirklich zurück auf die alte Rift-Erfahrung. Die anderen wollen einfach sehen, wie Classic-Elemente in einem absurderen Fun-Modus eskalieren. Gerade weil ARAM Mayhem ohnehin von überdrehten Kombinationen lebt, könnte die Classic-Variante einer der spannendsten Nebeneffekte des Updates werden.
Riot muss Classic jetzt sauber landen
Das neue Dev-Update macht vor allem eines deutlich: Riot weiß, dass League Classic an Details hängen wird. Es reicht nicht, alte Items, alte Runes und alte Champion-Kits zurückzubringen. Wenn Skins, Stimmen, Sounds und Roster-Entscheidungen nicht zum Nostalgie-Versprechen passen, wird die Community schnell kritisch.
Die Reaktion auf das Feedback ist deshalb ein wichtiger Schritt. Kostenlose Classic-Skins als Standard-Look und der Versuch, alte Voice-Overs zurückzubringen, zeigen, dass Riot den Modus nicht nur als Gameplay-Experiment versteht. Classic muss sich auch emotional richtig anfühlen.
League Classic startet am 29. Juli mit viel Hype, aber auch mit hohen Erwartungen. Dass Riot schon vor dem Launch auf Kritik reagiert, ist ein gutes Zeichen. Denn bei Classic geht es nicht nur darum, alte League-Versionen zurückzubringen. Es geht darum, die Erinnerung daran ernst genug zu nehmen.