League of Legends ohne Faker? Selbst Riot weiß, dass ihn niemand ersetzen kann

Niemand verkörpert League of Legends mehr als Faker.

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Faker ist einmalig, das weiß auch Riot. | © Riot Games

Es gibt nur wenige Spieler, die einen ganzen Esport über mehr als ein Jahrzehnt prägen. Im Fall von League of Legends ist das ohne Zweifel Lee „Faker“ Sang-hyeok. Seit seinem Debüt im Jahr 2013 gewann der Midlaner zahlreiche internationale Titel, wurde zum Gesicht von T1 und gilt für viele als der größte Esportler aller Zeiten.

Doch auch eine Legende wird ihre Karriere irgendwann beenden. Genau dieses Thema sprach Chris Greeley, Global Head of League of Legends Esports bei Riot Games, kürzlich in einem Interview an – mit einer bemerkenswert ehrlichen Antwort, die auch innerhalb der Community für viel Zustimmung sorgte.

„Wir sind nicht darauf vorbereitet“

Auf die Frage, ob Riot Angst vor Fakers Rücktritt habe, musste Greeley nicht lange überlegen.

„Wir sind nicht darauf vorbereitet, dass Faker zurücktritt, und ich weiß nicht, ob wir es jemals sein werden.“

Gleichzeitig bezeichnete er Faker als den „Michael Jordan des Esports“. Mittlerweile sei der T1-Star längst größer als League of Legends selbst. Als Beispiel nannte Greeley unter anderem Fakers Auftritte mit hochrangigen Politikern in Südkorea sowie den enormen Andrang anderer Athleten bei den Asian Games, die Fotos mit ihm machen wollten.

Trotzdem macht Greeley deutlich, dass Riot langfristig hofft, Faker auch nach seiner aktiven Karriere im Esport zu behalten – etwa als Coach, Manager, Team-Owner oder Botschafter der Szene.

Die Community sieht das ähnlich – aus einem anderen Grund

Auf Reddit entwickelte sich schnell eine Diskussion darüber, wie League of Legends nach Faker aussehen könnte.

Besonders viel Zustimmung erhielt dabei ein Kommentar des Users Round-Claim5420, der schrieb:

„Wie sollten sie überhaupt damit beginnen, Faker zu ersetzen? Sie wissen selbst nicht einmal, wie Faker so populär geworden ist, und könnten das definitiv nicht replizieren“

Genau dieser Gedanke zieht sich durch viele Antworten. Denn Faker wurde nie als Marketingfigur aufgebaut. Es gab keinen Masterplan und keine Kampagne, die ihn zur Legende machte. Sein Status entstand über viele Jahre hinweg ganz natürlich.

Eine Karriere, die sich kaum wiederholen lässt

Faker wurde nicht wegen eines einzelnen Turniers oder eines spektakulären Moments zur Legende.

Vielmehr kamen zahlreiche Faktoren zusammen:

  • sein legendäres Debüt und ikonische Plays wie das berühmte Zed-Duell,
  • mehrere World Championship-Titel,
  • über ein Jahrzehnt auf absolutem Spitzenniveau,
  • seine außergewöhnliche Loyalität gegenüber T1,
  • kaum Kontroversen außerhalb des Spiels,
  • und seine Fähigkeit, sich immer wieder an neue Metas anzupassen.

Genau diese Kombination macht ihn so einzigartig.

Viele Spieler waren zeitweise mechanisch ähnlich stark oder dominierten einzelne Saisons. Kaum jemand konnte dieses Niveau jedoch über einen derart langen Zeitraum halten.

League of Legends hat viele Superstars – aber keinen zweiten Faker

Das bedeutet allerdings nicht, dass League of Legends nach Faker keine Stars mehr hätte.

Spieler wie Chovy, Knight, Caps, Bin, Keria, Canyon oder Gumayusi gehören seit Jahren zur Weltspitze und haben Millionen Fans auf der ganzen Welt.

Der Unterschied liegt vielmehr in ihrer Rolle.

Während diese Spieler zu den besten Profis ihrer Generation zählen, ist Faker zum Symbol eines kompletten Esports geworden.

Genau deshalb fällt es schwer, überhaupt von einem Nachfolger zu sprechen.

Riot muss keinen neuen Faker finden

Vielleicht ist genau das auch die falsche Erwartung. Riot muss keinen zweiten Faker erschaffen.

Viel wichtiger dürfte sein, auch künftig Geschichten zu erzählen, neue Rivalitäten aufzubauen und Spielern die Möglichkeit zu geben, sich über Jahre hinweg eine eigene Identität aufzubauen.

Chris Greeley betonte im Interview mehrfach, dass Riot weiterhin neue Stars und spannende Geschichten in den Mittelpunkt stellen wolle – schließlich entwickle sich der Esport ständig weiter.

Der nächste Faker wird deshalb wahrscheinlich nie kommen. Vielleicht braucht League of Legends ihn aber auch gar nicht.

Dass selbst Riot offen zugibt, auf Fakers Karriereende nicht vorbereitet zu sein, zeigt, welchen Stellenwert der T1-Superstar mittlerweile erreicht hat.

Gleichzeitig macht die Diskussion deutlich, dass die Community gar keinen direkten Nachfolger erwartet. Faker gilt für viele Fans als einmaliges Phänomen – entstanden durch außergewöhnliches Talent, jahrelange Erfolge und einen Karriereverlauf, der sich kaum planen oder wiederholen lässt.

League of Legends wird auch nach seinem Rücktritt weiterbestehen und neue Stars hervorbringen. Einen zweiten Faker wird es jedoch vermutlich nie geben.

Florian Frick

Flo studiert Sportjournalismus und verbindet bei EarlyGame seine Leidenschaft fürs Schreiben und eSports. Er liebt CS, und zu sagen, dass er emotional werden kann, wenn er seine Lieblingsteams verfolgt, wäre untertrieben....