Gut 17 Monate ist Riots große Ankündigung nun her, sichtlich verändert hat sich eher weniger.
Vor fast anderthalb Jahren kündigte Riot große Verbesserungen bei der Erkennung von Inting und Griefing an. Seitdem wurden mehrere neue Systeme ausgerollt, von besserer Detection bis hin zu Account Linking. Ein aktueller Reddit-Thread zeigt aber: Viele Spieler sind immer noch nicht überzeugt, dass sich die Solo-Queue-Erfahrung wirklich spürbar verbessert hat.
Riot hatte große Verbesserungen versprochen
Im April 2025 erklärte Riot ziemlich offen, dass man bei Griefing-Detection nicht schnell genug mit der Entwicklung problematischer Spieler mitgehalten habe. Mit Patch 25.09 sollten deshalb deutlich bessere Systeme eingeführt werden, um absichtliches Feeding, Trolling und andere Formen von game-ruining behavior zuverlässiger zu erkennen.
Riot nannte damals auch eine konkrete Erwartung: Die neuen Systeme sollten pro Tag etwa zehnmal mehr legitime Bans für spielzerstörendes Verhalten auslösen als die bisherigen Gameplay-Detections. Gleichzeitig betonte Riot, dass man nicht genau offenlegen werde, wonach das System sucht, weil Spieler sonst leichter Wege finden könnten, es zu umgehen.
Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Kein Entwickler kann ein Anti-Griefing-System komplett erklären, ohne gleichzeitig eine Anleitung zum Ausweichen zu liefern. Das Problem ist nur: Wenn Spieler nicht sehen, was im Hintergrund passiert, bleibt am Ende vor allem ihr eigenes Gefühl aus der Solo-Queue. Und genau dieses Gefühl ist in der Community weiterhin gemischt.
Viele Spieler sehen im Alltag zu wenig Veränderung
Der aktuelle Reddit-Thread setzt genau dort an. Der Autor erinnert an Riots damalige Ankündigung und fragt, ob Riot das Thema inzwischen aufgegeben habe. Seine Begründung: Er sehe weiterhin Streamer, die auf Zweitaccounts griefen, Spieler mit gekauften oder gebotteten Accounts, Boosting-Verdacht und offensichtliches Inting, ohne dass die Folgen klar sichtbar seien.
In den Kommentaren wird diese Wahrnehmung teilweise geteilt. Einige Spieler sagen, sie hätten noch keine echte Verbesserung bemerkt. Besonders oft wird kritisiert, dass Systeme zwar sehr offensichtliches Verhalten erkennen, aber bei subtilerem Griefing versagen. Wer direkt in Türme rennt oder dauerhaft in der Base steht, ist leicht zu erkennen. Schwieriger wird es bei Spielern, die absichtlich schlechte Entscheidungen treffen, aber dabei noch so tun können, als wäre es nur ein normales schlechtes Spiel.
Genau hier liegt das Kernproblem. League ist zu komplex, um jedes absichtliche Fehlverhalten sauber von schlechter Performance zu trennen. Ein Spieler, der permanent rage-splittet, Objectives ignoriert oder absichtlich nie mit dem Team spielt, kann ein Spiel massiv ruinieren. Gleichzeitig kann ein automatisches System nicht einfach jeden schlechten Splitpush oder jede falsche Makro-Entscheidung bestrafen, ohne gefährlich viele False Positives zu riskieren.
Account-Linking war der nächste große Schritt
Riot hat das Thema allerdings nicht einfach fallen gelassen. Später kündigte das Unternehmen Maßnahmen gegen gekaufte, gebottete und geteilte Accounts an. Besonders wichtig ist dabei Penalty Linking: Strafen sollen auf mehrere Accounts angewendet werden, wenn Riot sehr sicher ist, dass sie derselben Person gehören.
Das adressiert eines der größten Probleme der Community: Wegwerf-Accounts. Wenn ein Spieler auf einem Smurf intet, gebannt wird und dann direkt auf dem nächsten Account weitermacht, wirkt jede Strafe zahnlos. Riot erklärte deshalb, dass Account-Linking über verschiedene Hardware- und Verhaltensdaten laufen soll, aber nur dann greift, wenn die Zuordnung extrem sicher ist.
Auch das ist verständlich, zeigt aber wieder den Konflikt. Hohe Sicherheit reduziert falsche Strafen, lässt aber potenziell mehr Täter durchrutschen. Eine aggressivere Erkennung könnte mehr Problemspieler treffen, würde aber auch das Risiko erhöhen, unschuldige Accounts zu bestrafen. Riot muss hier sehr vorsichtig sein, weil Account-Linking deutlich härtere Folgen haben kann als eine normale Einzelaccount-Strafe.
Community-Frust dreht sich auch um Bots und Scam-Accounts
Interessant ist, dass sich die Beschwerden der Community nicht nur um klassisches Inting drehen. Viele Kommentare sprechen auch über Level-1-Accounts, die Spieler nach Matches adden, offenbar oft mit dem Ziel, sie auf Discord oder andere Plattformen zu locken. Für viele fühlt sich das wie ein weiteres Zeichen an, dass Riots Maßnahmen gegen Bots und Wegwerf-Accounts nicht sichtbar genug greifen.
Riot hat zwar schon große Banwaves gegen gebottete und gekaufte Accounts kommuniziert, darunter Hunderttausende Ranked-Accounts und Millionen Accounts, die verkauft wurden oder auf Verkauf warteten. Trotzdem ist das Problem im Alltag für manche Spieler weiter präsent. Genau daraus entsteht der Eindruck: Wenn ich nach fast jedem Game Bot-Friend-Requests bekomme, wie viel wurde dann wirklich verbessert?
Das ist vielleicht nicht direkt dasselbe Problem wie Soft-Inting, gehört aber zur gleichen Wahrnehmung. Spieler beurteilen die Gesundheit des Spiels nicht nach internen Ban-Zahlen, sondern nach dem, was sie in ihren Lobbys, Friend-Requests und Match-Histories sehen.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich dazwischen
Die Community-Reaktionen sind nicht komplett einseitig. Einige Spieler berichten, dass AFK-Erkennung stärker wirkt oder dass sie tatsächliche Verbesserungen bemerken. Andere argumentieren, dass Banwaves bewusst nicht sofort sichtbar sein dürfen, weil Botter und Griefer sonst schneller herausfinden würden, was sie ausgelöst hat. Es gibt also durchaus Verständnis dafür, dass Riot nicht jede Maßnahme öffentlich erklären kann.
Trotzdem bleibt ein Kommunikationsproblem. Riot hat 2025 konkrete Fortschritte angekündigt und weitere Follow-ups versprochen. Wenn Spieler anderthalb Jahre später immer noch fragen, ob sich überhaupt etwas verändert hat, reicht „im Hintergrund passiert viel“ allein nicht mehr. Selbst wenn die Systeme besser sind, müssen Spieler das Gefühl bekommen, dass Reports eine Wirkung haben und Wiederholungstäter nicht einfach auf neue Accounts ausweichen.
Am Ende ist Griefing-Detection eines der schwierigsten Probleme in League. Offensichtliches Inting zu bestrafen ist relativ leicht. Soft-Inting, Rage-Splitting, absichtliches schlechtes Makro und Wegwerf-Accounts zuverlässig zu erkennen, ohne normale schlechte Spiele zu bestrafen, ist deutlich schwerer.
Riot hat das Thema wahrscheinlich nicht aufgegeben. Aber die aktuelle Diskussion zeigt, dass die Community mehr sichtbare Ergebnisse braucht. Nicht unbedingt genaue Detection-Details, aber klare Updates: Was funktioniert besser? Wo gibt es noch Probleme? Und wie oft greifen Account-Linking und neue Strafen wirklich? Solange diese Antworten fehlen, wird sich für viele Spieler jede neue Solo-Queue-Katastrophe wie ein Beweis anfühlen, dass sich nichts geändert hat.