Der neue Patch bringt Änderungen an Ranged Top, Teleport, Melee Supports sowie Buffs und Nerfs für zahlreiche Pro-Play-Picks.
Patch 26.19 ist der erste von zwei direkten Worlds-Patches für League of Legends. Laut Matthew „Phroxzon“ Leung-Harrison, Lead Gameplay Designer bei Riot Games, werden die Worlds 2026 auf Patch 26.20 gespielt. Entsprechend vorsichtig geht Riot vor: keine riesigen System-Reworks, sondern gezielte Eingriffe bei Pro-Play-Picks, Toplane-Balance, Supports und mehreren Champions, die aktuell zu stark oder zu schwach sind.
Ranged Top bleibt erlaubt – aber soll weniger miserabel für Melees sein
Einer der interessantesten Punkte betrifft Ranged Toplaner. Phroxzon sagt ziemlich offen, dass Riot die Beschwerden versteht. Wenn Ranged Tops zu stark werden, entstehen laut ihm „verschlechterte Low-Level-Spielzustände“ – also Lanes, in denen der Melee-Spieler kaum sinnvoll interagieren kann. Trotzdem will Riot Ranged Top nicht grundsätzlich entfernen.
Die Richtung ist eher: Ranged Tops sollen spielbar bleiben, aber mit einer vernünftigen Power-Kurve und genug Counterplay für Melees. Vor den Worlds will Riot deshalb nur kleinere Systemänderungen machen. Langfristig könnte genau das ermöglichen, Champions wie Vayne wieder stärker auf Bot zu balancen, ohne dass jeder Buff sofort Toplane eskalieren lässt.
Das ist ein sinnvoller Ansatz. Das Problem mit Ranged Top ist selten, dass solche Picks überhaupt existieren. Problematisch wird es, wenn der Lane-Gegner zehn Minuten lang kaum eine echte Entscheidung treffen darf. Riot versucht also eher, die schlimmsten Matchup-Zustände zu entschärfen, statt eine ganze Champion-Klasse aus der Rolle zu verbannen.
Toplane bekommt mehr Einfluss über Teleport
Riot sieht außerdem ein interessantes Skill-Bracket-Problem: In höherem Spielniveau ist die Toplane laut Phroxzon im Vergleich zur Botlane etwas schwächer, während Top in normalem Play sowohl populär als auch stark ist.
Deshalb wird nicht einfach die gesamte Rolle gebufft. Stattdessen soll der Teleport-Cooldown über die Top-Role-Quest verbessert werden. Gerade bessere Spieler nutzen Teleport deutlich effizienter, weshalb Riot hier gezielt High-Level-Agency erhöhen kann, ohne Low-Elo komplett umzubauen.
Vor allem Splitpush-Spieler könnten davon profitieren. Wenn Toplaner zuverlässiger Side Lanes spielen und trotzdem rechtzeitig bei Objectives oder Teamfights auftauchen können, bekommt die Rolle mehr Einfluss auf die Map, ohne dass ihre reine Laning-Power hochgeschraubt werden muss.
Melee Supports bekommen nach den Roaming-Nerfs Hilfe
Patch 26.16 hatte Support-Roaming deutlich reduziert. Laut Phroxzon ist das frühe Roaming vor Grub Spawn inzwischen wieder auf dem gewünschten Niveau – besonders im Pro Play.
Der Nebeneffekt: Enchanter und Ranged Supports dominieren wieder stärker. Deshalb erhöht Riot die HP-Regeneration für Melee-Supports, damit Champions wie Engage-Tanks Poke besser überstehen und nach einem schlechten Trade noch einmal einen Engage versuchen können.
Das soll ausdrücklich kein riesiger Meta-Swing werden. Riot will lediglich verhindern, dass Ranged Supports die Lane komplett kontrollieren, während Melee Supports nach einmaligem Poke faktisch aus dem Spiel genommen werden. Gerade vor den Worlds ist das wichtig, weil Support-Metas Drafts enorm stark prägen können.
Nasus wird erneut generft – diesmal wegen seiner neuen Stärke
Nasus steht wieder auf der Nerf-Liste. Riot hält grundsätzlich daran fest, dass einfache Champions auch in hohen Skill-Brackets stark sein dürfen. Einfachheit allein ist für Phroxzon kein Nerf-Grund.
Nasus ist laut Riot aber tatsächlich zu stark geworden. Seit der Änderung auf vier Q-Stacks pro normalem Last Hit hat er deutlich klarere Success Conditions: In freien Matchups skaliert er extrem zuverlässig, während er gegen echten Lane-Druck besser kontrollierbar bleibt.
Das klingt eigentlich gesund, erzeugt aber ein Teamproblem. Wenn der Lane-Gegner Nasus nicht effektiv stoppen kann, trifft der Rest des Teams später auf einen bereits extrem gescalten Champion, obwohl er selbst kaum Möglichkeiten hatte, diesen Prozess zu beeinflussen. Riot hält die grundsätzliche Form seines Kits deshalb für richtig, will seine allgemeine Power aber etwas niedriger ansetzen.
Lucian Mid kehrt zurück – und die Community ist skeptisch
Mit Lucian passiert etwas besonders Interessantes: Riot plant einen Buff für die Midlane, gleichzeitig aber einen Nerf für seine Bot-Version.
Das ist fast eine Umkehr der vergangenen Jahre. Lucian wurde lange gezielt stärker an Supports gebunden, um ihn aus Solo-Lanes zu verdrängen. Jetzt scheint Riot zumindest wieder etwas mehr Raum für Mid Lucian schaffen zu wollen.
Die Reddit-Reaktionen fallen entsprechend gemischt aus. Einige Spieler fragen sich, warum Riot Mid Lucian zurückbringen will, obwohl seine Passive bewusst so gestaltet wurde, dass er mit einem Support besser funktioniert. Andere vermuten, dass Riot damit bewusst mehr AD-Mid-Optionen schaffen und AP-Jungler indirekt attraktiver machen will.
Orianna, Ryze und andere Pro-Picks werden vor Worlds getroffen
Bei den Nerfs stehen außerdem Vi, Nocturne, Poppy, Orianna, Rumble, Ryze und Lucian Bot. Das ist eine Liste, die stark nach Pro Play aussieht.
Besonders Orianna sorgt in der Community für Diskussionen. Mehrere Spieler verweisen darauf, dass ihre Solo-Queue-Winrate ohnehin schwach ist und sehen den Nerf deshalb klar als Worlds-Maßnahme. Genau solche Eingriffe sind kurz vor internationalen Turnieren typisch: Ein Champion kann in normalem Play mittelmäßig wirken, aber durch Draft-Flexibilität, zuverlässige Teamfights oder Pro-Koordination trotzdem zu viel Priority bekommen.
Auf der Buff-Seite stehen Elise, Fiora, Volibear, Aatrox, Aphelios, Draven, Lucian Mid, Kha’Zix, Lillia und Aurora. Das deutet darauf hin, dass Riot vor den Worlds bewusst mehr Draft-Optionen öffnen will, ohne die Meta komplett umzuschreiben.
26.19 ist klar ein Worlds-Patch
Die Community hat mit einem Punkt ziemlich recht: Patch 26.19 ist deutlich stärker auf Pro-Play ausgerichtet als ein normaler Solo-Queue-Patch. Genau das sagt Phroxzon aber auch selbst. Es ist das erste von zwei Worlds-Updates, bevor 26.20 die Turnier-Version wird.
Riot versucht deshalb gerade weniger, jedes Solo-Queue-Problem zu lösen, sondern die Worlds-Meta in einen gesunden Zustand zu bringen: Ranged Top soll weniger oppressiv sein, Toplane bekommt gezielte Agency, Melee-Supports sollen wieder konkurrenzfähiger werden, und klassische Pro-Picks wie Orianna, Vi oder Rumble werden etwas eingebremst. 26.19 ist damit vielleicht kein spektakulärer Patch für normale Spieler. Für die Worlds könnte er aber einer der wichtigsten des Jahres sein.