Patch 26.21 ist Riots erster Post-Worlds-Patch.
Während die Worlds 2026 noch auf Patch 26.20 gespielt werden, plant Riot bereits die Zeit danach. Patch 26.21 ist laut Matthew „Phroxzon“ Leung-Harrison, Lead Gameplay Designer für League of Legends, der erste echte Post-Worlds-Patch. Der Fokus verschiebt sich deshalb klar: weniger Pro-Play-Balance, mehr Stabilität für die Solo-Queue und den letzten Ranked-Climb der Saison.
Pro-Play-Champions bekommen wieder Luft
Der vielleicht wichtigste Punkt ist, dass Riot mehrere Champions wieder anheben will, deren Winrates durch Pro-Play-Balance über Monate gedrückt wurden. Phroxzon nennt dabei explizit Azir, Orianna und Ryze.
Das ist ein typisches Muster nach einem großen internationalen Turnier. Vor den Worlds werden Champions wie Orianna oder Ryze oft vorsichtiger behandelt, weil sie in koordinierten Drafts deutlich mehr Wert haben als in normaler Solo-Queue. Sobald das Turnierfenster vorbei ist, kann Riot wieder stärker auf Durchschnittsspieler schauen.
Genau deshalb ist 26.21 interessant. Riot muss nicht mehr verhindern, dass ein Champion plötzlich 90 Prozent Draft-Presence bei den Worlds erreicht. Stattdessen kann es sich wieder fragen: Macht dieser Champion für normale Spieler überhaupt noch genug Spaß und ist er stark genug, um sinnvoll gespielt zu werden?
Lee Sin und Qiyana werden eingebremst
Auf der anderen Seite stehen zwei Jungler im Fokus: Lee Sin und Qiyana.
Phroxzon beschreibt beide als zwei der stärksten Jungler, besonders in höheren Skill-Brackets und in bestimmten Regionen. Entsprechend bekommen beide Nerfs. Riot ist bei Qiyana allerdings vorsichtig, weil gleichzeitig Bastionbreaker generft wird und sie dadurch indirekt ebenfalls Power verliert.
Das ist genau die Art von Doppel-Nerf, die schnell zu hart ausfallen kann. Wenn ein Champion direkt schwächer gemacht wird und gleichzeitig eines seiner wichtigsten Items verliert, kann er von „zu stark“ sehr schnell zu „praktisch verschwunden“ kippen.
Riot scheint das diesmal bewusst vermeiden zu wollen.
Yasuo und Yone bekommen einen neuen Schwachpunkt
Yasuo und Yone sind ebenfalls spannend. Beide kaufen inzwischen deutlich häufiger Immortal Shieldbow als erstes Item – und Riot findet das grundsätzlich sogar gut.
Phroxzon erklärt, dass frühe Synergie mit ihrer Passive gut zur Champion-Fantasie passt. Gleichzeitig gefällt Riot nicht, wenn sie schon vorher über Vampiric Scepter zu viel Lane-Sustain bekommen. Das mache die Lanephase zu sicher und reduziere die Möglichkeiten, beide Champions vor ihrem ersten fertigen Item zu bestrafen.
Die Idee ist deshalb ziemlich klar: Yasuo und Yone dürfen nach dem ersten Item stark sein, sollen davor aber verwundbarer bleiben.
Das ist ein interessanter Balance-Ansatz. Riot nimmt ihnen nicht einfach pauschal Power weg, sondern versucht, ihre Power-Kurve klarer zu definieren: schwächere Lane vor dem Spike, stärkeres Gefühl nach dem Item-Completion.
Bastionbreaker wird strategischer statt einfach nur stark
Das größte System-Thema ist Bastionbreaker.
Das Item ist aktuell offenbar schlicht zu effizient. Besonders die hohe Lethality sorgt dafür, dass Assassins damit gleichzeitig Champions töten und starken Map- beziehungsweise Structure-Impact erzeugen können. Riot will deshalb Power aus den reinen Stats herausnehmen und stärker in die Sabotage-Passive verschieben.
Der wohl wildeste Teil: Riot testet eine praktisch unbegrenzte Dauer für Sabotage. Das soll Bastionbreaker stärker zu einem echten strategischen Item machen und weniger zu einem normalen Lethality-Statstick.
Die Idee passt gut zu Riots aktueller Item-Philosophie. Strategische Items sollen wegen ihres besonderen Effekts gekauft werden – nicht, weil sie zufällig auch noch die besten rohen Stats bieten.
Hubris, Dawncore und Gluttonous Greaves werden ebenfalls angefasst
Auch mehrere andere Items bekommen Änderungen.
Gluttonous Greaves sind laut Phroxzon besonders auf Marksmen zu stark und werden deshalb etwas abgeschwächt. Hubris wird für Ranged-Champions generft, während Melee-Champions sogar einen Buff bekommen. Riot will damit verhindern, dass das Item vor allem auf Picks wie Jhin oder Miss Fortune glänzt, während seine eigentlichen Assassin-Nutzer weniger davon haben.
Dawncore geht in die andere Richtung. Das Item wird aktuell fast nur gekauft, wenn ein Enchanter ohnehin schon deutlich vorne liegt. Riot will es wieder zu einem echten Capstone-Item machen, das auch in normalen Games attraktiv ist.
Das ist ein guter Hinweis darauf, wohin 26.21 geht: nicht radikal, sondern strukturell. Riot versucht, Items stärker in klar definierte Rollen zu drücken.
Mehr als 20 Champions stehen auf der Liste
Patch 26.21 wird trotzdem ziemlich groß. Neben den genannten Fällen stehen zahlreiche Buffs, Nerfs und Adjustments auf dem Plan. Buffs gibt es unter anderem für Azir, Orianna, Ryze, Nunu, Sion, Taliyah, Vel’Koz, Xin Zhao und Zyra. Nerfs treffen unter anderem Caitlyn, Jinx, Lee Sin, Nidalee, Qiyana, Rammus, Tristana, Viktor, Wukong, Yasuo und Yone.
Dazu kommen Adjustments für Locke, Renekton, Varus und Zaahen sowie Quality-of-Life-Änderungen für Taric und Twisted Fate. Taric soll seine Q und R wieder auf untargetable Allies anwenden können, während Twisted Fates Ultimate künftig auch untargetable Units aufdecken soll.
Das klingt nach Kleinkram, kann aber gerade in Solo-Queue einen großen Unterschied machen.
26.21 ist der Anti-Worlds-Patch
Der vielleicht beste Weg, 26.21 zu beschreiben, ist deshalb: Es ist der Gegenentwurf zum Worlds-Patch.
26.20 wurde gebaut, um Pro Play stabil, abwechslungsreich und fair zu halten. 26.21 darf sich wieder stärker darum kümmern, wie sich League für normale Spieler anfühlt. Riot hebt deshalb alte Pro-Play-Opfer wieder an, nerft dominante Solo-Queue-Jungler, korrigiert Item-Ausreißer und versucht, Champions über klarere Stärken und Schwächen zu balancen.
Phroxzon formuliert die Philosophie dahinter ziemlich klar: Riot will Stärken erhalten, aber Power so verteilen, dass Schwächen wieder sichtbar werden und Champions dadurch insgesamt gesünder wirken.
Genau das macht 26.21 spannend. Die Worlds sind noch nicht vorbei – aber Riot arbeitet schon daran, League danach wieder für den normalen Ranked-Alltag zurechtzurücken.