Renekton Top: Warum der Krokodil-Pick besser ist, als er aussieht

Bei nur etwa 5,6%-Pickrate auf den höheren Rängen lohnt sich ein genauerer Blick.

Renekton Top Lo L
Eher ein Nischending oder sogar das Potential Meta zu sein? | © Riot Games

Renekton Top klingt im Jahr 2026 nicht unbedingt nach dem spannendsten Pick in League of Legends. Der Champion ist alt, sein Kit ist vergleichsweise simpel, und in vielen Metas wirkt er eher wie ein Comfort-Pick für Spieler, die ihre Lane gewinnen wollen, ohne später automatisch das gesamte Game zu übernehmen. Trotzdem ist Renekton alles andere als ein Troll-Pick. Gerade auf der Toplane erfüllt er immer noch eine Rolle, die viele modernere Champions nicht so zuverlässig abdecken.

Renektons Stärke ist Kontrolle über die Lane

Renekton ist kein Champion, den man pickt, weil man in Minute 40 der beste Hypercarry im Spiel sein will. Man pickt ihn, weil man die ersten 15 Minuten diktieren möchte. Sein ganzes Kit ist darauf ausgelegt, kurze Trades zu gewinnen, gegnerische Toplaner aus der Wave zu drücken und mit Fury klare Power-Spikes zu erzeugen.

Das macht ihn besonders angenehm in Matchups, in denen man früh Druck aufbauen kann. Mit Slice and Dice kommt Renekton in Trades hinein und oft auch wieder heraus. Ruthless Predator gibt ihm zuverlässigen Single-Target-CC, der besonders stark ist, wenn die Ability empowered ist. Cull the Meek sorgt für Schaden und Sustain in der Wave. Dazu kommt Dominus als Ultimate, die ihn in All-ins und Skirmishes deutlich schwerer zu töten macht.

Kurz gesagt: Renekton ist ein Laning-Bully mit eingebauter Fehlerverzeihung. Er muss nicht perfekt skalieren, weil sein Job oft ist, den Gegner gar nicht erst bequem ins Spiel kommen zu lassen.

Warum er trotzdem nicht immer dominant wirkt

Das Problem: Toplane zu gewinnen bedeutet nicht automatisch, das Game zu gewinnen. Genau hier liegt einer der größten Gründe, warum Renekton manchmal underwhelming wirkt. Er kann seine Lane gewinnen, Plates holen, den gegnerischen Toplaner klein halten – und trotzdem später merken, dass Botlane, Midlane oder Jungle das Spiel längst entschieden haben.

Renekton ist stark, wenn er Tempo in echte Vorteile übersetzt. Wenn er nur 20 CS vorne ist, aber keine Herald-Plays, keine Dives, keine Roams und keine Objective-Präsenz daraus entstehen, fällt seine Stärke irgendwann ab. Er ist kein Kayle, kein Aurelion Sol und kein Nasus, der einfach weiter skaliert, bis das Game von allein zu ihm kommt.

Deshalb ist Renekton oft besser bei Spielern, die aktiv mit ihrem Lead arbeiten. Lane gewinnen reicht nicht. Man muss mit Level 6 und ersten Items Druck auf die Map bringen, den Jungler unterstützen, Topside kontrollieren oder dem gegnerischen Carry in Teamfights das Leben schwer machen.

Der Pick ist simpel, aber nicht brainless

Renekton wirkt auf den ersten Blick einfach, aber seine Skill-Expression liegt weniger in komplizierten Combos und mehr in Timing. Wann nutzt man Fury? Wann tradet man mit empowered W statt empowered Q? Wann hält man Dash 2 zurück? Wann geht man all-in, und wann nimmt man nur einen kurzen Trade?

Genau diese Entscheidungen machen den Champion interessanter, als sein Ruf manchmal vermuten lässt. Schlechte Renekton-Spieler dashen rein, drücken alles und wundern sich, warum sie später nutzlos sind. Gute Renekton-Spieler nutzen jeden Fury-Balken, jede Wave und jeden Level-Spike, um den Gegner permanent unter Druck zu setzen.

Renekton bestraft außerdem mangelndes Matchup-Wissen. Wer seine Damage-Windows nicht kennt, geht oft in schlechte Trades. Wer nicht versteht, wann der gegnerische Toplaner stärker skaliert, verpasst sein Zeitfenster. Gerade deshalb ist er als Mate-Pick gar nicht schlecht: Wenn jemand Renekton wirklich oft spielt, ist der Champion deutlich besser als seine reine Tierlist-Platzierung vermuten lässt.

In welche Comps passt Renekton?

Renekton funktioniert am besten, wenn sein Team früh mitspielen kann. Er liebt Jungler, die Topside bedrohen und seinen Stun als Setup nutzen können. Ein früher Gank auf einen Gegner ohne Flash kann mit Renekton sehr schnell zu einem Kill werden. Auch Skirmish-Jungler profitieren davon, dass Renekton früh kämpfen kann und nicht erst zwei Items braucht.

Schwieriger wird es, wenn das eigene Team komplett auf Scaling spielt und Renekton keinen echten Follow-up bekommt. Dann gewinnt er vielleicht Lane, aber niemand nutzt seinen Druck. Auch gegen Teams mit viel Range, Peel und Disengage kann er später Probleme bekommen, weil er zwar reinkommt, aber nicht immer sauber am Carry bleibt.

Seine beste Rolle ist deshalb nicht „1v9-Carry”, sondern Early-Game-Anker. Er stabilisiert Top, gibt dem Jungler Optionen und zwingt den Gegner, seine Seite der Map ernst zu nehmen.

Ist Renekton Top aktuell worth?

Ja, aber mit klarer Einschränkung. Renekton ist aktuell kein Pick, der jede Lobby kostenlos gewinnt. Er ist eher ein solider Comfort-Pick für Spieler, die Toplane aktiv spielen, ihre Matchups kennen und frühe Leads in Tempo umwandeln können. Seine Zahlen wirken solide, aber nicht absurd; genau das passt zu seinem Zustand. Er ist spielbar, aber nicht so stark, dass man ihn blind jedem empfehlen würde.

Für Casuals oder Mates, die „einfach Toplane hauen“ wollen, kann Renekton sogar ziemlich sinnvoll sein. Man bekommt ein klares Gameplan-Paket: früh Druck machen, Fury gut nutzen, mit dem Jungler spielen, Midgame-Fights suchen und nicht darauf warten, dass man im Ultra-Late noch der wichtigste Champion ist.

Renekton ist also kein Troll-Pick. Er ist eher ein ehrlicher Toplane-Test. Wenn du gut bist, gibt er dir früh Kontrolle. Wenn du nichts aus dieser Kontrolle machst, erinnert er dich ziemlich brutal daran, warum Toplane manchmal die frustrierendste Rolle im Spiel ist.

Florian Frick

Flo studiert Sportjournalismus und verbindet bei EarlyGame seine Leidenschaft fürs Schreiben und eSports. Er liebt CS, und zu sagen, dass er emotional werden kann, wenn er seine Lieblingsteams verfolgt, wäre untertrieben....