Fast 300.000 Bans und das ist noch nicht alles.
Riot Games geht deutlich härter gegen Rank-Manipulation vor. Seit Ende 2025 wurden insgesamt 296.416 Accounts in League of Legends und VALORANT sanktioniert. Im Mittelpunkt stehen Boosting, gekaufte oder gebottete Accounts und Spieler, die sich absichtlich von stärkeren Accounts hochziehen lassen. Für League ist das der bislang deutlichste Beleg dafür, dass Riots Anti-Boosting-Offensive nicht nur auf dem Papier existiert.
Was Riot unter Rank-Manipulation versteht
Die wichtigste Unterscheidung zuerst: Nicht jeder Smurf ist automatisch verboten.
Riot erlaubt weiterhin alternative Accounts, solange Spieler sie selbst erstellen, selbst leveln und in Ranked ernsthaft auf ihrem tatsächlichen Niveau spielen. Ein zweiter Account für eine andere Rolle, einen One-Trick oder zum Spielen mit Freunden ist grundsätzlich erlaubt. Problematisch wird es, wenn Accounts gekauft, durch Bots gelevelt, geteilt oder gezielt auf einem künstlich niedrigen MMR gehalten werden.
Besonders im Fokus steht Boosting. Damit meint Riot Fälle, in denen ein stärkerer Spieler auf dem Account einer anderen Person Ranked spielt, um dessen MMR und Rang künstlich zu erhöhen.
Dazu kommt sogenanntes Hitchhiking oder Bussing. Dabei spielt der eigentliche Account-Besitzer zwar selbst, queued aber gezielt mit einem Booster oder manipulierten Smurf, um leichter aufzusteigen. Riot kann in solchen Fällen den unverdienten Rang wieder entfernen und Sanktionen verhängen.
Für League ist das relevant, weil genau diese Accounts seit Jahren einen Teil der Ranked-Frustration ausmachen: Level-30-Accounts mit ungewöhnlicher Match-History, massive Skill-Unterschiede und Spieler, deren tatsächliche Spielstärke offensichtlich nicht zu ihrer sichtbaren Elo passt.
Vanguard soll Booster auch auf ihren Main-Accounts treffen
Der wohl wichtigste neue Aspekt ist, dass Riot nicht mehr nur den einzelnen Boosting-Account betrachtet.
Phillip „mirageofpenguins“ Koskinas erklärte in Riots aktuellem Vanguard-Update, dass gekaufte Accounts oder Accounts ohne echten Besitzer dauerhaft gesperrt werden können. Wenn Riot einen bekannten Booster erkennt und ihm weitere Accounts – inklusive eines Main-Accounts – zuverlässig zuordnen kann, können auch dort eskalierende Strafen folgen.
Damit versucht Riot eines der größten Probleme klassischer Account-Bans zu lösen. Einen billigen Wegwerf-Account zu sperren, bringt wenig, wenn der Spieler fünf Minuten später auf dem nächsten weitermacht. Eine Sanktion, die bis zum eigentlichen Main-Account reicht, verändert das Risiko dagegen deutlich.
Riot ist dabei bewusst vorsichtig. Laut den eigenen FAQs reicht beispielsweise eine gemeinsame IP-Adresse nicht aus, um Accounts miteinander zu verknüpfen. Das Unternehmen sagt, mehrere Signale zu verwenden, bevor eine solche Zuordnung erfolgt.
Fast 300.000 Bans – Riot ist aber noch nicht fertig
Die Zahl von 296.416 Accounts ist beeindruckend, braucht aber Kontext. Sie umfasst sowohl League als auch VALORANT und bezieht sich auf Rank-Manipulation seit Ende 2025. Riot veröffentlicht in dem Vanguard-Beitrag keine Aufteilung, wie viele davon konkret League-Accounts sind.
Trotzdem ist die Zahl relevant, weil Riot selbst sagt, dass das System noch nicht auf voller Leistung arbeitet. In den kommenden Monaten soll Rank Removal stärker eingesetzt werden, während gleichzeitig zusätzliche technische Hürden gegen Wegwerf-Accounts geplant sind.
Dazu gehören stärkere Account- und Geräteverifikation, etwa über Multi-Factor-Authentication, TPM 2.0 und Vanguard Hardware Attestation. Die Idee dahinter ist simpel: Je aufwendiger es wird, ständig neue Ranked-Accounts zu erzeugen, desto schlechter funktioniert das Geschäftsmodell hinter Boosting und Account-Verkäufen.
Die Community fragt trotzdem: Reicht das?
Die erste Reaktion aus der League-Community ist erwartbar gemischt. Der aktuelle Reddit-Thread bekam viel Aufmerksamkeit, gleichzeitig fragen einige Spieler weiterhin, warum sie regelmäßig auf verdächtige Low-Level-Accounts treffen. Andere halten dagegen, dass fast 300.000 Sanktionen offensichtlich nicht nur Streamer oder prominente Booster betreffen können.
Ein weiterer Diskussionspunkt bleibt klassisches Smurfing. Riot zieht die Grenze anders als Teile der Community. Wer selbst einen neuen Account levelt und darauf ernsthaft spielt, verstößt nicht automatisch gegen die Regeln – selbst wenn er zunächst deutlich besser ist als seine Gegner. Verboten wird es erst, wenn absichtlich der Rang gedrückt, ein Account gekauft oder das Matchmaking anderweitig manipuliert wird.
Genau dort bleibt ein Spannungsfeld. Für einen Silver-Spieler kann ein legitimer Diamond-Smurf genauso frustrierend wirken wie ein gekaufter Account. Für Riot sind das regulatorisch aber zwei unterschiedliche Fälle.
Für Ranked ist es trotzdem ein wichtiger Schritt
Rank-Manipulation wird sich wahrscheinlich nie komplett aus League entfernen lassen. Solange Rang einen Wert hat, wird es Spieler geben, die versuchen, das System abzukürzen.
Die interessante Veränderung ist deshalb nicht nur die Ban-Zahl. Riot versucht zunehmend, die Infrastruktur dahinter unattraktiv zu machen: gebottete Accounts entfernen, Booster über mehrere Accounts verfolgen, Hitchhiker bestrafen und neue Accounts schwieriger als Wegwerfprodukte nutzbar machen.
296.416 Sanktionen über League und VALORANT lösen das Ranked-Problem nicht über Nacht. Sie zeigen aber, dass Riot inzwischen wesentlich aggressiver gegen ein Problem vorgeht, über das League-Spieler seit Jahren klagen.
Für ehrliche Spieler bleibt die Regel dabei ziemlich simpel: eigener Account, selbst gelevelt, selbst gespielt. Alles, was den Rang künstlich manipuliert, wird zunehmend riskanter.