Wir vergleichen Riots aktuelles Format mit den alten Groups und schauen auf mögliche Alternativen.
Die Diskussion ist fast so alt wie das Swiss-Format selbst: Sind Best-of-Ones bei den Worlds wirklich noch angemessen? Mit dem Beginn der Worlds werden auch wieder Forderungen laut, die komplette Swiss Stage auf Best-of-Three umzustellen. Das würde stärkere Teams zuverlässiger belohnen und mehr Fearless Drafts bringen – gleichzeitig aber einen der größten Vorteile des aktuellen Formats opfern: viele internationale Matchups in relativ kurzer Zeit.
Das aktuelle Format ist bereits ein Kompromiss
Riot führte die Swiss Stage 2023 als Ersatz für die klassische Group Stage ein. Früher wurden die 16 Main-Event-Teams auf vier Gruppen verteilt und spielten jeweils zweimal im Best-of-One gegeneinander. Die beiden besten Teams jeder Gruppe kamen ins Viertelfinale.
Swiss sollte genau die Schwächen dieses Systems reduzieren: weniger tote Games, weniger Abhängigkeit vom Draw und mehr direkte Duelle zwischen Teams mit ähnlichem Record.
Heute gilt: Drei Siege bedeuten Viertelfinale, drei Niederlagen das Aus. Die frühen Matches sind BO1, aber sobald Advancement oder Elimination auf dem Spiel stehen, wird Best-of-Three gespielt.
Dadurch spielt jedes Team mindestens ein BO3. Wer 2-0 oder 0-2 startet, bekommt seine erste Serie direkt in Round 3. Teams mit 1-1 spielen noch einmal BO1 und stehen danach zwangsläufig bei 2-1 oder 1-2 – also ebenfalls vor einer BO3-Serie. Das System entscheidet also niemanden ausschließlich über einzelne Games.
Trotzdem bleibt BO1 sehr volatil
Das stärkste Argument gegen BO1s ist simpel: Ein einziges Game kann sehr schnell kippen.
Ein schlechter Level-1-Fight, ein ungewöhnlicher Draft oder ein missglückter Baron können reichen. In einem BO3 bekommt ein Team wenigstens die Möglichkeit, Draft, Side Selection und Gameplay an den Gegner anzupassen.
Gerade auf Worlds-Niveau ist diese Anpassungsfähigkeit Teil der Qualität eines Teams.
Hinzu kommt Fearless Draft. In einer Best-of-Three-Serie verändert sich der Champion-Pool mit jedem Game, wodurch weniger ständig dieselben Meta-Picks auftauchen. Mehr BO3s könnten damit nicht nur sportlich fairer, sondern auch interessanter im Draft sein.
BO1s haben aber einen klaren Vorteil
Der erste Worlds-Tag mit acht verschiedenen Matchups funktioniert gerade deshalb so gut, weil die Spiele kurz genug sind.
Innerhalb weniger Stunden bekommen wir Korea gegen China, Europa gegen die LCK, NA gegen den LCP und weitere Cross-Regional-Duelle. Würden sämtliche Matches BO3 gespielt, müsste Riot die Swiss Stage deutlich verlängern oder mehrere Serien gleichzeitig übertragen.
Dazu kommen Upsets. Ein Außenseiter muss einen Favoriten im BO1 nicht zweimal schlagen. Ein starker Draft und ein sehr gutes Game reichen.
Aus sportlicher Sicht ist genau das die Schwäche des Formats. Aus Zuschauersicht sorgt es aber regelmäßig für einige der größten Überraschungen des Turniers.
Counter-Strike zeigt denselben Konflikt
Counter-Strike führt praktisch dieselbe Diskussion. Auch dort wurden Majors lange mit BO1s für normale Swiss-Matches und BO3s für Advancement und Elimination gespielt.
Seit CS2 das Format von MR15 auf MR12 verkürzt hat, wurde die Kritik an BO1s noch größer, weil einzelne Maps durch weniger Runden noch volatiler geworden sind.
Beim IEM Cologne Major 2026 wurde Stage 3 deshalb erstmals komplett als BO3-Swiss gespielt, und auch beim PGL Major Singapore soll diese wichtigste Swiss-Phase nach aktuellem Stand wieder vollständig als BO3 ausgetragen werden.
Vielleicht braucht League nur einen kleinen Schritt
Eine interessante Lösung wäre deshalb, nicht sofort jedes Match auf BO3 umzustellen.
Round 1 und Round 2 könnten Best-of-One bleiben. So behält Riot den schnellen Turnierstart, viele unterschiedliche Matchups und den Upset-Faktor. Ab Round 3 könnte dagegen jedes Match als BO3 gespielt werden – inklusive der 1-1-Duelle. Das wäre keine riesige Revolution. Schon heute sind alle anderen Round-3-Matches Best-of-Three. Riot müsste lediglich die 1-1-Matches erweitern.
Damit würden die Worlds etwas länger, aber ein wichtiger Kritikpunkt wäre verschwunden: Kein Team würde nach drei einzelnen Games plötzlich nur noch eine Serie vom Aus entfernt stehen. Das aktuelle Swiss-System ist bereits deutlich fairer als die alten Groups. Jedes Team bekommt mindestens eine Serie, und niemand kann ausschließlich durch drei BO1-Niederlagen ausscheiden.
Trotzdem bleibt die Frage berechtigt. Wenn Riot ohnehin immer stärker auf Fearless Draft und Best-of-Serien setzt, wäre ein bisschen weniger BO1 bei den Worlds wahrscheinlich kein schlechter nächster Schritt.