Worlds 2026: T1 und iG ziehen ins Viertelfinale ein – MKOI und LYON bekommen eine letzte Chance

Vier der acht Viertelfinalisten der Worlds 2026 stehen bereits fest.

T1 Worlds 2026
T1 steht erneut im Viertelfinale der Worlds. | © Riot Games

Der nächste wichtige Tag der Worlds 2026 ist gespielt. T1 und Invictus Gaming haben ihre 2-1-Serien gewonnen und stehen damit sicher in der Knockout-Stage. Movistar KOI und LYON sind dagegen noch nicht ausgeschieden, fallen aber auf 2-2 und bekommen nur noch eine letzte Chance.

T1 und die Worlds – langsam wird es absurd

T1 hat die Knockout-Stage erneut erreicht. Was bei fast jedem anderen Team ein großer Erfolg wäre, wirkt bei dieser Organisation inzwischen beinahe wie Routine.

Der dreimalige Titelverteidiger schlug Movistar KOI mit 2-0 und steht damit bei 3-1. Seit dem Beginn der Worlds-Historie von T1 beziehungsweise SK Telecom T1 hat die Organisation bei einer Teilnahme noch nie schlechter als in den Top 4 abgeschnitten. Auch 2026 bleibt dieser außergewöhnliche Run also mindestens bis ins Viertelfinale am Leben.

Dabei war Game 1 deutlich enger, als das Endergebnis vermuten lässt. MKOI startete gut, spielte die frühen Objectives sauber und brachte T1 mehrfach in unangenehme Situationen. Das Spiel kippte erst rund um Baron, als die Europäer zwei Skirmishes hintereinander verloren.

Später bekam MKOI noch einmal eine Chance. Beim entscheidenden Fight um die Dragon Soul geriet David „Supa“ Martínez García auf Kai’Sa jedoch in eine schlechte Position und wurde von Choi „Doran“ Hyeon-juns Ambessa-Ultimate erwischt. T1 verwandelte den Pick direkt in einen Ace und anschließend in den Sieg.

Game 2 war deutlich brutaler. T1 kontrollierte die Map praktisch von Beginn an und lag nach rund 20 Minuten bereits etwa 10.000 Gold vorne. MKOI fand zwar noch einen Teamfight, aber zu diesem Zeitpunkt war der Rückstand kaum noch aufzuholen.

Doran wird zum entscheidenden Faktor

Besonders stark war Doran. Der Toplaner beendete die Serie mit einer kombinierten KDA von 10/0/17 und starb über beide Games kein einziges Mal. In Game 1 entschied seine Ambessa-Ultimate den wichtigsten Fight, im zweiten Game übernahm er auf Gwen erneut die Toplane.

Das ist gerade deshalb interessant, weil bei T1 international primär über Lee „Faker“ Sang-hyeok, Mun „Oner“ Hyeon-jun oder Ryu „Keria“ Min-seok gesprochen wird. Gegen MKOI brauchte es aber keinen klassischen Faker-Masterclass-Tag. T1 bekam den größten Unterschied auf der Toplane.

Und genau solche Serien machen das Team bei den Worlds so gefährlich. T1 muss nicht immer über dieselbe Win-Condition gewinnen. Wenn Faker nicht das komplette Game übernimmt, kann Doran carryen. Wenn die Toplane ruhig bleibt, übernehmen Oner oder die Botlane.

Pünktlich zur Knockout-Stage wirkt der Titelverteidiger damit erneut deutlich gefährlicher als noch während vieler Phasen der regulären Saison.

iG ist erstmals seit 2019 wieder unter den besten acht

Die zweite Qualifikation des Tages war deutlich dramatischer. Invictus Gaming setzte sich mit 2-1 gegen LYON durch und steht damit erstmals seit 2019 wieder in den Worlds-Playoffs. Für Kang „TheShy“ Seung-lok und Song „Rookie“ Eui-jin ist das eine besondere Story: Beide waren schon Teil des legendären iG-Rosters, das 2018 die Worlds gewann. Jetzt stehen sie acht Jahre später erneut gemeinsam in der Knockout-Stage.

Game 1 ging relativ klar an iG. LYON versuchte früh Druck aufzubauen, fand danach aber kaum Wege zurück auf die Map. Vor allem Kacper „Inspired“ Słoma kam auf Nocturne schlecht ins Spiel, während iG seine Vorteile kontrolliert ausspielte.

LYON antwortete jedoch stark. Im zweiten Game funktionierte das deutlich langsamere Setup besser, und Niship „Dhokla“ Doshi auf Olaf sowie Jonah „Isles“ Rosario auf Alistar ermöglichten dem LCS-Team mehrere starke Late-Game-Teamfights. Dadurch ging die Serie tatsächlich in Game 3.

JiaQi entscheidet Game 3 praktisch schon in der Lane

Das entscheidende Game kippte dann sehr früh. Nach einem Gank von Inspired fand Zi „JiaQi“ Jia-Qi auf Caitlyn in einer 2v3-Situation zwei Kills. Damit war die Botlane praktisch sofort geöffnet. Schon nach rund 15 Minuten hatte JiaQi laut Match-Recap einen individuellen Goldvorsprung von etwa 2.800 gegenüber Lucian. iG lag insgesamt rund 4.000 Gold vorne.

LYON bekam danach ein grundlegendes Problem: Fast jede Lane benötigte Aufmerksamkeit, während Inspired unmöglich überall gleichzeitig helfen konnte. JiaQi skalierte außer Kontrolle, TheShy baute ebenfalls einen klaren Vorteil auf und iG spielte die Serie anschließend konsequent zu Ende.

Yan „Wei“ Yang-Wei wurde zum MVP der Serie gewählt, doch JiaQi bleibt eine der größten positiven Überraschungen dieser Worlds. Der ADC spielt sein erstes Worlds-Turnier und wirkt trotzdem neben Veteranen wie TheShy, Rookie und Tian „Meiko“ Ye keineswegs wie ein Rookie.

MKOI und LYON leben noch – aber nur knapp

Für Movistar KOI und LYON bedeutet die Niederlage noch nicht das Aus. Beide Teams stehen nun bei 2-2 und erhalten in Runde 5 eine letzte Best-of-Three-Serie. Der Sieger erreicht das Viertelfinale, der Verlierer scheidet aus.

Gerade für MKOI ist das bitter. Das Team stand bereits bei 2-0 und hatte gegen Dplus KIA die erste Chance auf die direkte Qualifikation. Nach Niederlagen gegen DK und T1 ist der komfortable Start nun komplett aufgebraucht.

LYON hat einen etwas anderen Weg genommen. Der LCS-Vertreter überraschte bereits früh im Turnier und nahm sogar Gen.G ein Game ab. Gegen iG war erneut genug Qualität vorhanden, um die Serie offen zu halten. Doch auch LYON bekommt jetzt keine weitere Ausrede: Noch ein BO3 entscheidet über die gesamte Worlds-Reise.

Korea hat bereits drei Teams sicher im Viertelfinale

Mit T1s Sieg wird die regionale Lage ebenfalls immer deutlicher. Gen.G und Dplus KIA waren bereits mit 3-0 durch. T1 folgt nun mit 3-1. Damit stehen schon drei der vier koreanischen Teams sicher unter den besten acht. Nur Hanwha Life Esports muss noch um sein Turnierleben kämpfen.

China hat mit iG nun ebenfalls sein erstes Team sicher durch. Top Esports und Bilibili Gaming spielen noch gegeneinander um einen weiteren Knockout-Spot, während Anyone’s Legend bereits sensationell mit 0-3 ausgeschieden ist.

Der Westen wartet dagegen weiterhin auf seinen ersten sicheren Viertelfinalisten. MKOI und LYON haben die Chance verpasst, das zu ändern. G2, Karmine Corp, Team Liquid und LØS kämpfen ebenfalls noch um ihr Turnierleben.

T1 ist wieder da – aber der spannendere Run gehört vielleicht iG

Der gestrige Tag liefert damit zwei sehr unterschiedliche Qualifikationsgeschichten. Bei T1 ist das Weiterkommen fast erwartbar geworden. Egal wie die Saison läuft, egal welcher Seed neben dem Namen steht: Sobald die Worlds beginnen, steht T1 irgendwann wieder in der Knockout-Stage.

Bei iG fühlt sich das anders an. TheShy und Rookie führen die Organisation erstmals seit 2019 zurück ins Viertelfinale, während ein Worlds-Rookie wie JiaQi gleichzeitig zu einem der wichtigsten Spieler des Teams wird.

Für MKOI und LYON ist dagegen noch nichts vorbei. Beide haben weiterhin genau eine Chance. Aber ab jetzt gibt es keine Sicherheitsnetze mehr. Ein BO3 trennt sie vom Viertelfinale – oder vom Saisonende.

Florian Frick

Flo studiert Sportjournalismus und verbindet bei EarlyGame seine Leidenschaft fürs Schreiben und eSports. Er liebt CS, und zu sagen, dass er emotional werden kann, wenn er seine Lieblingsteams verfolgt, wäre untertrieben....